Ennepetal zieht Konsequenzen aus Reportage über Ekel-Essen

Das in Großküchen zubereitete Schulessen wird dem Team-Wallfraff-Bericht zufolge zum Teil unhygienisch und unappetitlich zubereitet.
Das in Großküchen zubereitete Schulessen wird dem Team-Wallfraff-Bericht zufolge zum Teil unhygienisch und unappetitlich zubereitet.
Foto: dpa

Ennepetal.. Die Stadt Ennepetal wird für ihre Kindertagesstätten und Schulen ab sofort kein Essen mehr von der Wuppertaler Firma Vitesca beziehen. Damit reagierte die Verwaltung auf einen RTL-Bericht vom Montagabend. Die Sendung „Team Wallraff – Reporter undercover“ hatte sich mit Mittagsverpflegung für Kindertagesstätten, Schulen und Seniorenheimen aus Großküchen beschäftigt und dokumentiert, wie unappetitlich und unhygienisch es in manchen Unternehmen zugeht, die solche Gerichte produzieren.

Unter anderem wurde über das Wuppertaler Unternehmen Vitesca berichtet, das täglich bis zu 25 000 Mittagessen für Schulen und Kindergärten produziert und während der Recherchen zu dem Wallraff-Beitrag mit drei Kochmützen zertifiziert war. Das ist laut AG Schulverpflegung des Fachbereichs Oecotrophologie der Hochschule Niederrhein die höchste positive Bewertung. Es wurde gezeigt, dass eine Undercover-Reporterin während einer Praktikumswoche bei Vitesca angehalten wurde, unter anderem schimmelige Gurken zu verarbeiten. Mehrfach entdeckte sie Waren, die nach dem Cook- und Chill-Verfahren (zunächst kochen, dann innerhalb von 90 Minuten auf 3 Grad abkühlen) nicht ordnungsgemäß gekühlt wurden, um eine mögliche Keimbildung auszuschließen. Außerdem fand sie diverse Fleischpackungen, deren Verbrauchsdatum abgelaufen war. Bei mehreren Kisten Bio-Hackfleisch, das zu „Chili con carne“ verarbeitet werden sollte, soll das Verbrauchsdatum laut Kennzeichnung seit über neun Monaten abgelaufen sein. Nach Ansicht von Fachanwälten stellt das lebensmittelrechtlich sogar eine Straftat dar.

Vitesca beliefert in Ennepetal alle städtischen Kindertagesstätten und Grundschulen, die Hauptschule und die Förderschule. Die Einrichtungen hatten sich aufgrund des Berichts gestern Morgen an die Stadt gewandt. Auch die Ratsfraktionen von CDU, Grüne, FWE und FDP und Bürgermeisterkandidatin Imke Heymann hatten in einem gemeinsamen Antrag auf die Reportage hingewiesen und Qualitätskontrollen sowie gegebenenfalls eine Trennung von dem Anbieter gefordert.

Bis zu den Ferien wird improvisiert

„Um den durchaus berechtigen Sorgen und erheblichen Bedenken aus der Elternschaft sowie seitens der Kindertagesstätten und Schulen Rechnung zu tragen“ habe man sofort reagiert, teilte die Stadt Ennepetal gestern mit. „Bis zur rechtssicheren Klärung der Gesamtsituation wurde die Lieferung der Essen an die betroffenen Einrichtungen gestoppt. Zunächst werden bis zu den Sommerferien die Kindertagesstätten und die betroffenen Schulen in enger Abstimmung mit der Elternschaft für eine improvisierte Mittagsverpflegung Sorge tragen.“ So gibt es zum Teil heute Pizza. In den Kindertagesstätten ist ohnehin eine 17,5-Stunden-Kraft beschäftigt, die über das Aufwärmen gelieferter Mahlzeiten hinaus Essen zubereitet. Dieses Stundenkontigent soll vorübergehend aufgestockt werden.

Die Stadt Ennepetal als Schulträger und als Träger der Kindertagesstätten werde bis zum Beginn des Schuljahrs 2015/2016 eine dauerhafte Alternative zur Mittagsverpflegung durch Vitesca sicherstellen. Dass Vitesca weiter als Lieferant für städtische Einrichtungen in Frage kommt, erklärte Stadt-Pressesprecher Hans-Günther Adrian, sei nur denkbar, wenn es dem Unternehmen gelänge, „die Vorwürfe vollumfänglich auszuräumen.“