Ennepetal geht neue Wege bei Energieversorgung

Gründung strategische Partnerschaft Stadt Ennepetal und AVU zum Betreiben des Gas- und Stromnetzes. v.l.: Rolf Hüttebräuker (Fraktionsvorsitzender FWE), Uli Röder (Die Grünen), Elmar Herrmann (SPD), Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, Martzin Brück von Oertzen (Agentur Wolter Hoppenberg), Uwe Träris (Vorstandsvorsitzender AVU AG), Ralf Holtmann (Prokurist AVU), Grit Hömke (Agentur Wolter Hoppenberg), Kämmerer Dieter Kaltenbach, Andreas Maaß (Agentur BET) und Hansjörg Sander (Geschäftsführer AVU Netz GmbH).
Gründung strategische Partnerschaft Stadt Ennepetal und AVU zum Betreiben des Gas- und Stromnetzes. v.l.: Rolf Hüttebräuker (Fraktionsvorsitzender FWE), Uli Röder (Die Grünen), Elmar Herrmann (SPD), Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, Martzin Brück von Oertzen (Agentur Wolter Hoppenberg), Uwe Träris (Vorstandsvorsitzender AVU AG), Ralf Holtmann (Prokurist AVU), Grit Hömke (Agentur Wolter Hoppenberg), Kämmerer Dieter Kaltenbach, Andreas Maaß (Agentur BET) und Hansjörg Sander (Geschäftsführer AVU Netz GmbH).
Foto: WP

Ennepetal..  Über die Idee, dass Ennepetal eigene Stadtwerke gründet, diskutierte die Politik schon vor mehr als 20 Jahren. Stadtwerke in Reinkultur sind es zwar nicht, aber die Kommune wird als Mehrheitseigner mit der AVU eine strategische Partnerschaft – wohl in Form einer GmbH & Co. KG – eingehen, die zukünftig für die Strom- und Gasversorgung in der Klutertstadt zuständig sein wird. Damit sind die Ennepetaler Pioniere im Kreis und hoffen, so für folgende Generationen Vermögen zu schaffen. Die AVU betrachtet dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Das steckt dahinter

Die zwei wesentlichen Punkte aus Sicht der Stadt lauten: Einflussnahme und Geld. „Wobei die Möglichkeit, die Entwicklung dieser wichtigen Infrastruktur zukünftig mitzugestalten, deutlich überwiegt“, betont Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, der von einer „historischen Entscheidung für die Stadt“ spricht. Die Planungen starteten Ende 2012. Da lief der Konzessionsvertrag mit der AVU aus.

Unter Einbeziehungen von Martin Brück von Oertzen, Fachanwalt der Kanzlei Wolter Hoppenberg, der für den strategisch-juristischen Teil zuständig war, und Andreas Maaß vom Büro für Energiewirtschaft und technische Planung, der für den technisch-wirtschaftlichen Teil zuständig war, arbeiteten alle Fraktionen und die Verwaltung ganz eng zusammen, fällten sämtliche Beschlüsse einstimmig, ehe das europaweite Vergabeverfahren startete und der Stadtrat sich am 12. März dieses Jahres dazu entschied, das wirtschaftlichste Angebot anzunehmen und eine Partnerschaft mit der AVU einzugehen.

So geht es weiter

So bald wie möglich wird die neue GmbH gegründet, an der die Stadt Ennepetal 51 Prozent hält und die AVU 49 Prozent. Diese neue Firma kauft das Netz von der AVU. Im laufenden Haushalt der Stadt Ennepetal stehen dafür elf Millionen Euro zur Verfügung. „Wir gehen aber davon aus, dass diese Summe bei Weitem nicht erreicht wird“, sagt Kämmerer Dieter Kaltenbach.

Ebenso schreibt die Stadt Ennepetal zeitnah die Konzession europaweit aus. Auch das muss diskriminierungsfrei und europaweit geschehen. Jeder kann sich bewerben. Würde der Zuschlag am Ende nicht an die AVU AG gehen – dann wäre der schöne Traum geplatzt. „Doch uns ist es stets gelungen alles wie gewünscht rechtlich sicher und beanstandungsfrei über die Bühne bringen“, ist Martin Brück von Oertzen sicher, dass das Gesamtprojekt dadurch nicht in Gefahr gerät.

Die Konzession soll bis spätestens Ende des Jahres für einen Zeitraum von 20 Jahren vergeben werden. Die Finanzierung des Modells soll keinerlei Auswirkungen auf andere Bereiche in der Stadt haben. „Da kommt uns das Niedrigzinsniveau entgegen“, sagt Kaltenbach, der sogar davon ausgeht, dass nach Ablauf der 20 Jahre nicht nur die Kredite getilgt sind, sondern noch etwas für das Stadtsäckel übrig bleibt. „Zudem wird die neue GmbH natürlich in Ennepetal angesiedelt, was uns Gewerbesteuer bringt.“

Zudem stünde eine bezahlte Infrastruktur auf der Vermögensseite der Kommune, die stets und ständig auf dem gleichen technischen Stand gehalten werden soll, wie das Netz in den Nachbarstädten, das noch komplett in der Hand der AVU ist.

Auswirkungen auf die Kunden

Hansjörg Sander, Geschäftsführer der AVU Netz GmbH, die auch zukünftig für sämtliche Arbeiten an den Netzen und Anlagen für die Energieversorgung in der ­Klutert­stadt verantwortlich zeichnet, verspricht: „Der Verbraucher wird keinerlei Veränderung merken.“ Die Netzentgelte werden weiterhin analog zum restlichen Verbreitungsgebiet erhoben. Die Rechnungsstellung, Buchhaltung und sämtlicher Service sollen wie bisher über die AVU laufen.

Auswirkungen auf die AVU

Uwe Träris, Vorstandsvorsitzender der AVU AG betont zwar: „Wir freuen uns riesig über die Entscheidung der Verantwortlichen aus Ennepetal, dass wir strategischer Partner geworden sind. Wir bringen unsere langjährige Erfahrung zur sicheren und zukunftsorientierten Energieversorgung mit in die zu gründende Gesellschaft ein.“ Allerdings sagt der Chef des Energieversorgers auch: „Für uns ist ein alleiniger Konzessionsvertrag immer der Weg, den wir zuvorderst anstreben.“ Das habe in Ennepetal nicht funktioniert, um so glücklicher sei er, dass man aus dem Vergabeverfahren als strategischer Partner als Sieger hervor gegangen sei.

Die Entwicklungen in Ennepetal könnten auch andernorts Auswirkungen haben. Die Aktiengesellschaft, die zu 50 Prozent der RWE, zu 29,1 Prozent dem Ennepe-Ruhr-Kreis, zu 12,8 Prozent der Stadt Gevelsberg, zu 6,9 Prozent der Stadt Schwelm und zu 1,2 Prozent der Stadt Ennepetal gehört, verliert auf einen Schlag Eigentum im Wert von Millionen. Dafür gibt es Bargeld, das die AG wieder anlegen kann. Uwe Träris: „Aktuell ist die Rendite aus dem Netzbetrieb nicht zu schlagen, aber eine Prognose zur Dividendentwicklung kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand abgeben.“

Von diesen Dividendenzahlungen gleicht der Ennepe-Ruhr-Kreis zum Beispiel die Verluste aus, die die VER einfährt. AVU-Aktien des Kreises und Verkehrsbetriebe sind daher vor Kurzem in einer Holding zusammengeführt worden.