Einzelhändler will in Praktiker-Gebäude

Aus Gründen der Dringlichkeit ist in Einvernehmen mit den Mitgliedern desStadtentwicklungsausschusses das Thema kurzfristig auf den Tisch gekommen. Die Bauvoranfrage für das Praktiker-Gelände kam vor wenigen Tagen.
Aus Gründen der Dringlichkeit ist in Einvernehmen mit den Mitgliedern desStadtentwicklungsausschusses das Thema kurzfristig auf den Tisch gekommen. Die Bauvoranfrage für das Praktiker-Gelände kam vor wenigen Tagen.
Foto: WP

Gevelsberg..  Der ehemalige Praktiker-Markt an der Hagener Straße steht schon lange leer. Allzu gerne hätte die Stadt eine neue Nutzung für die Immobilie, großflächiger Einzelhandel steht jedoch nicht auf der Wunschliste. Doch eben solch eine Bauvoranfrage landete nun im Rathaus – die Stadtverwaltung befürchtet dadurch eine massive Schädigung der Innenstadt, Bürgermeister Claus Jacobi richtet deshalb einen Appell an die Politik, sich dafür einzusetzen, diese Ansiedlung zu verhindern.

Massiver Abwehrkampf

Man habe einen massiven Abwehrkampf hinter sich, was die Ikea-Ansiedlung in Wuppertal angeht, betont Jacobi im Stadtentwicklungsausschuss. Und auch jetzt müsse man die Innenstadt vor einer schädigenden Entwicklung schützen. Der Weg, den der Bürgermeister den Fraktionen in Absprache mit der Verwaltung und einer Anwaltskanzlei vorschlage, sei jedoch nicht risikofrei. Die Stadt müsse planungsrechtlich gegen das groß angelegte Vorhaben angehen, in dem schnell ein Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplanes gefasst wird. Aktuell gibt es nämlich keinen Bebauungsplan für das Gebiet, zulässig seien dadurch Ansiedlungen, die sich in die Eigenart der näheren Umgebung anpassen, erklärt Björn Remer, der Fachbereichsleiter Stadtplanung. Da das Sortiment keine Rolle bei der Betrachtung spiele, gehe die Stadt davon aus, dass die Anfrage zulässig wäre.

Doch gerade das Sortiment sei das Problem, da die Stadt von einer schädigenden Wirkung auf die Fußgängerzone ausgehe, da zentrenrelevante Waren im Angebot des neuen Einzelhändlers wären. Die Verkaufsfläche würde insgesamt 2600 Quadratmeter betragen. Und auch bezogen auf die Größe sieht Jacobi Probleme auf die Innenstadt zukommen. Zum Vergleich: Der Edeka-Markt auf dem Börkey wird seine Waren auf 2300 Quadratmeter anbieten.

Der große Markt auf der grüne Wiese könnte zudem dafür sorgen, dass der Kaufland im Herzen der Stadt einen erheblichen Abzug von Kunden hat. Und das sorge für eine Situation in der Innenstadt, die die Stadt vor Schwierigkeiten stellen könnte, so Remer.

Im Einzelhandelskonzept von 2010 ist für die Fläche an der Hagener Straße zudem nur als ein reines Nahversorgungszentrum vorgesehen, das nicht weiter entwickelt werden soll. Nicht nahversorgungsrelevante Sortimente wie Baumärkte oder Autohäuser sind an dieser Stelle gewünscht und sollen auch weiterhin zulässig sein.

Der Investor, der die Einzelhandelansiedlung plant, habe zwar ein Gutachten eingereicht, in dem erklärt wird, dass keine Zentrenschädigung zu erwarten sei, doch dies werde vonseiten der Stadt angezweifelt, erklärt Björn Remer.

Das Bauvoranfrage abzulehnen würde wohl später die Gutachter vor Gericht beschäftigen, erklärt der Stadtplaner: Und das mit ungewissem Ausgang. Der sicherere Weg wäre einen Bebauungsplan aufzustellen, aber auch hier erwarten die Verantwortlichen eine Reaktion des Investors, der möglicherweise Schadensersatz fordert. Die Stadt sei in enger Absprache mit einer Anwaltskanzlei betont Claus Jacobi: „Es ist keine einfache Situation.“

Noch hat die Politik keine Entscheidung getroffen.