Einsatzkräfte mit Gläsern beworfen

Einzelfälle unter Zehntausenden, die friedlich feiern, aber ein Trend, den das DRK ausmacht: Immer öfter werden die ehrenamtlichen Helfer rund um das Kirmesgeschehen selbst zur Zielscheibe.
Einzelfälle unter Zehntausenden, die friedlich feiern, aber ein Trend, den das DRK ausmacht: Immer öfter werden die ehrenamtlichen Helfer rund um das Kirmesgeschehen selbst zur Zielscheibe.
Foto: beim Autor
Was wir bereits wissen
Die Polizei hat die Hände des jungen Mannes auf dem Rücken gefesselt. Er tobt, schreit, reißt sich plötzlich los und schlägt mit seinem Kopf immer wieder auf die Motorhaube des Rettungswagens ein, der an der Haßlinghauser Straße stationiert ist. Nur einer von mehreren Angriffen auf Polizei und Rot-Kreuz-Helfer, die sich seit Freitag auf der Gevelsberger Kirmes ereignet haben.

Gevelsberg.. „Ich möchte nicht dramatisieren, aber diesen Trend, haben wir schon auf der Kirmes in Voerde beobachtet. Wir werden bei unserer Arbeit von Einzelnen massiv behindert und sogar angegriffen“, sagt Markus Wienert, Leiter des DRK Ennepetal. Sein Gevelsberger Pendant, Mario Fuchs: „Die Gewalt nimmt zu, der Respekt gegenüber uns schwindet. Ganz klar aber: Zehntausende feiern friedlich, das sind nur einige wenige Chaoten.“

Besonders heftig ist die Geschichte, die sich am frühen Sonntagmorgen hinter dem Breakdance an der Kreuzung am Timpen ereignete.

Über Funk kam die Meldung, dass der Sicherheitsdienst die Lage mit aggressiven Männern nicht in den Griff bekam. Die Polizei rückte an, nahm einen Mann fest, fixierte seine Hände auf dem Rücken, als sich der oben beschriebene Vorfall ereignete. Parallel zu dem Tumult hatten die DRK-Helfer einen Einsatz und mussten eine unbeteiligte Person mit Handfraktur im Ennepetaler DRK-Wagen behandeln. Gerade als sie die Schiebetür zuziehen wollten, riss eine Gruppe Betrunkener derart heftig an ihr und rammte sie nach hinten, dass sie stark beschädigt wurde. Die Täter flüchteten.

„Wir mussten den Wagen außer Dienst stellen“, sagt Mario Fuchs. Grundsätzlich sind für die Großveranstaltung mehrere DRK-Rettungswagen aus ganz NRW eingeplant. „Wenn einer ausfällt, müssen wir schnell reagieren. Zum Glück bekamen wir für den Kirmeszug einen Krankenwagen aus Lippstadt, auf den zusätzlich eine Rettungsassistentin ging.“

Der Ennepetaler Wagen wurde bei der Firma Frischkorn instand gesetzt und ist ab heute wieder einsatzfähig. „Wir wissen allerdings noch nicht, ob eine Versicherung für den Schaden einspringt“, sagt Markus Wienert und erzählt, mit welchen Problemen die Helfer zu kämpfen haben. Die Menschen machten oft keinen Platz, beschimpften die RTW-Besatzungen, wenn sie zu Einsätzen durch die Menschenmenge fahren. Die Trittbretter und Räder werden als Müllablagefläche benutzt, Gläser bewusst unter die Räder gelegt. „Aber das Schlimmste ist, dass wir bei Einsätzen mit Gläsern beworfen werden.“ Dies sei nicht gezielt erfolgt, aber Halbstarke hätten mehrfach Gläser dahin geworfen, wo sich die Mediziner sogar um Intensivfälle gekümmert hätten.

Zeitungsbotin verprügelt

Das DRK reagiert. Bei den Teams, die zu Fuß unterwegs sind, laufen nicht mehr zwei Frauen gemeinsam, viele haben Deeskalationstrainings absolviert. „Manchmal reicht ein falsches Wort“, sagt Wienert, der wie Fuchs darin die große Gefahr sieht, dass immer weniger Ehrenamtliche Lust haben, auf solchen Veranstaltungen zu arbeiten.

Ansonsten hätten sich die Einsätze generell gehäuft. Grund zumeist: zu viel Alkohol. „Irgendwann sagt der Kreislauf: Gute Nacht“, so Mario Fuchs, der genau wie Markus Wienert beobachtet hat, dass sich Schnittverletzungen im Vergleich zu 2014 wieder gehäuft hätten. Das liegt aus Wienerts Sicht an zwei Dingen: Einerseits sei der Glasbruch angestiegen, „andererseits habe ich kein Verständnis dafür, dass Dreiviertel der Damen Schuhe tragen, die diesen Namen nicht verdient haben und sich dann wundern, dass sie sich Schnittverletzungen zuziehen.“

Arbeit hatte auch die Polizei, die selbst Angriffsziel wurde. Als die Beamten am Sonntag um 0.10 Uhr einen 17-jährigen Schwelmer in Gewahrsam nehmen wollte, griff dieser sie an und schleuderte eine Glasflasche gegen den Streifenwagen. Nach dem Kirmeszug am Sonntag wurden andere Polizisten von zwei Gevelsbergern – 20 und 34 Jahre alt – angegriffen.

Zudem fahnden die Beamten nach Schlägern: Zunächst schlug und trat am Samstag gegen 6.20 Uhr ein Mann in Höhe einer Gaststätte an der Rosendahler Straße auf eine Zeitungsbotin (46) ein. Leichte Verletzungen, Brille kaputt. Erst als ein Rollerfahrer anhielt, ließ der Täter von seinem Opfer ab und flüchtete mit seinem Begleiter, der die Frau ebenfalls beschimpfte, Richtung Haßlinghauser Straße. Beschreibung: etwa 20 Jahre alt, etwa 172 cm groß, schlank, blonde hoch gegelte Haare, blaue Augen, trug ein schwarzes Oberteil mit Adidas-Schriftzug und helle Turnschuhe. Sein Begleiter hat kurze braune Haare, eine stabile Figur und trug eine Jeans.

Polizei bittet um Hinweise

Am Sonntag gegen 6.50 Uhr schlugen drei Männer auf der Mittelstraße, in Höhe des Hauses Nummer 99, einem 38-jährigen Hattinger eine Holzplanke auf den Kopf und verletzten ihn leicht. Dann flüchteten sie Richtung Elberfelder Straße. Beschreibung: südländisches Aussehen, etwa 20 bis 23 Jahre alt. Einer von ihnen hat einen Dreitagebart und trug eine blaue Jeans, einer eine schwarze Lederjacke und ein Basecap.