Einsatz für Menschen von Menschen

Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit in Ennepetal: Helma Haas (links) und Sabine Dörken.
Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit in Ennepetal: Helma Haas (links) und Sabine Dörken.
Foto: WP

Ennepetal..  Wer hier Zuflucht sucht, der hat meist Unvorstellbares durchgemacht. Viele mussten Verfolgung und Krieg in ihrer Heimat erleben. Dann die lange Reise in ein fernes Land – der Neuanfang als Fremder. Ohne Unterstützung der Menschen vor Ort sei es für viele Flüchtlinge schwer, hier Fuß zu fassen, weiß Petra Backhoff vom Kinderschutzbund. Eine große Aufgabe für die Stadt, die sie nicht alleine bewältigen könne. Um so mehr freut sie sich, dass sich 20 Ehrenamtliche gefunden haben, um den Flüchtlingen dabei zu helfen, sich hier etwas mehr zu Hause zu fühlen.

Zwei von ihnen sind Helma Haas und Sabine Dörken. So wie die anderen Ehrenamtlichen in ihrer Gruppe auch haben sie sich freiwillig gemeldet, weil sie für diese Menschen da sein wollen, von ihren Nöten gehört hatten. Möglichkeiten sich einzubringen, gebe es viele, sagt Petra Backhoff. Vor allem auch, weil die Flüchtlinge in dieser Stadt mittlerweile dezentral untergebracht würden. Denn in dem Haus an der Heimstraße ist längst kein Platz mehr. Um alle Flüchtlinge zu erreichen, so Backhoff, brauche man unbedingt mehrere helfende Hände.

Über Bürokratie und Fristen

Helma Haas und Sabine Dörken haben angeboten, bei der Hausaufgabenhilfe mitzumachen und Kinder mehrere Stunden in der Woche dabei zu unterstützen, die Sprache besser zu lernen. Sie hoffen, dass die Kinder Vertrauen zu ihnen fassen, sich durch bessere Sprachkenntnisse in der ihr fremden Stadt besser einleben können und auch davon abgelenkt sind, dass sie ihre Heimat hinter sich lassen mussten. „Wenn man mit Herz und Liebe an die Sache rangeht, dann kann man viel erreichen“, ist sich Sabine Dörken sicher. Sie weiß, wovon sie spricht. Die beiden gehören nämlich auch zu den Herzdamen, die sich für Menschen in der Stadt einsetzen, denen es nicht so gut geht -- und hätten immer wieder erlebt, wie sehr auch Kleinigkeiten Freude bereiten können.

Sie und ihre Mitstreiterinnen sind bei einigen Veranstaltungen in der Stadt dabei, verkaufen Selbstgemachtes wie Liköre, Marmeladen und Stricksachen und spenden die Erlöse. Über diesen Weg sei auch der Kontakt zum Kinderschutzbund geknüft worden. Petra Backhoff habe die Situation der Flüchtlinge geschildert — und schon hatte sie die beiden und Herzdame Katja Lindner für ihre Sache gewonnen. Auch von anderen Vereinen hätten sich Ehrenamtliche beim Kinderschutzbund gemeldet und ihre Hilfe angeboten, freut sich Backhoff begeistert. „Dank dieser tollen Unterstützung kann viel erreicht werden.“ Um auf diese Aufgabe besser vorbereitet sein, gibt es für diese Ehrenamtlichen derzeit eine Schulung. Möglich gemacht hat dieses Angebot eine Kooperation aus Kinderschutzbund und der Stadt, organisiert hat die Informationsreihe die Verwaltungsmitarbeiterin Sarah Biet Sayah. Referent ist Knut Rauchfuss von der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum.

Aus seiner langjährigen Erfahrung heraus weiß er vieles zu berichten. Welch Odyssee viele Flüchtlinge durchmachen, ehe sie an einem Ort angekommen sind. Wie die Gesetzeslage aussieht, was im Umgang mit traumatisierten Menschen zu beachten ist und wie viel Bürokratie hinter jedem Asylbewerberverfahren steht. „Das Entscheidende sind aber die Fristen“, sagt Helma Haas. Sie hätte nicht gedacht, wie streng damit verfahren wird. Mit das Wichtigste in einer Unterkunft für Flüchtlinge sei deshalb ein Briefkasten, damit die entsprechenden Formulare direkt bei den Familien ankommen. Doch genau der fehle an der Heimstraße. Die beiden Frauen bitten darum, dass ausrangierte Briefkastensysteme gespendet werden, denn Geld für solche Ausgaben gibt es bei der Stadt nicht.

Handwerkskoffer an die Hand geben

Eine Verwaltung könne nicht alles leisten, vor allem nicht in solchen Bereichen, die über die Grundbedürfnisse hinaus gehen, meint Backhoff. Und genau deshalb seien die Ehrenamtlichen auch so wichtig. Durch die Schulung, erklärt die Frau vom Kinderschutzbund, solle ihnen eine Art Handwerkskoffer an die Hand gegeben werden. Damit sie wissen, wen sie ansprechen müssen, wenn bestimmte Fragen während ihrer Arbeit aufkommen: eben nach den Fristen, nach Behörden, wenn etwas zum Leben fehlt. Sabine Dörken und Helma Haas fühlen sich nun besser vorbereitet, freuen sich auf ihren Einsatz: „Wenn man sieht, wie es anderen Menschen geht, was um einen herum geschieht, dann kann man nicht anders als helfen.“

INFO:

An fünf Abenden werden alle Ehrenamtlichen in den Räumen des Kinderschutzbundes geschult.

Wenn die Resonanz da ist, und sich genügend Interessierte melden, soll es einen weiteren Kurs geben.