Einigkeit über Anbindung des Neubaugebiets

Nach Meinung der Anwohner soll das geplante Neubaugebiet Dörnerbusch über die Straße An der Maus an die Asbecker Straße angebunden werden.
Nach Meinung der Anwohner soll das geplante Neubaugebiet Dörnerbusch über die Straße An der Maus an die Asbecker Straße angebunden werden.
Foto: WP

Gevelsberg..  Mit großer Einigkeit gingen die Teilnehmer bei einer Bürgerversammlung zur Verkehrsanbindung des geplanten Neubaugebiets Dörnerbusch zwischen Asbecker Straße und Vogelviertel auseinander. Nach Ansicht aller Beteiligter soll es in dem Wohngebiet nicht – wie bisher geplant – eine Durchgangsstraße geben. Die späteren Mieter oder Eigentümer der hundert vorgesehenen Wohneinheiten sollen mit ihren Autos über die Straße An der Maus und der Asbecker Straße das Neubaugebiet verlassen.

Das Interesse war groß. Nicht nur der Ratssaal, auch die Zuschauerränge im Rathaus waren am Montag Abend komplett gefüllt. Eine Durchgangsstraße durch das Bebauungsgebiet würde in einigen Varianten durchaus als Alternative zur Wittener Straße nachgefragt, machte Alexander Sillus als Gutachter klar. Das hätten die Auswertung der Verkehrszählung der Ingenieurgesellschaft für Verkehrswesen mbH Brilon Bondozio Weiser, für die er arbeitet, ergeben. Nur sei die Frage: Will man das? Die Entlastungen der Wittener Straße seien für die Anwohner kaum spürbar, die Belastungen in den Wohngebieten groß.

Sillus schlug deshalb eine Variante 0 als Alternative vor. Die bedeutet: Einfach praktisch nichts zu tun und das Neubaugebiet Dörnerbusch über die Straße An der Maus an die Asbecker Straße anzubinden. Richtung Süden – ins Vogelviertel – würde es dann keine Verkehrsverbindung geben. Wer zur Autobahn oder in die Stadt fahren wolle, müsse über den Börkey. Für diesen Vorschlag gab es, was bei einer Bürgerversammlung wohl eher unüblich ist, spontanen Beifall für den Gutachter.

Natürlich wurde weiter, auch emotionsreich diskutiert. Zwischendurch warf Bürgermeister Claus Jacobi die entscheidende Frage in den Raum: „Ist eigentlich jemand im Saal gegen die Variante 0?“ Keine Hand ging hoch. Bei der „nicht beabsichtigten Probeabstimmung“, wie der Bürgermeister es einordnete, stellte er Einstimmigkeit fest.

Warum alle Beteiligten die Variante 0 für die beste Lösung halten:

1. Anwohner im Vogelviertel

Vor ihren Häusern verändert sich durch das Neubaugebiet eigentlich nichts, wenn sich die Variante 0 politisch im Rat der Stadt Gevelsberg durchsetzen lässt. Weil es keine Durchgangsstraße und auch keinen Schleichweg zu den Autobahnen, geben wird, ist auch kein höheres Verkehrsaufkommen zu erwarten.

2. Anwohner An der Maus

Nach Berechnungen der Verkehrsexperten werden 800 Autos täglich durch die Straße fahren. Das ist erstens nicht viel und zweitens die geringste Zahl, die bei den Hochrechnungen für die Lage im Jahr 2025 von dem Verkehrsbüro ermittelt wurde. Bei allen anderen Varianten wird durch eine Durchgangsstraße eine zusätzliche Belastung geschaffen – mit einer Ausnahme: Bei dieser Variante bliebe es – wie bei Variante 0 – bei 800 Fahrzeugen täglich.

3. Die Stadt

Die Stadt Gevelsberg – und damit der Steuerzahler – muss die Durchgangsstraße im Neubaugebiet Dörnerbusch bezahlen, wenn sie denn gebaut wird. Bürgermeister Claus Jacobi rechnet mit einer Summe von mindestens zwei Millionen Euro, weil auch noch eine Rampe über die alte Bahnstrecke errichtet werden muss. Manche Experten halten diese Summe für noch viel zu niedrig angesetzt.

4. Der Investor

Wolfgang Frey aus Ennepetal kann nun seine hundert Wohneinheiten im Dörnerbusch planen, ohne Rücksicht auf die Vorgaben und Begrenzungen durch die Durchgangsstraße nehmen zu müssen: „Wir können nun ein vernünftiges, durchgrüntes Baugebiet planen.“ Frey machte deutlich, dass die Lösung mit der Variante 0 auch im Sinne der späteren Bewohner des Neubaugebiets sei. Auch sie würden nicht durch einen Durchgangsverkehr belastet.

So gesehen gingen alle Seiten als Sieger aus der Versammlung. „Das hat Spaß gemacht“, zog Jacobi Bilanz: „Es war eine konstruktive und sachliche Diskussion“. Widerspruch erntete der Bürgermeister damit nicht.