Eine Wohngemeinschaft der besonderen Art

Geschäftsführer Carsten Petruck (links) und Teamleiter Oliver Becker in einem der Zimmer, die im früheren Oberlinhaus bewohnt sind.
Geschäftsführer Carsten Petruck (links) und Teamleiter Oliver Becker in einem der Zimmer, die im früheren Oberlinhaus bewohnt sind.
Foto: WP

Ennepetal..  Früher war es das Oberlinhaus und diente der Evangelischen Kirchengemeinde Milspe als Predigtstätte und Gemeindehaus. Heute leben dort Menschen, die besonders hilfe- und pflegebedürftig sind. Seit einem Jahr betreibt Carsten Petruck an der Fritz-Reuter-Straße auf Homberge den Pflegedienst „Pewa“ für Intensiv-, Beatmungs- und Wachkoma-Pflege.

Um drei Bewohner kümmert sich das achtköpfige Team derzeit im „Haus am Fritz“. Insgesamt bietet die im EN-Südkreis in dieser Form bisher einmalige Einrichtung zehn Plätze. „Wir kümmern uns um Menschen, die eine 24-Stunden-Intensivüberwachung brauchen, die an Beatmungsgeräte angeschlossen sind oder eine dauerhafte Sauerstofftherapie erhalten müssen“, erklärt Carsten Petruck.

Rund-um-Betreuung

Herzinfarkte oder Schlaganfälle, Lungenerkrankungen oder Unfälle können die Ursachen für die schweren gesundheitlichen Schädigungen sein, die die Bewohner des Hauses erlitten haben. Auch Menschen, die aufgrund schwerer Hirnschädigungen am apallischen Syndrom, dem so genannten Wachkoma, leiden, werden gepflegt.

Neben einem Pflege- und einem Versorgungsvertrag, dessen Leistungen in der Regel die Kranken- und Pflegekassen übernehmen, schließen die Bewohner beziehungsweise deren Angehörige einen Mietvertrag mit „Pewa“ ab. „Wir kümmern uns dann um alles“, erklärt Carsten Petruck. Dazu gehören Behördengänge und die Organisation medizinischer Behandlungen sowie die Besorgung von Medikamenten und Hilfsmitteln.

Im Mittelpunkt steht die Betreuung und Pflege der Bewohner. „Wir gehen auf den Tagesablauf der Bewohner ein“, erklärt Carsten Petruck. Dazu werde ein Gespräch mit den Angehörigen geführt und eine Art Biografie erstellt, wie der zu Betreuende gelebt hat, als er noch gesund war. „Danach richten wir uns dann. Das ist hier kein Heim mit festen Zeiten, die für alle gleich sind.“ Insgesamt acht Mitarbeiter kümmern sich dann im Schichtbetrieb um die Bewohner. „Alle sind Pflegefachkräfte, die eine dreijährige Ausbildung absolviert haben“, betont Carsten Petruck. Der größte Teil habe zudem eine Fachqualifikation in der Intensivpflege.

Petruck selbst ist Krankenpfleger mit Zusatzqualifikationen in der Anästhesie- und Intensivpflege. Zudem hat er sich zum Pflegedienstleiter weitergebildet. Mit reduzierter Stundenzahl arbeitet er in einem Hagener Krankenhaus. „Ich arbeite aber teilweise auch hier im Haus mit, um auch selbst mitzuerleben, wie es läuft.“ Sein Ziel sei es ohnehin, dauerhaft im „Haus am Fritz“ zu arbeiten.

Auch der Teamleiter vor Ort, Oliver Becker, ist ausgebildeter Krankenpfleger mit mehrjähriger Erfahrung auf einer Intensivstation. Der Ennepetaler, der ganz in der Nähe wohnt, hat zu dem Haus eine besonders enge Beziehung. „Meine Tochter ist hier noch getauft worden“, erinnert er sich an die Zeiten, als das Oberlinhaus Gemeindezentrum für Homberge war. Vor einigen Jahren hatte die Gemeinde das Haus an einen privaten Investor abgegeben. Bevor „Pewa“ dort einzog, hatte dieser das Haus bereits an einen Pflegedienst vermietet und entsprechend umgebaut.

In der Art der Pflege wie er sie mit seinem Pflegedienstteam im „Haus am Fritz“ anbietet, sieht Carsten Petruck grundsätzlich einen Trend. Angehörige seien oft mit der Pflegesituation zu Hause überfordert, auch fehlt in vielen Fällen einfach der Platz. Da sei eine Wohngemeinschaft – im Idealfall in der Nähe der Angehörigen – mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung eine passende Lösung.