Eine gemeinsame Stunde der Stille

Die Prozession führte auch zum Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde an der Kaiserstraße.
Die Prozession führte auch zum Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde an der Kaiserstraße.
Foto: WP

Schwelm..  Christen versammelten sich am Karfreitagabend zu einem gemeinsamen Kreuzgang durch Schwelm. Eingeladen hatte die katholische Gemeinde. Der diesjährige Kreuzgang stand unter dem Thema: „Arma Christi – Die Leidenswerkzeuge Jesu.“ Federführend war Propst em. Msgr. Heinz Ditmar Janousek.

An jeder Station erwarteten die Teilnehmer anregende Texte, mit denen sie sich auf dem Weg zur nächsten Station schweigend auseinandersetzten. Vorgetragen wurden die Texte von Propst em. Msgr. Heinz Ditmar Janousek, Pastor Jürgen Schröder, Pastoralassistent Bernd Fallbrügge und dem stellvertretendem Gemeinderatsvorsitzenden Matthias Braun.

Die sieben Schwerpunkte bildeten das Kreuz, die Dornenkrone, Hammer und Nägel, das Gewand und die Würfel, der Stock mit dem Essigschwamm, die Lanze und das Glaubensbekenntnis INRI. Es wurden Fragen aufgeworfen, wie „Was bin ich bereit, für andere auf mich zu nehmen? Erkenne ich die Dornen meines Lebens? Wo bin ich für andere ein Hammer? Wie groß ist meine Bereitschaft zur Versöhnung? Wie stehe ich zum „Essig“ meines Lebens? Kann ich Schweres durchtragen? Ist mein Herz auch offen für andere?“

Der Kreuzgang hatte seinen Anfang und Ende in der Marienkirche. Von dort ging es zur Christuskirche und weiter zum Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde an der Kaiserstraße. Zentrales Zeichen war ein großes Holzkreuz, das wechselnd getragen wurde.

Pastor Jürgen Schröder erklärte: „Die evangelische Kirche kennt in ihrer Tradition keine Prozessionen. Wir haben z.B. keine Fronleichnam-Prozession und keinen öffentlichen Bußgang unter dem Kreuz.“ Dennoch beteiligte er sich als ein Leser der Impuls setzenden Texte. Pastor Jürgen Schröder erachtete es als wichtig, nicht nur im Zeichen der Ökumene, sich auf Neues einzulassen. Er selbst hat den Kreuzgang für sich als Einstimmung und Kraftressource auf das Osterfest entdeckt. Viel zu oft werde vergessen, dass kirchliche Feiertage von Geistlichen sehr viel forderten und auch diese eine Möglichkeit zum Auftanken ihres Glaubens benötigten: Eine Stunde der Stille mit sich und den gesetzten Impulsen.

Gerade auch aufgerüttelt durch die Fastenpredigten, war es vielen Teilnehmern ein Bedürfnis, das Gehörte in die Tat umzusetzen und zu ihrem Glauben zu stehen. In der Marienkirche hatte man sich in der Fastenzeit mit dem apostolischen Schreiben des Papstes über die Freude des Glaubens: „Evangelii Gaudium“ beschäftigt. In diesem betont der Papst, wie wichtig ihm eine Kirche mit offenen Türen ist und wie sinnvoll es ist, eine verbeulte Kirche zu sein. Er fordert zu Wagemutigkeit und Kreativität auf. Propst Norbert Dudek trug selbst das Kreuz von der Christuskirche zur evangelisch freikirchlichen Gemeinde.

Entgegenkommende Jugendliche stellten sich die Frage beim Anblick der Prozession: „Was ist das denn für eine Demo?“ Als sie das Kreuz entdeckten, blieben sie ehrfurchtsvoll stehen und ließen den schweigenden Zug an sich vorüber ziehen. Nach Abschluss des Kreuzgangs lud die katholische Gemeinde zur Komplet, dem Nachtgebet, ein. Sie wurde von Propst Norbert Dudek geleitet.