Eine abgefahrene Expedition nach Laos

In diesem Dorf wohnte Stefan Voigt während der Expedition.
In diesem Dorf wohnte Stefan Voigt während der Expedition.
Foto: WP

Ennepetal..  „Ich habe schon viele Auslandsreisen gemacht. Das war die abgefahrenste“, meint Stefan Voigt. Laos war das Ziel einer Expedition, an der der leidenschaftliche Höhlenforscher und Vorsitzende des Arbeitskreises Kluterthöhle teilnahm. Beeindruckende Naturerlebnisse und das Leben in einfachsten Verhältnissen prägten die abenteuerliche Reise nach Südostasien. Dass für Stefan Voigt die Kluterthöhle so vertraut ist, wie unsereins das Wohnzimmer, wissen diejenigen die ihn kennen, nur zu gut.

Doch so, wie man gerne einmal seine Wohnung verlässt, um andere Länder kennen zu lernen, so besucht Voigt Höhlen in der ganzen Welt. Mehrmals war er bereits in Syrien, auch im Oman, im Libanon, in Rumänien und immer wieder im „Steinernen Meer“ im Nationalpark Berchtesgadener Land. Und vor 20 Jahren nahm er an einer Expedition in Kambodscha, einem der Nachbarländer Laos’. teil.

„Laos ist eines der ärmsten Länder der Welt“, erklärt Stefan Voigt. „Es gibt im Prinzip keine Infrastruktur.“ Nach 14-stündigem Flug in die vietnamesische Hauptstadt Hanoi und eineinhalbstündigem Weiterflug in die Landeshauptstadt Vientiane ging es mit dem Auto weiter nach Xam Neua, die Hauptstadt der Provinz Houapan. 20 Stunden dauerte die Fahrt durch das sehr dünn besiedelte Land. „Die Hauptstraßen sind da wie bei uns die Straße durchs Tal der Ennepe. Nur mit viel mehr Schlaglöchern“, erklärt Stefan Voigt und fügt hinzu: „Bei uns fährt man mit Allradfahrzeugen zum Einkaufen, dort bräuchte man sie wirklich. Aber weil Allrad 3000 Euro mehr kostet, kauft das keiner.“

In kleinen Gruppen ging es weiter. Gemeinsam mit zwei Russinnen, einem in Laos lebenden Niederländer, einem Iren sowie den Deutschen Stefan Viersing und Expeditionsleiter Dr. Carsten Ebenau – beide übrigens auch Mitglieder des Arbeitskreises Kluterthöhle – reiste Stefan Voigt in ein kleines Dorf. In Pfahlbauten lebten die Höhlenforscher bei Familien der Volksgruppe der Tai Deng – eine der 36 verschiedenen Ethnien in Laos – in einfachsten Verhältnissen.

In dem Dorf ging es für die Besucher zunächst zum Dorfvorsteher. Sie fragten ihn nach den Höhlen, die er ihnen dann zeigte. In der Bevölkerung gebe es gegenüber westlichen Besuchern durchaus noch Vorbehalte, erklärt Stefan Voigt. Zwar hätten die Amerikaner Laos zur Zeit des Vietnamkriegs nie den Krieg erklärt, das Land aber dennoch erheblich zerstört.

Eineinhalb Kilometer „Neuland“

Beeindruckende Höhlen warteten vor Ort auf die Forscher. „Wir haben etwa vier Kilometer Höhlengänge erforscht und vermessen“, so Voigt. Etwa eineinhalb Kilometer „Neuland“ habe man dabei gemacht – sprich: Bereiche begangen, die zuvor noch keiner gesehen hat. Aufgrund des tropischen Klimas gebe es viel Wasser und somit beeindruckende Tropfsteine, berichtet der Ennepetaler Experte. Überhaupt könne man die Gänge nur in der Trockenzeit betreten, da sie sonst vollkommen unter Wasser stünden. Trockenzeit bedeutete aber auch, dass es – in über 1000 Meter Höhe – ziemlich kalt war, die Nachttemperaturen nur wenig über dem Gefrierpunkt lagen. An zwei Tagen regnete es zudem trotzdem stark, so das sich die Gegend in eine Schlammwüste verwandelte. „Ich kann mir kaum vorstellen, wie es in der Regenzeit aussieht“, so Voigt.

Nicht nur die Höhlen hinterließen bei Stefan Voigt einen bleibenden Eindruck. Auch das Leben beim „Homestay“ im Dorf war eine besondere Erfahrung. „Du denkst, Du bist im Mittelalter“, meint er. Nur Handys seien auch dort mittlerweile überall zu sehen. Offenes Feuer in der mit Bambus gedeckten Hütte, schlafen auf einfachen Matratzen auf dem Boden und Tiere aller Art gehörten zu den Erfahrungen. „Morgens muste man schnell seinen Schlafsack zusammenrollen, damit man keinen Besuch von Wanzen, Flöhen oder auch Kakerlaken bekam“, so der 52-Jährige. Über dem Feuer in der Hütte wurden die Tiere, die für die Dorfbewohner zum Speiseplan gehören, geräuchert. Dazu zählten auch Frösche, Fledermäuse und Ratten – „alles, was Proteine liefert“, meint Stefan Voigt. Er und seine Mitreisenden, die umgerechnet 6 Euro pro Übernachtung mit Frühstück und Abendessen bezahlten, bekamen allerdings immer ein Feststagsessen: Hühnchen mit Reis. Und danach wurde selbstgebrannter Reisschnaps – mit 60 Prozent Alkoholgehalt – gereicht.

Außergewöhnliche Erfahrung

Nach insgesamt 16 Tagen – inklusive An- und Abreisezeiten – kehrte Stefan Voigt Mitte Januar wieder nach Ennepetal zurück. Eine außergewöhnliche Erfahrung hatte er im Gepäck. Das sei eine Reise gewesen, bei der man hinterher schon denke, was für ein Glück man habe, in Deutschland geboren zu sein, meint Stefan Voigt. „Im Flugzeug habe ich eine deutsche Zeitung gelesen“, erzählt er schmunzelnd. „Da stand, dass hier darüber diskutiert wird, dass es nicht nur Ampelmännchen, sondern auch Ampelfrauen geben soll. Das sind Probleme...“

INFO:

Zehn Tage lang erforschte Stefan Voigt im Norden von Laos zwei Höhlen gemeinsam mit weiteren Teilnehmern aus Deutschland, Irland, den Niederlanden und Russland.

Im Mittelpunkt stand bei der Arbeit im Rahmen des „Northern Laos European Cave Project“ eine Bestandsaufnahme der Gänge. Nicht zuletzt möchte die Regierung des südostasiatischen Landes den Ökotourismus ausbauen und Höhlen als Attraktion dabei einbeziehen.

Organisiert wurde die Expedition vom Vorsitzenden des Europäischen Höhlenverbandes, Michael Laumanns und Dr. Carsten Ebenau.