Ein Weltmeister und die Stimme des Fußballs

nterhaltsam und informativ: Wolfgang Overath (rechts) und Werner Hansch bereiten den Gästen einen kurzweiligen Abend.
nterhaltsam und informativ: Wolfgang Overath (rechts) und Werner Hansch bereiten den Gästen einen kurzweiligen Abend.
Foto: WP

Ennepetal..  Er ist eine der Legenden des deutschen Fußballs: Wolfgang Overath. Er gehörte zur Weltmeistermannschaft 1974 und wurde mit seinem 1.FC Köln Deutscher Meister 1962 und 1964, DFB-Pokalsieger 1968 und 1977. Am Freitagabend war er gemeinsam mit Reporterlegende Werner Hansch beim Spax-Cup-Unternehmerforum zum Thema „Steilvorlage – den Führungswechsel gestalten“ im Vereinsheim am Bremenstadion zu Gast.

Zum vierten Mal hatten die SIHK, die Stadt und der TuS Ennepetal sowie die Firma Spax zu der Veranstaltung unter dem Motto „Sport trifft Wirtschaft“ eingeladen. In diesem Jahr drehte es sich unter Moderation von WDR-Mann Marc Schulte um ein gerade für die von Familienunternehmen geprägte Region bedeutendes Thema: Wie kann der Übergang bei der Führung eines Unternehmens oder auch eines Sportvereins auf die nächste Generation gelingen.

„Der Alte da oben muss schon eine Menge dazu beitragen, mehr als die Jungen“, sagte Wolfgang Overath. „Aber Loslassen ist nicht so einfach. Man macht das 30, 40 oder 50 Jahre und denkt, dass man das am besten kann.“ Im kurzweiligen Gespräch unter dem Titel: „Vom Weltmeister lernen. Scheitern, siegen, Chancen erkennen“ spielte der 71-Jährige immer wieder Doppelpass mit Werner Hansch. Aus Unternehmersicht konnte Overath auch aus der eigenen Familie berichten. Sein ältester Sohn, der mit ihm im Immobiliengeschäft zusammenarbeitet, komme manchmal mit Ideen, „die gefallen mir überhaupt nicht“, sagte er schmunzelnd.

Overath, der von 2004 bis 2011 auch Präsident des 1. FC Köln war, betonte aber auch, dass eine planvolle Übergabe, wie sie in der Wirtschaft zumindest angestrebt werde, nicht übertragbar auf den Fußball sei. Schnelllebigkeit und medialer Druck, durch den kaum eine Absprache im kleinen Kreis zu halten sei, stünden dem entgegen.

In einem Impulsvortrag hatte zunächst Björn Ischebeck, Geschäftsführer der Friedrich Ischebeck GmbH, von seinen persönlichen Erfahrungen berichtet. Unter der Überschrift „Das Zuspiel muss passen“ erzählte er, dass er 2004 in das weltweit agierende Familienunternehmen eingestiegen sei, als erster aus der fünften Generation. Mittlerweile ist auch sein Bruder Lars in der Geschäftsführung.

Mit seinem Vater Ernst Friedrich Ischebeck, der im vergangenen Jahr verstarb, sowie seinem Onkel Friedrich Döpp, der sich vor drei Wochen endgültig aus der Geschäftsführung zurückzog, arbeitete Björn Ischebeck mehr als zehn Jahre Seite an Seite. 2012 übernahm er die Geschäftsführung. Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung seien wesentliche Grundlagen für einen gelingenden Übergang, erklärte er. Zudem müssten die Verantwortlichkeiten klar abgegrenzt sein. Und: „Bei weitreichenden Entscheidungen ist die Meinung des Juniors wichtiger, weil er die Folgen zu tragen hat.“

Ähnliches meinte in der abschließenden Podiumsdiskussion Wibke Imhäuser, geschäftsführende Inhaberin der Stüwe Beschichtungen GmbH aus Wetter. Sie hatte die Geschäftsführung von ihrer Mutter übernommen. „Wir haben gut zusammengearbeitet, hatten aber eine klare Aufgabenteilung.“ Insbesondere habe sie die Betreuung der Neukunden übernommen. Elf Jahre habe der Übergang insgesamt gedauert – Wibke Imhäuser bekam in dieser Zeit drei Kinder. Ihre Mutter Evelin Stüwe, die ebenfalls beim Unternehmerforum zu Gast war, erzählte, dass man am Anfang schon gucken müsse, ob das überhaupt zusammen passt. „Ich habe bei meiner Tochter über die Jahre gemerkt, dass bei ihr viel Herzblut dabei ist.“

Das Thema Führungswechsel hatte auch einen sehr konkreten Bezug auf die Situation beim TuS: Der Vorsitzende Dr. Michael Peiniger hat schon im vergangenen Jahr seinen Rückzug für 2016 angekündigt. Die Suche nach einem Nachfolger, der geeignet und bereit ist, gestaltet sich schwierig. „Wir haben mittlerweile eine halbe Million Euro Umsatz“, so Peiniger. Er betonte, dass es ohne Teamarbeit gar nicht gehe. Immerhin bleibe noch ein Jahr, die Nachfolge zu klären.

Christoph Brünger, für die Region zuständiger Geschäftsführer bei der SIHK, erläutert, dass es im Kammerbezirk etwa 45 000 Unternehmen gebe. Bei mehreren Tausend stehe die Nachfolgeregelung in absehbarer Zeit an. Er betonte, dass es wichtig sei, die nachfolgende Generation nicht nur auf die Risiken und großen Herausforderungen hinzuweisen, sondern das Positive herauszustellen und deutlich zu machen, wie erfüllend eine solche Führungsaufgabe sein kann.