Ein Vaterunser vor der Grundsteinlegung

Die Grundsteinlegung im Winkel.
Die Grundsteinlegung im Winkel.
Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg..  Ein „Vaterunser“ unter freiem Himmel. Bauarbeiter falten neben Damen in sommerlichen Kostümen und Herren in schwarzen Anzügen im Staub die Hände. Nein, hier entsteht keine neue Kirche. Hier wird „nur“ der Grundstein für ein Autohaus gelegt. Und doch soll Gott hier einen Platz haben, machten Pastor Thorsten Wader und Pfarrer Helmut Kirsch gestern in ihren Ansprachen bei der außergewöhnlichen Zeremonie im neuen Gewerbegebiet Im Winkel deutlich.

Gegenüber der Wohnwelt entsteht in einem Rekordtempo das neue Opel-Autohaus der Gebrüder Nolte mit Stammsitz in Iserlohn. Es ist ein Unternehmen, das sich von christlichen Werten leiten lässt. Das ist den geschäftsführenden Gesellschafterinnen Fritzi Bimberg-Nolte und Petra Pientka wichtig, das wollen die beiden Managerinnen auch weitergeben. Wer darüber schmunzelt, dem wird ein Blick auf den Erfolg der beiden Wirtschaftsdamen vom Ernst überzeugen.

TÜV baut Prüfstation an

In Gevelsberg entsteht das neunte und größte Autohaus der Nolte-Gruppe auf 1200 Quadratmetern Grund- und weiteren 5000 Quadratmetern Freifläche. „Damit ist es dann aber auch erst einmal gut“, sagt Petra Pientka und fügt einschränkend hinzu: „Erst einmal.“ In Gevelsberg kommt noch ein Partner hinzu. Der TÜV will die erwartete Anziehungskraft des Opel-Händlers nutzen und eine eigene Prüfstelle anbauen. „Es wird auch Zeit, dass sich hier etwas tut“, sagen Antje und Rainer Ponten vom gleichnamigen Metallverarbeitungsbetrieb auf der gegenüberliegenden Seite der Rosendahler Straße. Sie haben ein zartes Pflänzchen als Geschenk zur Grundsteinlegung mitgebracht. Nolte-Chefin Petra Pientka, die sich über die gute Nachbarschaft freut, ist sichtlich ergriffen. Solche menschlichen Begegnungen sind ihr wichtig. Und davon hat sie, so ist es in ihren Erzählungen zu spüren, eine Menge bereits in Gevelsberg gemacht.

Petra Pientka und Fritzi Bimberg-Nolte bedanken sich erst bei den Mitarbeitern ihrer Unternehmensgruppe, dass sie den Erfolg möglich gemacht haben, und den Bauarbeitern, die im Gewerbegebiet an dem sonnigen Tag schwitzen, bevor sie ihre Ehrengäste begrüßen. Bürgermeister Claus Jacobi ist darunter. Er spricht von den Damen an der Spitze der Gebrüder Nolte als „einem guten Vorbild für die Unternehmer in der Region.“ Sie seien bereit, eine hohe soziale Verantwortung zu übernehmen und hätten sofort ein Netzwerk mit den Akteuren aus allen Bereichen in der Stadt geknüpft. Das Familienunternehmen Nolte passe gut in eine Stadt, deren Verwaltung sich selbst als Familienunternehmen im Interesse seiner Einwohner verstehe.

Und natürlich ist Jacobi froh, einen Anziehungspunkt am Tor von Schwelm und Wuppertal aus nach Gevelsberg gefunden zu haben. Für den heimischen Handel hat das Möbelhaus Wohnwelt hier lange Jahre den Einzelkämpfer spielen müssen.

Bereits Mitarbeiter eingestellt

Für ihr Team in Gevelsberg, so die Unternehmerinnen, seien bereits die ersten Mitarbeiter eingestellt worden. „Die Hälfte der Gesichter haben wir schon gesehen“, drückt es Petra Pientka aus. Weitere würden aber noch gesucht. Mit Andreas Niehues wurde ein Leiter des Autohauses gefunden, der ein waschechter Gevelsberger ist. „Und am liebsten ist uns, wenn alle bis zum Rentenalter oder darüber hinaus zur Nolte-Familie gehören“, wünscht sich Petra Pientka. Auch über diese Einstellung wird mancher ihrer Unternehmer-Kollegen den Kopf schütteln. Ein paar Steinwürfe weiter kämpfen die Jeco-Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze und wissen noch nicht einmal wer diejenigen sind, die ihnen ihre Zukunft wegnehmen wollen.