Ein steiniger Weg zur Akzeptanz

Pastor Ulrich Bauer (2. Vorsitzender des Hospizvereins) und Pfarrerin Anne Braun Schmitt (1. Vorsitzende) vor dem Neubau an der Hagener Straße. Weil der Umzug so viel Zeit und Energie gekostet hat, feiern sie den runden Geburtstag einfach ein Jahr später – unter anderem mit Klaus Renzel.
Pastor Ulrich Bauer (2. Vorsitzender des Hospizvereins) und Pfarrerin Anne Braun Schmitt (1. Vorsitzende) vor dem Neubau an der Hagener Straße. Weil der Umzug so viel Zeit und Energie gekostet hat, feiern sie den runden Geburtstag einfach ein Jahr später – unter anderem mit Klaus Renzel.
Foto: WP

Gevelsberg..  Der Anfang war hart. Doch mit unglaublicher Beharrlichkeit und dem festen Glauben für eine gute und wertvolle Sache einzustehen, haben in erster Linie Ulrich Bauer und Helga Grams das „Ökumenische Hospiz Emmaus“ zu einer Institution entwickelt, die einen Ruf genießt, der ganz selten ist: Niemand verliert ein schlechtes Wort darüber, die ambulante Hospiz-Arbeit ist allgemein geschätzt und wird bewundert. Jetzt feiert das Hospiz seinen 20. Geburtstag.

Immer noch mit an Bord: Ulrich Bauer und Helga Grams – und genau genommen gibt es das Hospiz sogar schon etwas länger. Denn exakt am 2. November 1994 wurde aus einer Herzensangelegenheit ein Leuchtturmprojekt der christlichen Nächstenliebe. Doch der Weg dorthin war steinig, unter anderem zeigten Altenheime und Pflegedienste wenig Begeisterung, sie wollten selbst die Aufgabe der Sterbebegleitung übernehmen.

Widerstände zur Gründung

Ebenso gab es Widerstand aus der Katholischen Kirchengemeinde Liebfrauen, wo Ulrich Bauer seinerzeit noch als Pfarrer tätig war. Der Kirchenvorstand sprach sich klar gegen die Angliederung des Hospizes aus. Trotz allem wurde das Hospiz, mit Unterstützung des Essener Bischofs Hubert Luthe, am Ende als unabhängiger Verein gegründet.

Damals zunächst lediglich als „Hospiz Emmaus“. Denn zu dieser Zeit arbeiteten hauptsächlich katholische Mitarbeiter dort. Und obwohl der ökumenische Gedanke von jeher vorhanden war, dauerte es noch ungefähr zehn Jahre bis diese Grundeinstellung auch im Namen wiederzufinden war. Denn: Erst als immer mehr Ehrenamtliche und Mitglieder des Vereins aus dem evangelischen Lager dazu kamen, passte der Name nicht mehr. Das „Ökumenische Hospiz Emmaus“ war geboren.

Doch was hinter dem Namen „Emmaus“ steckt, wissen die wenigsten. Vorstandsmitglied Harald Bertermann klärt auf: „Der Name kommt von der biblischen Emmausgeschichte.“ „Die Begegnung mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus (Lukas 24,13-35) heißt diese exakt. Zwei Jünger sind traurig und niedergeschlagen über Jesu Kreuzigung auf dem Rückweg von Jerusalem nach Emmaus. Da gesellte sich der Auferstandene zu ihnen, den sie jedoch nicht wiedererkennen. Er begleitet sie ihren kompletten Weg und tröstet sie über ihren kürzlichen Verlust. Beim gemeinsamen Essen „nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.“, heißt es in der Bibel. Mit neuer Hoffnung brachen sie sofort wieder nach Jerusalem zu den anderen Jüngern auf.

Heiße Phase für Kinderhospiz läuft

Das „Ökumenische Hospiz Emmaus“ will es Jesu gleich tun und sterbende oder schwer kranke Menschen sowie natürlich die Trauernden auf ihrem schwierigen Weg begleiten.

Das Angebot wächst seit Jahren. Begleitungen, Beratungen und Fortbildungen werden ausgebaut und modernisiert. Letzter Höhepunkt des karitativen Vereins: Der Neubau des Domizils an der Hagener Straße, das im vergangenen Jahr eröffnet wurde. Nicht zuletzt durch diese in allen Belangen stark verbesserte Anlaufstelle nehmen immer mehr Menschen die Hilfe des Hospizdienstes in Anspruch.

Doch die Hände legten Ulrich Bauer – aktuell 2. Vorsitzender – und Helga Grams – Leiterin des Hospizdienstes – nie in den Schoß. Das zeigt auch das ambitionierte aktuelle Projekt: Zurzeit baut der Verein einen Kinder- und Jugendhospizdienst auf. Harald Bertermann hofft, im Januar nächsten Jahres zu starten. „Die Vorbereitungen sind in der heißen Phase angelangt“, sagte er. Die Konzeption für das Kinderhospiz ist verabschiedet und nun suche man noch Ehrenamtliche.

Der Befähigungskurs beziehungsweise die Ausbildung der Ehrenamtlichen beginnt ab August.

Im Großen und Ganzen hat das „Ökumenische Hospiz Emmaus“ eine 20-jährige ereignisreiche Vergangenheit, doch die Zukunft sieht bisher recht rosig aus – dank jahrelanger harter Arbeit. Letztendlich stehen im Zentrum allen Handelns stets die Menschen, die Hilfe brauchen und diese auch dort bekommen.

Zum runden Geburtstag zieht allerdings die pure Leichtigkeit ein: „Weil der Umzug so viele Kräfte gebündelt hat, haben wir beschlossen, unseren 20. Geburtstag einfach ein Jahr später zu feiern“, sagt die 1. Vorsitzende Pfarrerin Anne Braun-Schmitt. Zwei Veranstaltungen stehen im Kalender: Am Freitag, 24. April, findet um 18 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Liebfrauenkirche, Hagener Straße statt, und am Freitag, 29. Mai, hat der Vorstand mit Klaus Renzel einen komödiantischen Ausnahmemusiker ins Zentrum für Kirche und Kultur in Gevelsberg eingeladen.

Karten im Vorverkauf erhältlich

Der Mann mit Gitarre, dem seltsamsten Instrumentarium und den haarsträubendsten Mooves der Comedy-Szene, rockt sich ab 19 Uhr in einem wilden Mix aus heißem Flamenco, heiterer Klassik, verspieltem Pop und geplanter Planlosigkeit einmal quer durch die Musikgeschichte.

Ob Beethovens Vergangenheit bei AC/DC, seine gescheiterte Karriere als Türsteher oder seine Erinnerungen an seine ersten Besuche auf Freejazzkonzerten – Klaus Renzel erzählt aus Sicht des versponnenen Musikers Geschichten aus seiner Welt. Eintrittskarten zum Preis von zehn Euro gibt es ab sofort im Hospizbüro, 02332/61021, und am 29. Mai ab 18.30 Uhr an der Abendkasse.