Ein Museum zum Anfassen

Gevelsberg..  Sechs Jahre lang gibt es die Gevelsberger Heimatstube e.V. jetzt schon an der Alten Geer, doch zum ersten Mal wurde nun ein Tag der offenen Tür veranstaltet. Höhepunkt für die Besucher waren die denkmalgeschützten Glasmalereien aus dem 18. Jahrhundert, die man aus dem bereits abgerissenen Gut Rochholz „gerettet“ hatte.

Diese sind nicht nur eine Hommage an die fünf Kontinente, sondern sie haben nun auch einen Platz in der Heimatstube, wo sie installiert wurden. Eine Malerei bildet den Spruch „Norden, Süden, Westen, daheim ist es am besten“ ab, was der Gevelsberger natürlich auf sich bezieht.

Was es heißt, ein stolzer Gevelsberger zu sein und warum man das sein kann, konnte der 1. Vorsitzende des Heimatvereins, Günter Decker, veranschaulichen, und auch Thorsten Prinz konnte einiges auf einer Führung durch die Räumlichkeiten erklären.

„Im Entree steht noch eine Aussteuertruhe von 1850. Diese benutze man für Wäsche und lud sie auf einen Wagen“, so Decker.

Der Flur der Heimatstube hatte sich nicht nur mit Waffelduft gefüllt, sondern stimmte auch die Gäste mithilfe von allerlei Bildern ein. Zu sehen ist hier zum Beispiel der Bürgergesangsverein von 1886-1906. Aber auch beim Blick auf den alten Gevelsberger Hauptbahnhof oder den Nirgena wird sich der ein oder andere wundern, wie sehr sich die Stadt architektonisch verändert hat. Den Hauptbahnhof hätten viele ganz bestimmt nicht mehr wiedererkannt. Wer alte Schriftstücke gerne hat, oder die Geschichte besser nachvollziehen möchte, der ist im Raum mit der Schriftgutsammlung besonders gut aufgehoben. „Wir sind froh, dass wir die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen haben“, erzählte Günter Decker, bevor es ins nachgestellte Zimmer ging, in dem es wiederum viel zu sehen gibt.

Hier stehen Schränke von 1936, Kaffeemühlen und ein Herd von Max Albers (gegr. 1888 – Vogelsang). Mit Werbung wurde jedenfalls auch damals nicht gespart, so dass der Herd damals mit den Worten „hat sich gut bewährt als Freund der Hausfrauen“ angeboten wurde. Gegner der Frauen waren Anfang des 19. Jahrhunderts wohl eher die Blechbehälter fürs Waschen. Zwar hatte man tolle Kernseife in Blöcken, anstrengend und aufwendig war das Prozedere aber trotz allem. Der wahre Freund der Frauen heutzutage dürfte demnach die Waschmaschine sein. Kleine gestrickte Deckchen wurden damals mit Heftzwecken festgesteckt. Nicht schön, aber stabil.

Im letzten Raum, der vom Heimatverein gestaltet wurde, spielen Firmengeschichten eine große Rolle. Maschinen wie eine Buchdruckmaschine, eine alte Bohrmaschine und eine Bandsäge, die auch noch funktionieren, stehen zum Anschauen und Anfassen bereit. Der Besucher sieht: Früher hat es auch geklappt, nur dauerte es länger und eine Ausbildung war vielleicht ein wenig gefährlicher als heute. Thorsten Prinz und Detlef Weißenborn kennen sich gut aus mit den technischen Versiertheiten von früher.

Stube aus vergangenen Zeiten

Eine Besichtigung der Heimatstube ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert. Schulklassen trauen sich schon in die Welt von damals, was man ihnen jeden zweiten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr und dritten Samstag von 11 bis 14 Uhr nachmachen kann. Dann sollte man im Eingangsbereich unbedingt das kleine Bild mit dem Titel „Kohlenklau“ suchen.

Marlis Schäfer betont, dass der Begriff Museum zur Stube nicht passen würde, man könne schließlich alles anfassen. Eine Überraschung im eher technischen Raum gab es auch noch: Während die Kirchenkleider zwar ziemlich konservativ waren, scheinen kurze (wirklich ganz kurze) auf anderen Festlichkeiten auch damals schon kein Problem gewesen zu sein.