Ein Leben für mehr Sicherheit im Verkehr

Ennepe-Ruhr..  Er war Anfang der 70er Jahre der erste Verkehrssicherheitsberater im Ennepe-Ruhr-Kreis und er war damals einer der jüngsten in Nordrhein-Westfalen. Nun, mit 67 Jahren, ging der 1. Vorsitzende der Kreis-Verkehrswacht, Günter Gräbe, in den Ruhestand – und erinnert sich an bewegende Zeiten.

Es gibt Bilder, die vergisst man einfach nicht. Die Erinnerungen, die Günter Gräbe bis heute beschäftigen, stammen aus Gevelsberg und prägten sich ihm nach einem Verkehrsunfall ein, zu dem er vor vielen Jahren als junger Polizeibeamter gerufen wurde: Zwei Kinder, vier oder fünf Jahre alt, waren einfach auf die Straße gelaufen, auf dem Weg zum Eiswagen, wurden dort von einem Auto erfasst, durch die Luft geschleudert und so schwer verletzt, dass sie keine Chance hatten.

Schreckliche Bilder in Erinnerung

„Ich weiß noch, wie ich eines der Kinder damals auf dem Arm trug“, sagt der seit 2008 pensionierte Kriminalhauptkommissar. „So etwas beschäftigt dich ein Leben lang. Und ich kenne unendlich viele solcher Bilder.“ Günter Gräbe ist es gelungen, sie alle in Energie umzusetzen: Es war 1973, als der Sprockhöveler zunächst vertretungsweise aus dem Streifendienst in das heutige Verkehrsdezernat der Kreispolizei in Schwelm wechselte und sein Beruf damit endgültig zu einer Berufung wurde. „Wahrscheinlich kann jeder Polizist ein Buch über seinen Job schreiben“, sagt der 67-Jährige. „Für mich stand jedenfalls schon sehr früh fest, dass ich zur Polizei gehe.“

Nun für die Verkehrssicherheit im EN-Kreis im Einsatz, nutzte Günter Gräbe im Team fortan eine seiner Stärken, um Kinder und Erwachsene quer durch alle Altersgruppen zu erreichen, damit es gar nicht erst zu Tragödien wie in Gevelsberg kommt – ganz gleich, ob seine Zuhörer täglich fahren oder laufen: „Am Allerwichtigsten ist und bleibt das persönliche Gespräch.“ So hat sich der Sprockhöveler jahrzehntelang für diverse Aktionen in den Kreisstädten stark gemacht - immer nach dem Motto: informieren, aufklären und überzeugen.

Das reicht vom Reaktions- und Sehtest über den Motorradsimulator bis zur Radfahr-Prüfung an Grundschulen – bis heute ein Klassiker, der tausende Mädchen und Jungen erreicht. Die Auszeichnung bewährter Kraftfahrer steht ebenso auf der langen Liste wie zum Beispiel auch die Mofa-Ausbildung seit 1976.

Es bleibt viel zu tun

Bei diversen Aktionen arbeiten Polizei und Kreis-Verkehrswacht Hand in Hand: Nur der ehrenamtliche Verein kann Spender und Sponsoren erreichen, um Lehrmaterial zu finanzieren und neue Aktionen aus der Taufe zu heben. Und es bleibt viel zu tun, sagt Gräbe: „Die Welt da draußen verändert sich nun einmal.“ Das reicht vom dringenden Appell, sich nicht einfach nur auf die Sicherheitstechnik seines Autos zu verlassen, über die gefährliche Ablenkung durchs Handy bis hin zur Notwendigkeit, den Eltern ins Gewissen zu reden: „Sie spielen bei der Verkehrserziehung eine wichtige Rolle.“ Damit Unfälle wie in Gevelsberg in Zukunft Geschichte sind. Und auch die Bilder, die selbst ein Polizist niemals vergisst.