Ein Konzept für die Betreuung von Flüchtlingen

Die Stadt Ennepetal hat die Wohnhäuser Hagener Straße 240 und 242 in Hasperbach für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen besuchte mit Vertretern des Fachbereichs Jugend und Soziales, des Kinderschutzbundes sowie Volker Rauleff (SPD) und Gisela Werrn (CDU) die Häuser.
Die Stadt Ennepetal hat die Wohnhäuser Hagener Straße 240 und 242 in Hasperbach für die Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen besuchte mit Vertretern des Fachbereichs Jugend und Soziales, des Kinderschutzbundes sowie Volker Rauleff (SPD) und Gisela Werrn (CDU) die Häuser.
Foto: WP

Ennepetal..  Die stetig wachsende Zahl von Flüchtlingen, die Ennepetal zugewiesen werden, beschäftigt die Stadtverwaltung in hohem Maße. Um den Umgang mit den ankommenden Menschen zu strukturieren und zu organisieren, wird derzeit – zurückgehend auf einen entsprechenden Antrag von Bündnis 90/Die Grünen – ein „Konzept für die Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen“ erarbeitet. Ein von Michael Schmidt, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales, vorgelegter Entwurf wird in den politischen Gremien diskutiert.

219 Frauen und Männer (Stand Anfang Juli), die Ennepetal zugewiesen wurden, leben momentan als Leistungsberechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) in der Stadt. Zum Vergleich: im Juli 2013 waren es noch 95 Personen, nachdem die Zahl zuvor über einen langen Zeitraum konstant geblieben war. Seitdem ist ein stetiger Anstieg zu verzeichnen. Allein in der ersten Jahreshälfte stieg die Zahl um etwa 50 an. „Angesichts der weltpolitischen Lage gehen Experten davon aus, dass sich diese Zahlen auch in Zukunft weiter erhöhen werden“, heißt es im Konzeptentwurf.

Etwa drei Viertel der aktuell 219 Leistungsberechtigten nach dem AsylbLG befinden sich derzeit in einem Asylverfahren. Die anderen Personen sind in der Regel geduldet, müssten also grundsätzlich ausreisen. Dies wird allerdings aus gesundheitlichen, familiären oder humanitären Gründen, weil sich die politische Situation im Herkunftsland verändert hat oder Ausweispapiere fehlen, nicht vollzogen. Die Verwaltung weist zudem darauf hin, dass die Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien und den Nachbarstaaten nicht nach dem AsylbLG leistungsberechtigt sind und somit in den Zahlen nicht enthalten sind. Sie sind nach Ankunft nach dem Sozialgesetzbuch II leistungsberechtigt und haben unmittelbaren Zugang zu Integrationsangeboten.

Der Konzeptentwurf beinhaltet neben der Darstellung der Ausgangslage, einer Begriffsbestimmung und der Übersicht über die Zuständigkeiten folgende Punkte:

Ziele

„Aus humanitären und ökonomischen Gründen ist es geboten und zur Sicherung des sozialen Friedens innerhalb der Stadtgemeinschaft auch unerlässlich, Flüchtlingen weitestgehend eine gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, und zwar so lange sie in Ennepetal leben und unabhängig ihres Aufenthaltsstatus bzw. ihrer Aufenthaltsperspektive“, heißt es im Entwurf. „Bei der Wohnraumversorgung und Betreuung von Flüchtlingen ist sowohl die bestmögliche Versorgung der Betroffenen als auch die Akzeptanz in der Bevölkerung sowie nicht zuletzt die effektive Nutzung der zur Verfügung stehenden Mittel in den Blick zu nehmen.“

Unterbringung

Flüchtlinge werden in der Regel direkt nach ihrer Zuweisung in einer der Gemeinschaftsunterkünfte untergebracht. Derzeit stehen die seit 1993 genutzten Häuser Heimstraße 27 und 29 sowie zwei im März in Hasperbach angemietete Häuser an der Hagener Straße 240 und 242 dafür zur Verfügung. Es sei aber absehbar, dass weitere Unterkünfte noch in diesem Jahr benötigt werden (vorgesehen sind Räume in der Albert-Schweitzer-Schule in Oberbauer, wir berichteten). In diesem Jahr sollen zudem noch die abgängigen Häuser Heimstraße 23 und 25 abgerissen werden. Dort soll dann 2016 ein neues Gebäude mit einer Kapazität von 50 bis 60 Personen errichtet werden.

Es müsse darauf geachtet werden, die Flüchtlinge möglichst gleichmäßig über das Stadtgebiet zu verteilen, um einzelne Stadtteile nicht zu überfordern. Zudem sollten die Anwohner frühzeitig eingebunden werden, um Ängste abzubauen und das Miteinander zu fördern.

Flüchtlinge sollten dem Konzeptentwurf zufolge nicht länger als 15 Monate in einer Gemeinschaftsunterkunft leben. Während dieser Zeit sollten sie sich orientieren, um anschließend in eine selbst angemietete Wohnung zu ziehen. Zurzeit werden aber auch schon Menschen, die die erste Orientierungsphase abgeschlossen haben, aber noch keinen gesicherten Aufenthaltsstatus haben, in von der Stadt angemieteten Wohnung untergebracht.

Hauptamtliche Betreuung

Seit dem 1. Juli sind in der Flüchtlingsbetreuung drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen mit einem Umfang von 26, 25 und 20 Wochenstunden beschäftigt (insgesamt 71 Stunden). Jeder Mitarbeiterin sollen bestimmte Menschen zugeordnet und zudem bestimmte Schwerpunktaufgaben übertragen werden (zum Beispiel Sprachkurse und Freizeitangebote, Arbeitsmarktintegration, Betreuung des Flüchtlingspatenprojekts).

Die Betreuung soll nicht im Sinne einer „Fürsorge“ verstanden werden, sondern als Hilfe zur Erlangung weitestgehender Selbstständigkeit. Die erste Phase soll der Orientierung und Integration dienen, dabei sollen die Betreuerinnen sich um die Unterbringung, Beratung und Begleitung bei Behördengängen, Arztbesuchen etc., die Vermittlung kultureller, sprachlicher und lebenspraktischer Kenntnisse, Moderation von Konflikten und Gestaltung des Zusammenlebens der Bewohner in den Unterkünften, Organisation von Kita- beziehungsweise Schulbesuch von Kindern, Hilfe bei der Wohnungssuche und beim Zugang zum Arbeitsmarkt, Vermittlung von sozialen Kontakten (zum Beispiel zu muttersprachlichen Netzwerken, Sportangebote), Organisation von Gemeinschaftsaktivitäten, Hausaufgabenhilfe und Spielangeboten in den Unterkünften sowie die Vorbereitung auf die dezentrale Unterbringung in Wohnungen kümmern.

Sobald die Orientierungsphase abgeschlossen ist, soll die Ablösungsphase folgen, die in der Regel mit dem Bezug einer städtischen und spätestens einer eigenen Wohnung beginnt. Auch dann sollen die Flüchtlingsbetreuerinnen ansprechbar bleiben und eine persönliche Kontaktaufnahme einmal im Monat erfolgen. Nach 24 Monaten soll eine regelmäßige Betreuung nicht mehr erforderlich sein.

Flüchtlingspatenprojekt

Der Kinderschutzbund hat bisher in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Flüchtlingshilfe Bochum mehr als 30 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult, die als Flüchtlingspaten aktiv sind. Hinzu kommen weitere Angebote des Kinderschutzbunds in Abstimmung mit der Stadt in den Gemeinschaftsunterkünften. Auch in der Katholischen Kirchengemeinde hat sich ein Initiativkreis gebildet, dessen Mitglieder sich um Flüchtlinge kümmern.

Runder Tisch Flüchtlinge

Seit Februar gibt es den Runden Tisch Flüchtlinge, der aus dem Runden Tisch Roma hervorging. Ziel ist es, die bewährte Netzwerkarbeit fortzuführen. Aktuell sind Kinderschutzbund, VHS, Integrationsrat, Katholische und Evangelische Kirchengemeinden, Diakonie und Caritas, Kreissportbund, Stadtsportverband und einzelne Sportvereine, Tafelladen, Ökumene 2017 sowie Mitarbeiter aus den Bereichen der Stadtverwaltung am Runden Tisch vertreten.