Ein Jahr Jugendhaft für Gevelsberger

Mit Blumen, Kerzen und einem Banner, auf dem Freunde Abschied nehmen können, trauerten Verwandte und Freunde auf dem Vendômer Platz um den 17 - jährigen Gevelsberger.
Mit Blumen, Kerzen und einem Banner, auf dem Freunde Abschied nehmen können, trauerten Verwandte und Freunde auf dem Vendômer Platz um den 17 - jährigen Gevelsberger.
Foto: WP

Gevelsberg..  Es war ein Verfahren, das eine Stadt ein halbes Jahr lang in Atem hielt. Unter normalen Umständen wäre eine Schlägerei zwischen zwei Jugendlichen nicht der Rede wert gewesen. Aber diese endete tragisch mit dem Tod des einen Kontrahenten. Der junge Gevelsberger, der den verheerenden Faustschlag gesetzt hat, muss nun ein Jahr Jugendstrafe antreten. Die 1. Große Jugendkammer des Hagener Landgerichts ordnete auch seine Unterbringung in einer Entziehungsklinik an.

Am Ende gab es nur noch Fassungslosigkeit über den tragischen Tod eines 17-jährigen Jungen am Vendômer Platz. Und so äußerten das auch alle Verfahrensbeteiligten in ihren Plädoyers. „Wir haben hier monatelang einen tragischen Fall verhandelt.

Der Tod des jungen Mannes war vom Angeklagten weder gewollt noch gebilligt“, mit diesen Worten eröffnete Staatsanwalt Bernd Maas seinen Schlussvortrag. Maas schlug noch einmal den Bogen zum 29. März vergangenen Jahres. Zwei junge Männer, der Angeklagte und der verstorbene 17-Jährige, die eigentlich Freunde, zumindest aber gute Bekannte waren, gerieten in Streit. Zuvor hatten sie reichlich Alkohol getrunken und auch Joints geraucht. Über eine nichtige Bemerkung gegen ein Mädchen entbrannte dann der verhängnisvolle Streit. Ein Wort gab das andere, es fielen erste Schläge. Dann machte der 17-Jährige eine beleidigende Bemerkung über die Mutter des Angeklagten, die dieser sehr liebt. Wie er selbst in seinem Geständnis einräumte, sah er rot und „hat dem anderen eine gefunkt“. Es war ein Faustschlag mit schrecklichen Folgen. Denn durch den Schlag muss der 17-Jährige so unnatürlich den Kopf verdreht haben, dass eine wichtige Hirnarterie riss. Eine extrem seltene Verletzung, die binnen kürzester Zeit zum Tod führte.

Während der Staatsanwalt drei Jahre Jugendstrafe und die Unterbringung forderte, plädierte Verteidiger Dieter Kaufmann auf eine einjährige Bewährungsstrafe und betonte: „Es war ein Unglücksfall!“ Er verwies auch auf die positive Entwicklung, die sein Mandant bisher während einer Maßnahme zur Drogenentwöhnung genommen habe.

Leid hat der Tod des 17-Jährigen über beide Seiten gebracht. Die Familie ist in tiefer Trauer um den Sohn und hat laut der Nebenklagevertreterin Heike Tahden-Farhat den Verlust noch gar nicht richtig bewältigen können. Rechtsanwalt Kaufmann berichtete: „Es gibt heftigste Reaktionen in sozialen Netzwerken – auch gegen die Familie des Angeklagten.“

Betroffenheit war auch bei der Kammer spürbar. Der Vorsitzende Richter Marcus Teich schickte der eigentlichen Urteilsbegründung ein paar Bemerkungen voraus, wie die Kammer die Verhandlungstage erlebt hat. „Die Kammer war sich jede Sekunde darüber bewusst, dass hier ein Mensch gestorben ist. Das Leid und das Unrecht können durch kein Urteil, egal wie hoch, wieder gut gemacht werden.“

Die Kammer begründete dann, wie sie zu einer Jugendstrafe von einem Jahr ohne Bewährung gekommen ist. „Wir glauben, dass Sie sehr wohl fest zugeschlagen haben. Sie waren wütend. Der Schlag hat den Tod verursacht. Das steht außer Frage. Und dass ein Schlag gegen den Kopf tödlich sein kann, weiß man“, erklärte Marcus Teich. Auch wenn die Richter die Verletzung als „schicksalhaft“ bezeichneten und unterstrichen, wie selten sie ist.

„Wichtiger als die Strafe erscheint uns die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Das Drogenproblem muss weiter behandelt werden. Es fehlen immer noch Nachsorge und ein stabiler Rahmen für den Angeklagten“, so der Richter.

Teich schloss seine Ausführungen mit folgender Botschaft an die anwesenden Mitglieder und Freunde beider Familien: „Wir hoffen sehr, dass das Verfahren dazu führt, dass wieder Frieden in Gevelsberg herrscht.“