Ein Ehrennachtwächter, der viel erzählen kann

Der große Saal der Rosine ist voll und die Hauptperson findet sichtlich Gef
Der große Saal der Rosine ist voll und die Hauptperson findet sichtlich Gef
Foto: WP

Ennepetal..  Das Akkordeon-Orchester unter Leitung von Holger Hoffmann hatte gerade erst die „musikalische Einleitung“ absolviert, da stellte Gastgeber Wilhelm Wiggenhagen in seinen Begrüßungsworten in der „Rosine“ schon eine „tolle Stimmung“ fest. Zum traditionellen Empfang des Bürgermeisters zur Voerder Kirmes waren alle gekommen, die als Freunde der Heimat gelten und den Mann ehren wollen, der in diesem Jahr als Ehrennachtwächter das Volksfest und damit auch den Heimatverein Voerde repräsentiert: Gerhard Fischer.

Wilhelm Wiggenhagen hatte nicht zu viel versprochen, als er in seiner Rede den neuen Ehrennachtwächter als einen zuverlässigen Mann beschrieb, der auf der Lindenstraße geboren und jetzt von seiner Wohnung im Bussardweg in Voerde-Nord das Geschehen im Dorf beobachten könne. Wie Wiggenhagen im Beisein von Fischers Tochter (Pfarrerin Klaudia Fischer) und Schwiegersohn ausplauderte, schließt Gerd Fischer morgens die Johanneskirche auf und abends wieder ab, zuverlässig. Der neue Ehrennachtwächter habe beruflich mit dazu beigetragen, dass Dorma Weltmarktführer geworden sei – Ehrengast Karl-Rudolf Mankel nickte bejahend. Vor allem sei Fischer, ein Mann, der die Heimatgeschichte kenne. Der Bürgermeister zitierte Fischers Tochter Klaudia: Geschichte ist für meinen Vater immer mit Geschichten verbunden.

Wiggenhagen sagte auch: „Gerd Fischer kann anpacken!“ So sei er schon bei den Gründern des Förderkreises Voerder Kirmes gewesen. Dass die Kirmes heute so gut da stehe, sei mit ein Verdienst Fischers. Von Wilhelm Wiggenhagen bekam der Ehrennachtwächter, wie alle 29 zuvor, eine Uhr überreicht. Ursula Buchholz, Freundin und oftmals Begleiterin von Gerd Fischer, erhielt einen Blumenstrauß.

Schuhmacherwerkzeug als Geschenk

Da gerieten nicht nur die Ehrengäste aus nah und fern ins Schwärmen, als Gerhard Fischer ans Mikrofon trat und im schönsten Voerder Platt vom Nachtwächter Willi Koch berichtete. Der zog einst durch Voerde und wurde zum Unikum, der oft den Spott von Kindern ertragen musste. Koch, so erfuhren die Gäste, kontrollierte nachts die damals noch vielen Kneipen, ob sie die Polizeistunde einhielten und trank doch selber gern so manches Schnäpschen.

Dann erzählte Gerd Fischer noch lustige Begebenheiten aus Voerde. Und als nach dem Vortrag der Beifall einsetzte, lud der Ehrennachtwächter zu Dorfführungen ein: am 15. und 22. Juli.

Friedel Hillner aus dem Heimatverein Voerde, Autorin vieler Geschichten, schilderte auf Plattdeutsch den Lebenslauf Fischers und packte einen Sack aus: Heraus kam ein Schuhmacherwerkzeug, denn Fischer hat dieses Handwerk gelernt. Ein schönes und originelles Geschenk für den Ehrenachtwächter.

Nach dem traditionellen Heringsstippessen musizierte wieder das Akkordeon-Orchester und alle sangen das Kirmeslied „O, Hannes, wat’ ne Haut“. Helmut Schulte und Jürgen Schöneberg trugen das mit jazzigen Klängen untermalte Ennepetal-Lied vor. Da freute sich wohl der Bürgermeister ganz besonders. Denn er hatte in seiner Begrüßung freundlich angemahnt, dass Voerde auch zu Ennepetal gehöre.

Dann verließen die Kirmes-Empfangsbesucher mit Trara und Gedöhne die „Rosine“ und es ging gemeinsam über die Kirmes, schon feuchtfröhlich.

INFO:

Schier endlos war die Liste der Ehrengäste, die Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen beim Empfang in der „Rosine“ begrüßte.

Unter ihnen waren der Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Dr. Ralf Brauksiepe (CDU), der SPD-Bundestagsabgeordnete René Röspel, der SPD-Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer, Landrat Dr. Arnim Brux, Bürgermeister Klaus Baumann (Breckerfeld), Vizebürgermeister aus Schwelm, Gevelsberg und Sprockhövel sowie Vertreter von benachbarten Kirmes- und Brauchstumvereinen.