Ein Chor aus mehr als hundert Stimmen

Ein Rudelsingen für den Internationalen Bürgergarten fand im Bürgerhaus Alte Johanneskirche Gevelsberg statt.
Ein Rudelsingen für den Internationalen Bürgergarten fand im Bürgerhaus Alte Johanneskirche Gevelsberg statt.
Foto: WP

Gevelsberg..  Kann ich nicht, will ich nicht, ich treffe ohnehin keinen Ton: So dürfte wohl die Reaktion der meisten Leute aussehen, wenn man sie dazu animieren würde, spontan ein Liedchen anzustimmen oder einer Chorprobe beizuwohnen. Singen ist traditionell mit „können“ oder „nicht können“ verbunden, mit Talent oder eben Talentfreiheit. Dass es auch anders geht, bewiesen nun über hundert begeisterte „Rudelsänger“ im Bürgerhaus Alte Johanneskirche – und sammelten nebenbei noch für den guten Zweck.

Organisatorin Annette Bußmann ist überrascht. Dass sich am Ende rund 120 Musikbegeisterte im Saal des Bürgerhauses tummeln würden, hätte die stellvertretende Bürgermeisterin und erste Vorsitzende der Gevelsberger Zukunftsschmiede nicht erwartet: „Der Kartenverkauf lief eigentlich etwas schleppend.“

Professionalität nicht gefragt

Doch am Ende zeigte sich, dass das Prinzip „Rudelsingen“ einen Nerv trifft. Es ist ganz einfach: Moderator David Rauterberg startet, gibt den Ton vor, das Publikum trällert gemeinschaftlich mit. Damit es keine Aussetzer gibt, wird der Text auf eine Leinwand projiziert. Ein riesiges Karaokesingen also, bei dem es von Anfang an niemandem auf dem Stuhl hielt.

„Bei uns muss niemand professionell singen können“, verspricht Annette Bußmann. Viele Menschen seien zunächst verunsichert. Bis sie merken, dass auch ihr Nebenmann nicht unbedingt Talent zum Popstar hat – und dass das niemanden kümmert. So kommen nur die positiven Effekte des Singens zum Vorschein. „Singen verbindet Menschen“, weiß Mitorganisatorin Christiane Moll-Staden vom Familienzentrum Habichtstraße.

Dank des Karaoke-Prinzips seien auch Sprachbarrieren kein großes Problem. Offensichtlich: Das Publikum wagte sich sogar an einen holländischen Text. Vor allem aber kann, wer mitsingt, den Alltag für einen Abend hinter sich lassen, sich entspannen. Kein Wunder also, dass Menschen aus dem gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis dabei waren – „Ein Querschnitt durch die Bevölkerung“, meint Annette Bußmann.

Unterstützung für Bürgergarten

Nicht ohne Grund war bereits im Vorfeld von einem „Benefiz-Rudelsingen“ die Rede. Der Erlös aus Karten- und Speisenverkauf fließt in den „Interkulturellen Bürgergarten“, das größte Projekt der Zukunftsschmiede. Dort kommen regelmäßig Menschen aus verschiedenen Nationen zusammen, um zu pflanzen, zu ernten und Unkraut zu jäten. Nun soll eine neue Heckenschere her – die mittlerweile rund 800 Heckenpflanzen brauchen ein etwas schwereres Gerät. „Außerdem wünschen wir uns eine Gartenhütte für das Familienzentrum Habichtstraße“, sagt Annette Bußmann. Damit das klappt, haben die Bürgergärtner im Vorfeld eifrig gekocht und eine breite Palette an internationalen Spezialitäten aufgefahren. Genuss kennt eben keine Nationalitäten.