Ein Blick in die Zukunft der Stadtbücherei

Der Kulturausschuss des Stadtrats von Gevelsberg traf sich in der Stadtbücherei zu einem Ortstermin.
Der Kulturausschuss des Stadtrats von Gevelsberg traf sich in der Stadtbücherei zu einem Ortstermin.
Foto: WP

Gevelsberg..  Hat Lesen eine Zukunft? Wie entwickelt sich die Stadtbücherei? Um über diese Fragen nachzudenken, trifft man sich am besten dort, wo man das gedruckte Wort riechen kann. Und das taten die Mitglieder des Kulturausschusses des Stadtrats. Sie trafen sich zum Ortstermin mit der neuen Leiterin Stephanie Kron als Gastgeberin in der Stadtbücherei.

Vier Finger gingen zaghaft in die Höhe, als Birgit Langshausen von der Bezirksregierung in Arnsberg bei der Ausschusssitzung fragte, wer von den Politikern denn überhaupt Mitglied in der Stadtbücherei sei. Langshausen war eingeladen worden, um ein Impulsreferat bei zurückgehenden Nutzerzahlen von Stadtbüchereien zu halten.

Gaming-Bereich für Jungen

Als Beispiel für eine Bibliothek der Zukunft stellte die Fachfrau aus dem Dezernat für Öffentliches Bibliothekswesen die Einrichtung in Kreuztal vor. Hier wurde ein ehemaliges Squash-Center zu einer Städtischen Bücherei umgebaut. Helle, hohe Räume, farblich abgestimmte Sitzecken, ein „Gaming-Bereich“ - also eine Möglichkeit für Computerspiele. Damit sollen vor allen Dingen die Jungen ab 13 Jahren in der Bücherei gehalten werden. Ergänzt wird das Angebot durch die Möglichkeit der E-Book-Ausleihe per Internet. „Der Bildungsauftrag wird inzwischen nur noch nebenbei erfüllt. Das ist gewollt“, sieht Langshausen den Weg fort von Goethe, Schiller und meterhohen Bücherregalen. Der Auftrag sei inzwischen ein anderer: „Wir müssen verhindern, dass durch den unterschiedlichen Zugang zu den neuen Medien eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht.“

Die Stadtbücherei, so referierte Birgit Langshausen, müsse aber auch ein Ort der Veranstaltungen sein. Hier könnten sich zum Beispiel Demenzkranke treffen, um mit Bilderbüchern alte Erinnerungen wach zu rufen. Dass dafür in der Gevelsberger Stadtbücherei kein Platz ist, merkten die Ausschuss-Mitglieder am eigenen Leib. Nah der Besichtigung der Räumlichkeiten an der Wittener Straße mussten die Politiker in den Ratssaal umziehen, um die weitere Tagesordnung abzuarbeiten.

Bekenntnis der Politik

In der Diskussion nach dem Referat überlegte der SPD-Ratsherr Robert Schiborr laut, ob die Bücherei von gestern keine Zukunft hat: „Vielleicht geht der Trend in zehn Jahren wieder zurück zu den meterhohen Bücherregalen.“ Deshalb, so der Sozialdemokrat, könne es problematisch sein, sich eingleisig nur auf die neuen Medien zu konzentrieren. CDU-Fraktionsvorsitzender Hans-Günther Adrian macht klar, dass auch seine Partei hinter der Stadtbücherei steht: „Wir sollten uns als Politiker hüten, nur auf die zurückgehenden Zahlen zu schauen. Wir bekennen uns klar zu einer lebendigen Bücherei.“

Einstimmig nahm der Ausschuss nach der Diskussion eine Vorlage der Stadtverwaltung an, in der Handlungsfelder und geplante Veranstaltungen vorgestellt wurden. Dabei geht es um die Gründung eines Fördervereins, die Bildung eines Jugendbücherei-Beirats, Büchertrödel, ein Literatur-Café, Vorlese-Wettbewerbe, die Nacht der Poeten und den elektronischen Zugriff auf Medien, um nur einige Punkte zu benennen.