Ebola-Entwarnung sorgt für Erleichterung

Die Mitarbeiter der mobile Dekontaminationsstation.
Die Mitarbeiter der mobile Dekontaminationsstation.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Der Ebola-Verdacht hat sich nicht bestätigt. Ein 22-jähriger Asylbewerber aus Guinea mit hohem Fieber hatte einen Großeinsatz ausgelöst.

Gevelsberg/Schwelm.. „Mann hinter verschlossener Tür“ lautete der Einsatzbefehl um 22.13 Uhr am Sonntagabend. Die Rettungswagen-Besatzung und hauptamtliche Kräfte der Gevelsberger Wache in der Körnerstraße rückten in die Gartenstraße aus, verschafften sich dort Zutritt zu der Wohnung und trafen auf einen 22-jährigen Asylbewerber aus Guinea, der unter sehr hohem Fieber litt. Ein Mitbewohner hatte Alarm geschlagen. Die Mediziner hatten sofort den Verdacht, dass es sich um Ebola handeln könnte.

Gevelsberger Wache desinfiziert

Der Mann wurde mit dem Rettungswagen zum Helios-Klinikum gebracht, der Notfallplan des Ennepe-Ruhr-Kreises griff. Während der Rettungswagen im Innenhof des Schwelmer Krankenhauses isoliert wurde – der 22-Jährige hat das Klinikum nicht betreten – wurden entsprechende Maßnahmen auch an der Wache in Gevelsberg eingeleitet. Alle am Einsatz Beteiligten wurden isoliert. Nur noch die Büros, die Zentrale und die Halle, in dem der Löschzug 1 sein Fahrzeug abstellt, konnten vom letzten verbliebenen Mann in der Gevelsberger Wache genutzt werden. Der stellvertretende Feuerwehrchef Rüdiger Kaiser übernahm nun die Einsatzleitung. Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse wurde zusammengezogen, dem auch Ordnungsamtsleiter Armin Schäfer und der für Asylbelange bei der Stadt Gevelsberg zuständige Erik Stadler angehören.

Kaiser alarmierte umgehend die Freiwilligen des Löschzugs 1, die zur Wache kamen, damit die Wehr bei einem möglichen weiteren Einsatz handlungsfähig geblieben wäre. Auch die Polizei gab Großalarm, allein elf Streifenwagenbesatzungen fuhren zur Gevelsberger Wache. „Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten lief sehr gut“, resümiert Rüdiger Kaiser.

Ab 9 Uhr am Montagmorgen waren Einsatzkräfte, Hallen, Wagen und die Wege, die die Wehrleute gegangen waren, desinfiziert, so dass die Gevelsberger Hauptwache wieder voll einsatzfähig war.

Krisenstab im Kreishaus

Derweil koordinierte der Krisenstab des Ennepe-Ruhr-Kreises den Einsatz, sperrte den unteren Teil des Parkplatzes am Helios-Klinikum komplett ab. Unter anderem bauten sie eine mobile Reinigungsanlage auf. Dazu beorderte die Einsatzleitung den Abrollcontainer aus Witten in die Kreisstadt. Dutzende Feuerwehr- und Polizeiwagen versammelten sich hier – ebenso wie an der Feuerwache in Gevelsberg. Die Einsatzkräfte näherten sich dem Erkrankten nur in kompletter Schutzkleidung und entnahmen dem Asylbewerber eine Blutprobe. Diese holte ein Polizeihubschrauber um 8 Uhr am Montagmorgen ab und brachte sie in eine Marburger Klinik. Die Ankunft des Helikopters in Schwelm – eigentlich für 5 Uhr geplant – verzögerte sich aus unterschiedlichen Gründen immer weiter. Unter anderem wegen einer Nebelfront.

Der 22-Jährige war derweil mit dem Rettungswagen in das Evangelische Krankenhaus nach Witten gebracht worden, wo er unter Quarantäne lag. Recherchen des Gesundheitsamts des Ennepe-Ruhr-Kreises zu Folge war der Asylbewerber erstmals im Jahr 2013 nach Deutschland eingereist. „Bald konnten wir ausschließen, dass er sich während der Inkubationszeit von maximal 21 Tagen in Afrika befunden hatte“, sagte der Pressesprecher des Ennepe-Ruhr-Kreises, Ingo Niemann. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt stufte der Krisenstab, der unter Mitwirken von Landrat Arnim Brux im Kreishaus zusammenkam, den Ebola-Verdacht als nicht begründet ein.

Entwarnung um 14.30 Uhr

Nachdem der Rettungswagen den Mann im Evangelischen Krankenhaus in Witten abgeliefert hatte, kehrte der Wagen nach Schwelm zurück, wo die Besatzung und das Fahrzeug in der Reinigungsschleuse dekontaminiert wurden.

Auch wenn zu diesem Zeitpunkt bereits alle Indizien darauf hindeuten, dass der Afrikaner nicht das gefährliche Ebola-Fieber hat, wollten die Verantwortlichen erst offizielle Entwarnung geben, nachdem durch die Blutprobe zu 100 Prozent feststand, dass der Mann weder Ebola noch die zwischenzeitlich vermuteten Krankheiten Meningitis oder Malaria in sich trägt. „Er hat wohl normales Fieber“, teilte Ingo Niemann gegen 14.30 Uhr mit. „Die Blutuntersuchungen haben damit die Einschätzungen des Gesundheitsamts bestätigt“, sagt Niemann.

Lob und große Erleichterung

Der Asylbewerber wurde daraufhin wegen das normalen Fiebers im Evangelischen Krankenhaus behandelt. Anschließend wurden sowohl der im Kreishaus eingerichtete Krisenstab als auch die Einsatzorte am Helios-Klinikum und in Gevelsberg Zug um Zug aufgelöst. Landrat Dr. Arnim Brux zeigte sich erleichtert und lobte die gute Zusammenarbeit zwischen den Kräften des Kreises und der Städte, von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei.

Gleichzeitig war die Erleichterung bei allen, die ungeschützt mit dem Afrikaner in Kontakt gekommen waren, sehr groß, dass mit der guten Nachricht am frühen Nachmittag nach mehr als 16 Stunden komplett ausgeschlossen werden konnte, dass sie sich bei dem Patienten möglicherweise mit einer tödlichen Krankheit infiziert haben.

Genesungswünsche der Bevölkerung

Erleichterung auch in der Bevölkerung, denn der Verdachtsfall war bis zur Entwarnung das Gesprächsthema schlechthin im Ennepe-Ruhr-Kreis. Viele Menschen wünschen dem Mann nun eine gute Besserung.