Düfte lassen Erinnerungen lebendig werden

Heinz Dietmar Janousek segnet die Duftorgel in einer kleinen Zeremonie im Garten des Seniorenstifts St. Marien.
Heinz Dietmar Janousek segnet die Duftorgel in einer kleinen Zeremonie im Garten des Seniorenstifts St. Marien.
Foto: WP

Schwelm..  So ganz geheuer ist dem Mann die silberne Säule im Garten des Seniorenheimes von St. Marien erst einmal nicht, als er von Bettina Spitz immer näher heran geführt wird. Den Rollator hat er für den Gang rund um den Teich stehen gelassen. Skeptisch schaut er auf das Gebilde aus gebürstetem Edelstahl. Doch als die stellvertretende Heimleitung den Deckel anhebt und sich der Duft von frischen Zitronen verteilt, beginnt der Mann zu lachen. Er will gar nicht mehr weg, grinst gedankenverloren. „Bei Menschen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten sind Anregungen für die Sinne wichtig“, weiß Bettina Spitz aus Erfahrung. Diese Anreize soll nun auch die neue Duftorgel in der Einrichtung schaffen. Möglich gemacht hat das die Hans-Grünewald-Stiftung mit einer großzügigen Spende.

7000 Euro kosten die fünf Säulen, die um den Teich herum aufgestellt sind. Sie sind fest im Fundament verankert, robust, „für die Ewigkeit“, sagt Bettina Spitz und lacht. Schon seit Jahren wünsche sich die Einrichtung diese Duftorgel, wie sie in der Fachsprache heißt. Es scheiterte bislang jedoch an den Kosten. „Das Geld kommt zu 100 Prozent von der Stiftung“, sagt Bettina Spitz und freut sich über die Unterstützung, es ist nicht die erste große Spende der Stiftung an die Einrichtung.

Und auch diese wird richtig gefeiert. Während die Bewohner an den einzelnen Stelen schnuppern, weht Bratwürstchengeruch hinüber. Es gibt Erdbeerbowle und Sekt, die Musikgruppe „Norbert und Norbert“ spielt. Es sind Angehörige von Bewohnern, die mit ihren Liedern vor allen den Menschen, die an der Friedrich-Ebert-Straße leben, Freude machen, sagt Bettina Spitz. Auch altes Liedgut weckt Erinnerungen bei den Bewohnern.

Anreize schaffen

Für Abwechslung im Alltag soll der Park sorgen, der mittlerweile schon zu einem Sinnesgarten geworden sei, sagt Bettina Spitz. Der Teich im Mittelpunkt, die vielen bunten Blumen und nun die Duftsäulen entlang des Wegesrandes. Die Idee sei angelehnt an den Kräutergarten, den die meisten ja früher hatten, erklärt sie. Hier sind es Zitrone, Salbei, Rosenholz, Birkenteer und Anis. Die Essenzen werden in das Gefäß getröpfelt, der Duft bleibt über Monate.

„Das riecht hier wie Ouzo“, sagt einer der Gäste und schnuppert noch ein paar Mal, bevor es weiter zum Birkenteer geht, „das riecht wie geräucherter Aal. Lecker.“

Es sind nicht nur Bewohner zum Sommerfest in den Garten der Einrichtung gekommen, auch viele Angehörige. Heinz Dietmar Janousek ist auch da und gibt dem ganzen einen feierlichen Rahmen, als er die Stelen einsegnet.

„Ein Duft kann das Herz erfreuen, die Seele beruhigen und den Körper stärken“, sagt er. Ätherische Öle hätten eine heilende Wirkung, und sind rezeptfrei zu haben. In der Pariser Metro würde sogar Veilchenduft zur Rush- Hour verströmt, um die Menschen zu Stresszeiten zu beruhigen.

Die Aromamoleküle der Duftorgel von St. Marien wirken auch. Sie dringen in die Schleimhäute ein und dann direkt in das Bewusstsein. Vor allem Menschen, die an Demenz erkrankt sind, können davon profitieren. Längst vergangene Momente sollen so wieder präsent werden, den Menschen aus seiner Welt holen, ihn dazu bringen, teilzuhaben.

Doch es geht nicht nur um Erinnerungen. Sondern auch darum, den Bewohnern einen Anreiz zu schaffen, mit den Angehörigen hinaus zu gehen, gemeinsam im Park eine schöne Zeit zu verbringen. Etwas für das Wohlbefinden.