Drogenhandel mit festgelegten Geschäftszeiten betrieben

Foto: Kurt Michelis

Gevelsberg/Hagen..  Wenn er seine Arbeit beendet hatte, begann für den gebürtigen Gevelsberg das eigentliche Tagesgeschäft: Aus seiner Schwelmer Wohnung heraus soll der 47-jähriger Mann einen schwunghaften Drogenhandel betrieben haben. Ein Tippgeber brachte die Polizei auf die Spur des Rauschgifthändlers. Gestern hat der Mann die Drogengeschäfte vor dem Hagener Landgericht unumwunden zugegeben.

Der 47-jährige hat selbst eine heftige Drogenkarriere hinter sich. Er behauptete vor Gericht, schon seit 30 Jahren abhängig zu sein. Ab November 2013, so wirft es ihm die Anklage vor, begann er mit harten Drogen zu dealen. Heroin und Kokain gehörten zu seinem Sortiment. Den Stoff besorgte der Angeklagte im berüchtigten Dortmunder Norden in Mengen von bis zu 250 Gramm.

Als der Mann seine Dealerkarriere eigenen Angaben zufolge im August letzten Jahres startete, musste er seine Kunden nicht erst umständlich suchen. Er übernahm das florierende Geschäft eines anderen. Nachdem sich nämlich ein wichtiger Dealer in Schwelm in seinem Keller erhängt hatte, gab es für die Kunden einige Zeit keine Anlaufstelle mehr. Da sprang der gebürtige Gevelsberger ein, wie er erklärte. „Sagen wir mal so: Schwelm ist ein Dörfchen. Das hat sich dann ganz schnell herumgesprochen, dass ich was verkaufte“, so der Angeklagte.

Von nun an richtete der 47-jährige in seiner Wohnung ein regelrechtes Drogenkontor mit festen Geschäftszeiten ein. Wenn er von seinem Tagwerk nach Hause kam, begann für ihn die eigentliche Arbeit. Von 16 bis 20 Uhr nahm er telefonisch die Bestellungen entgegen. Zumeist verkaufte er Mengen von bis zu zwei Gramm Heroin für 60 Euro pro Gramm. Nach „Ladenschluss“ bat er sich allerdings Ruhe aus. „Ich musste jeden Morgen um fünf Uhr aufstehen. Irgendwann brauchte ich mal Ruhe“, fügte er mit einem verlegenen Grinsen hinzu.

Trotzdem blieben die Aktivitäten in der kleinen Wohnung nicht unbemerkt. Polizeibeamte berichteten vor Gericht, dass sie tatkräftige Unterstützung durch einen Tippgeber hatten. Der hatte sich beschwert, dass es beim Angeklagten „zugehe wie im Taubenschlag“. Außerdem sei schon stadtbekannt, dass der mit Drogen handele. Und so überwachte die Schwelmer Polizei einige Wochen die Telefone des Angeklagten und zeichnete fein säuberlich Gespräche mit, in denen Kunden und Dealer unbekümmert über das Geschäftliche, Mengen und Preise sprachen. Ende Januar hatte die Polizei genug Beweise gesammelt und nahm den Schwelmer fest.

Ein psychologischer Gutachter soll klären, welche Rolle die Drogensucht des Angeklagten spielt.