Dr.-Fritz-Textor-Ring wird nicht umbenannt

Dr. Fritz Textor war der erste Bürgermeister der Stadt.
Dr. Fritz Textor war der erste Bürgermeister der Stadt.
Foto: Hans Hermann Pöpsel

Ennepetal..  Es war ein denkbar knappes Ergebnis und machte wieder einmal deutlich, wie umstritten das Thema ist. Doch die Diskussion hat nun voraussichtlich eine Ende, zumindest auf politischer Ebene: 20 Ratsmitglieder waren gegen, 18 für eine Umbenennung des Dr.-Fritz-Textor-Rings.

Nach dieser Abstimmung ist das Thema vom Tisch. Vorausgegangen war ein verbaler Schlagabtausch im Haus Ennepetal, mit vielen Redebeiträgen und Argumenten der Befürworter und Gegner einer Umbenennung der Straße im Neubaugebiet „Bauen mit der Sonne“.

Volker Rauleff (SPD) gab zu, dass im Vorfeld der Entscheidung für die Namensgebung am 28. Mai 2009 schlampig gearbeitet wurde. Man hätte sich im Vorhinein mehr erkundigen müssen. Diese Auffassung teilten auch viele andere Ratsmitglieder. Daniel Heymann (CDU) erklärte zudem, dass er aus heutiger Sicht sicherlich nicht zugestimmt hätte, die Straße nach Fritz Textor zu benennen. Generell halte er es schwierig eine Person dafür zu nehmen. Aber eine Umbenennung käme seiner Meinung nach einer Verurteilung gleich, und dafür mangle es an Beweisen. „Wir spekulieren hier über die Gedanken und Geisteshaltung, die er vor 70 Jahren hatte“, die Vorwürfe seien nicht bewiesen.

Gutachten im Mittelpunkt

Im Oktober hatte der Historiker Professor Dr. Ulrich Pfeil ein Gutachten vorgelegt, das sich mit der Rolle des ersten Bürgermeisters der Stadt während der Nazi-Zeit beschäftigt. Es stand der Vorwurf im Raum, dass er einen möglichen Konkurrenten um einen Professoreposten, Paul Ernst Hübinger, als Nicht-NSDAP-Mitglied denunziert und so dessen Karriere verhindert habe.

Dieser Vorwurf sei nicht haltbar, betonte Dr. Petra Kappe (SPD). Dennoch sei durch das Gutachten deutlich geworden, dass Textor nicht nur ein Mitläufer war, sondern aktiv im Sinne der Nazis gehandelt habe. „Wir dürfen nichts vertuschen oder verharmlosen, wir müssen uns der Geschichte stellen.“ Das seien Grundätze der Demokratie. Die Breckerfelder Bürgermeisterkandidatin warb für eine Umbenennung der Straße. „Es geht nicht um eine Verurteilung, sondern um die Korrektur eines Fehlers. In dieser Stadt darf keinem Nazi solch eine Ehrung zuteil werden.“ Rolf-Dieter Hüttebräucker (FWE) betonte, dass alles nur Vermutungen seien, „wir sind keine Gesinnungspolizei“. Er hält das von Bündnis 90/Die Grünen in Auftrag gegebene Gutachten für parteiisch und machte sich wie die Mehrheit von CDU und FDP gegen eine Umbenennung stark.

Geheime Abstimmung

„Alles andere würde Türen und Tore für Dinge öffnen, die wir dann nicht mehr im Griff hätten“, so Hüttebräucker. Außerdem, erklärte er, sei Textor als Bürgermeister geehrt worden.

SPD, Linke und Bündnis 90/Die Grünen waren mehrheitlich dafür, einen neuen Namen für die Straße zu wählen, in der aktuell 117 Menschen leben. Die Grünen stellten im November einen entsprechenden Antrag. Letztendlich konnte in der Ratssitzung jeder ohne Parteizwang abstimmen. Denn auf Antrag der CDU gab es geheime Wahlen. Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen gab im Vorfeld der Abstimmung bekannt, dass er einer Umbenennung nicht zustimmen werde, weil dadurch das Andenken und der Name Textors beschädigt würde. Die Denunziation sei nicht bewiesen, doch es sei wichtig gewesen, dass das Thema erörtert worden sei. Am Ende gab es das knappe Ergebnis. Alles bleibt also, wie es ist.

Egal wie die Abstimmung ausgegangen wäre, auf die Anwohner wären wohl nur geringe Kosten zugekommen. Schon im Vorfeld der Sitzung wurde deutlich, dass durch eine Umbenennung entstehenden Kosten für behördliche Dokumente von der Verwaltung übernommen würden. Zu einer entsprechenden Abstimmung zu dem Thema ist es aber dann nicht mehr gekommen.