Donald Duck parkt am Ochsenkamp

Frank Schievelbusch hat das berühmte Kennzeichen von Donald Duck nach Gevelsberg geholt
Frank Schievelbusch hat das berühmte Kennzeichen von Donald Duck nach Gevelsberg geholt
Foto: WP

Gevelsberg..  Comic-Ente Donald Duck scheint es nach Gevelsberg verschlagen zu haben. Zumindest steht sein Auto mit dem markanten Kennzeichen EN-TE313 in der Einfahrt der Familie Schievelbusch am Ochsenkamp.

Mit den Worten „Donald ist leider nicht da, aber ich vertrete ihn“, öffnet Frank Schievelbusch schmunzelnd die Haustür. Doch warum der befreundete Comicheld sein ehemals rotes Cabriolett plötzlich gegen einen weißen Lieferwagen eingetauscht hat, vermochte der 55-Jährige nicht zu sagen. Schließlich mutet der Ford-Transit doch eher an die Gestalt Donalds kurz nach der Weihnachtszeit an. Wollte er sich verstecken? Brauchte er mehr Platz, um auch Daisy und seine drei Neffen unterzubekommen? Oder hat er sein Gefährt seinem Onkel Dagobert zu Liebe etwa als Geldtransporter umfunktioniert?

So oder so sei es erstaunlich einfach gewesen, an das Entenhausener Kult-Kennzeichen zu kommen. „Nach einem Fahrzeugwechsel hatte ich 2009 beim Straßenverkehrsamt nachgefragt, ob es noch frei ist und dann sofort zugeteilt bekommen“, erinnert sich Schievelbusch an den „Kennzeichen-Coup“ von vor sechs Jahren.

Während Schievelbuschs Errungenschaft in duckschen Fanforen mit großer Verwunderung und zuweilen sogar mit einer gewissen Portion Neid gesehen wird, fallen die realen Reaktionen erstaunlich spärlich aus. „Ich kann mich nicht entsinnen, dass mich da schon mal jemand drauf angesprochen hätte“, verblüfft der Familienvater und mutmaßt, dass sich die heutigen Kinder womöglich eher dem Daumensport widmen als Comics zu lesen, während den Älteren die ducksche Zulassung schlichtweg nicht bekannt sei.

Auf Initiative seines Sohnes Lukas hatte er sich damals darum bemüht. „Ich fand das super, als wir eine große weiße Ente bekommen haben. Doch hat mich das sehr erstaunt, dass das Kennzeichen noch zu haben war“, wundert sich der inzwischen 19-jährige Lehramts-Student noch heute und gibt zu Bedenken, dass doch grade die „Enten-Kennzeichen“ im hiesigen Kreis sehr beliebt seien.

EN-TE deutschlandweit gefragt

So gibt es deutschlandweit zahlreiche Oldtimer, allen voran die legendäre 2CV-Ente von Citroen, die sich über ortsansässige Bekannte ein entsprechendes Kennzeichen gesichert haben. Dass jedoch grade das ducksche Nummernschild noch frei war, zeige, dass die Comics im Detail wohl doch nicht so bekannt sind wie man als Fan denkt, meint Mutter Astrid Witschorke-Schievelbusch, ebenfalls eine Donald-Sympathisantin.

Während Lukas in seiner Kindheit zum großen Entenhausen-Fan wurde, ließen sich auch die Eltern von der Begeisterung für den Kult-Comic anstecken. „Wir sind zusammen mit Freunden von Lukas regelmäßig zu den Donaldisten-Kongressen gereist. Eine ganz verrückte Szene“, berichtet Mutter Astrid und erklärt wohlwissend, dass man in diesem erlauchten Kreis altersübergreifend die Hintergründe der Comics erforsche, dieses so genannte Anaversum hochwissenschaftlich hinterfrage und neue Theorien aufstelle.

So würden hier beispielsweise kreative Projekte wie eine auf den Geschichten basierende Stadtkarte oder die Reproduktion der Original-Hintergrundgemälde in die Tat umgesetzt. „Bei den Treffen ist es üblich, genau wie im Comic Gelächter über ein „Ha, Ha, Ha“ oder Applaus durch das Aussprechen von „Klatsch, Klatsch, Klatsch“ auszudrücken“, berichtet Lukas vom „gelebten Comic“ seiner einstigen Donaldisten-Mitgliedschaft.

Im Zuge seiner Abitur- und Studienverpflichtungen ist der ganz große Fanatismus inzwischen zwar gewichen, doch ist die Symphatie für die Kultente innerhalb der gesamten Familie nach wie vor ungebrochen. Noch heute greift auch Vater Frank ab und zu auf die Comic-Sammlung zurück und gibt zu Bedenken, dass die Hefte ja schließlich nicht nur für Kinder seien.

Kein Kennzeichenwechsel

Freund Donald wird Gevelsberg wohl noch lange erhalten bleiben. Schließlich ist der verpflichtende Kennzeichenwechsel bei Anschaffung eines neuen Autos inzwischen abgeschafft worden. Glücklicherweise habe die Kultente den Schievelbuschs auch in Zukunft die Nutzung ihres Fahrzeugs zugesichert, berichtet das erleicherte Familienoberhaupt, der das Kultauto als Vermessungsingenieur weiterhin auch zu eigenen Transportzwecken nutzen darf.