Diese Frau verschliss drei Hammerschmiede

Hier ist Bianca Sudmann noch als Bianca Krütt im Jahr 1995 zu sehen.
Hier ist Bianca Sudmann noch als Bianca Krütt im Jahr 1995 zu sehen.
Foto: WP

Gevelsberg..  Sie sorgte 21 Jahre lang auf der Kirmes für strahlende Kinderaugen. Denn immer, wenn sie auf dem Wagen des Hammerschmieds an den kleinen Besuchern im Zug vorbeirollte, gab es haufenweise Süßigkeiten. Etwa 400 Kilo Bonbons wird sie auch am Sonntag zusammen mit ihren Helfern in die Menge werfen: ihr letzter großer Auftritt als Adjutantin des Hammerschmieds. Das Amt, das sie als 17-Jährige übernommen hatte, wird sie schweren Herzens abgeben. „Es war eine ganz tolle Zeit“, sagt sie. „Doch von jetzt an möchte ich den Kirmeszug mit meinen eigenen Kindern erleben.“

Tonnenweise Bonbons verteilt

Sie höre nicht auf mit der Kirmes, werde nur den Ort wechseln, was das Kirmeszugtreiben angeht. Paul ist fünf Jahre alt, Nele zwei. So wie sie in die Kirmesleidenschaft hineingewachsen ist, so sollen auch ihre Kinder groß werden. Gemeinsam mit ihrem Mann will sie bei den Hippendörfern mitmachen und freut sich, wenn sie sich gemeinsam mit Miriam Laake um die Kindergruppe kümmern könnte.

Schon als Kind sei sie bei den Hippendörfern gewesen, war mit Feuereifer viele Jahre dabei. Ihr Vater Helmut Krütt und der damalige Hammerschmied Hans-Peter „Pit“ Schäfer hatten sie damals gefragt, ob sie nicht Adjutantin werden möchte. Ihr Job: den Hammerschmied bei offiziellen Anlässen begleiten und unterstützen, selbst eine Figur des Kirmesgeschehens werden.

Eigentlich wollte sie nur ein paar Jahre mitmachen, vielleicht fünf, sagt sie. Dass es am Ende 21 geworden sind, das hätte sie sich auch nicht träumen lassen. „Wer kann schon von sich behaupten, drei Hammerschmiede verschlissen zu haben“, sagt sie und lacht. Der Spruch käme übrigens nicht von ihr, sondern vom aktuellen Amtsinhaber Bernd Matthäi. Ein Hammerschmied aus Leib und Seele. So wie seine beiden Vorgänger auch, wie Bianca Sudmann betont.

Am Ausgelassensten wäre die Zeit mit Michael Sichelschmidt als Hammerschmied gewesen. „Er hat Partystimmung gemacht. Wenn wir unterwegs waren, war es immer mega lustig“, sagt sie. Schließlich kannten ihn die meisten als Einzelgänger Willi, der nie um einen Spruch verlegen war. Ein Spaßvogel. Einmal sei die Musikanlage ausgefallen, erinnert sie sich. Da habe Michael einfach alle 50 Meter das gleiche gesagt, die Leute hätten sich gar nicht mehr eingekriegt.

Tonenweise Bonbons

Mit dem Hammerschmied tauschen – das möchte sie nicht. Nicht nur, weil er den schweren Hammer mit sich rumträgt, den sie übrigens unzählige Male ebenfalls halten musste. Für ihn gelte drei Monate Vollgas. „Danach braucht er erstmal Urlaub.“ Nur gut, dass sie nicht alle Termine mitmachen musste, sonst hätte sie schon eher aufgehört, sagt sie und lacht. Sie war dennoch bei vielen offiziellen Auftritten dabei, begleitete die Traditionsfigur mit ihren weißen Klotschen und wurde irgendwann selbst zu einer. Einzig das Kostüm wechselte, das Kleid hatte sie irgendwann gegen eine weiße Hose getauscht. „Ich passte nämlich nicht mehr rein“, sagt sie. Das war nach der ersten Schwangerschaft. Und dann sei sie einfach bei dem neuen Outfit geblieben.

Ihren Mann Lars-Thorsten hat sie mittlerweile auch für die Kirmes begeistern können. Sogar nach ihrer Trauung wurde mit der Hochzeitstorte bei der Hammerschmiedfete einfach weitergefeiert. Bianca Sudmann hofft, dass die Kirmes auch in den nächsten Jahren in der Stadt so gelebt wird wie bisher. Auch deshalb will sie sich in der Kirmesgruppe engagieren. „Über die Kinder möchte ich auch die Eltern in die Kirmesgruppe holen.“ Von alleine mitzumachen, dafür sei bei vielen die Motivation nicht groß genug, obwohl Tausende bei dem Kirmeszug am Straßenrand stehen und riesigen Spaß hätten, weiß sie.

In der Gruppe die Kirmes zu erleben, teilzuhaben, und gemeinsam an etwas zu arbeiten, das sei eine tolle Sache und ein riesiges Erlebnis. „Man muss es einfach nur versuchen, ohne Verpflichtung.“ Das tolle an der Kirmes sei, dass sie für die ganze Familie sei, jeder könne mitmachen, man müsse es einfach nur versuchen, und dann käme man nicht mehr los davon.

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