„ Die Tiere schrien vor Hunger und Durst“

Schwelm/Breckerfeld..  Eine Mitarbeiterin des Kreisveterinäramtes des Ennepe-Ruhr-Kreises zeigt sich heute noch völlig geschockt: „Viel habe ich schon erlebt, aber das war ein extrem krasser, abstoßender Fall.“ Das sagte sie nun am Schwelmer Amtsgericht. Dort sollte sich eigentlich ein Breckerfelder wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten. Er hatte offenbar privat in der Hansestadt eine durchaus zahlenmäßig beeindruckende Gänse-Farm angelegt. Rund 480 Tiere in einer Halle, um die er sich nicht ansatzweise kümmerte, sondern sie brutalst verwahrlosen und zum Teil verhungern und verdursten ließ.

Der Angeklagte, er soll als angestellter Metzger-Geselle in einer Hagener Fleischerei arbeiten, hatte offensichtlich kein Interesse an einer öffentlichen Erörterung der Vorwürfe. Er war seiner gerichtlichen Ladung auf die Anklagebank nicht gefolgt und glänzte durch Abwesenheit. „Völlig typisch für ihn“, kommentierte die Veterinärin, die von drei weiteren Kreis-Mitarbeitern begleitet wurde, „so war es auf dem Hof auch immer. Sein Vater war immer nur da, der uns auch gerufen hat. Daraufhin hatten wir mehrere Mahnschreiben gegen den Geflügelhalter geschickt. Leider, leider vergeblich, wie sich herausstellte.“

Unmut ungefragt Luft gemacht

Als Zeugin konnte sie in Abwesenheit des Beschuldigten natürlich nicht offiziell vernommen werden. Aber ihrem Unmut machte sie auch ungefragt verständlicherweise öffentlich im Gerichtssaal durchaus Luft: „Der witterte das große Weihnachtsgeschäft, hat aber nur wenige verkauft. Danach waren die Tiere ihm wirtschaftlich völlig egal. Die kosteten ja nur noch! Ich begreife es einfach nicht!“ Und: „Alle Tiere befanden sich in ihrem eigenen Kot, die noch nicht verreckten schrien vor Hunger und Durst. Andere Gänse hatten sich durch Kannibalismus gestärkt. Es war erbärmlich. Wir haben alle überlebenden Gänse notschlachten und entsorgen müssen. So etwas tut weh.“ Und ein Detail wollte die Kreisveterinärin auch nicht unausgesprochen lassen: „Während seine Gänse qualvoll starben, fuhr er bekanntlich fröhlich einen Zugtrecker auf dem Hagener Rosenmontagszug.“

Zurück zur rechtlichen Würdigung: Auf Antrag der Staatsanwaltschaft verurteilte das Schwelmer Strafgericht den angestellten Metzger per Strafbefehl ohne persönliche Anhörung zu 3600 Euro Geldstrafe. Ein Verbot jeglicher Tierhaltung hatte das Ordnungsamt bereits zuvor verfügt.