Die Stadt für Senioren verbessern

Mit 92 000 Euro von der Fernsehlotterie wird im AWo-Seniorenzentrum Gevelsberg ein Quartiersmanagement aufgebaut. Von links: Jörg Richard (stellvertretender Geschäftsführer der AWo Westliches Westfalen), Monika Dammin (Quartiersmanagerin), Kerstin Thiel (Einrichtungsleiterin), Bürgermeister Claus Jacobi und Klaus Kiesheyer (AWo).
Mit 92 000 Euro von der Fernsehlotterie wird im AWo-Seniorenzentrum Gevelsberg ein Quartiersmanagement aufgebaut. Von links: Jörg Richard (stellvertretender Geschäftsführer der AWo Westliches Westfalen), Monika Dammin (Quartiersmanagerin), Kerstin Thiel (Einrichtungsleiterin), Bürgermeister Claus Jacobi und Klaus Kiesheyer (AWo).
Foto: WP

Gevelsberg..  Das Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Kampstraße hat in der Lotterie gewonnen und die älteren Bürger in Gevelsberg sollen davon profitieren. Das ist kein Märchen: Die Fernsehlotterie unterstützt die Einrichtung mit 92 000 Euro, um drei Jahre lang ein so genanntes Quartiersmanagement aufzubauen. Das soll sich – einfach gesagt – darum kümmern, dass die Menschen in ihrer Heimat sorgenloser älter werden können.

Das Quartier hat auch eine Managerin. Sie heißt Monika Dammin und hat bereits konkrete Vorstellungen, was sie in ihren ersten Arbeitstagen in Angriff nehmen möchte: „Wir werden nach Sitzplatz-Paten Ausschau halten, um Bänke anzuschaffen, auf denen sich ältere Menschen zum Beispiel auf ihrem Weg in die Stadt erholen können.“

Eine Aktion „nette Toilette“ ist geplant, für die Geschäftsleute und Gastwirte ihre Sanitäreinrichtungen für Gäste öffnen. „Wir wollen auch da helfen, wo früher Nachbarn oder Kinder eingesprungen sind“, erklärt Jörg Richard, stellvertretender Geschäftsführer des AWO-Bezirks Westliches Westfalen.

Da müssen zum Beispiel Blumen während eines Krankenhaus-Aufenthaltes gegossen oder der Flur geputzt werden. Oder es ist einfach nur eine Begleitung beim Einkaufen nötig. Selbst Kurse für pflegende Angehörige sind in der Überlegung.

Das alles soll in einem Netzwerk geschehen, in dem sich Verbände, Vereine, Kirchen aber auch zum Beispiel ambulante Pflegedienste einbringen. Stadtverwaltung und Heimatverein sind bereits mit im Boot. Eine Steuerungsgruppe hat sich bereits getroffen.

Das heißt nicht, dass Gevelsberg sich auf diesen Gebieten noch nicht engagiert hat. Es muss nicht bei null begonnen werden. „In der Seniorenarbeit wird in der Stadt eine Menge angeboten“, loben die Verantwortlichen der Arbeiterwohlfahrt. Aber die Herausforderungen an das Sozialwesen würden größer werden. „Unsere Gesellschaft wird weniger, älter und bunter“, drückt es Jörg Richard plakativ aus.

Das AWO-Seniorenzentrum soll deshalb eine Anlaufstelle für die älteren Menschen ab 60 Jahren werden. Das Haus noch mehr als bisher für Menschen zu öffnen, die hier nicht ihren Lebensabend verbringen, ist auch der Plan der neuen Leiterin des Seniorenzentrums Kerstin Thiel.

Ziel ist es, dass Senioren immer länger in ihren Wohnungen bleiben können und Angehörige von Pflegebedürftigen nicht allein gelassen werden. Die AWO bietet deshalb auch Tages- und Kurzzeitpflege zum Beispiel während des Urlaubs von Kindern an.

Trend der neuen Stadtentwicklung

Dass Einrichtungen wie die an der Kampstraße dadurch überflüssig werden könnten, kann Jörg Richard sich nicht vorstellen: „Wir rechnen eher mit einer Verdoppelung des Bedarfs.“ Längst sei das Seniorenzentrum aber kein Platz mehr für die letzten Lebensjahre: „Unsere Bewohner leben meist nur ein halbes Jahr bei uns, sie sind im Durchschnitt über 85 Jahre alt, die Hälfte leidet an Demenz, 60 Prozent kommen aus dem Krankenhaus oder aus Reha-Maßnahmen.“

Über das neue Engagement freut sich Bürgermeister Claus Jacobi. Es sei gut, dass sich das Seniorenzentrum aus seiner einstigen Isolierung löst: „Quartiersmanagement, die Lebensumwelt-Gestaltung, ist der Trend der neuen Stadtentwicklung.“