„Die Politik unterschätzt unsere Flexibilität“

Ralf Stoffels ist nun SIHK-Vize-Präsident und folgt inm diesem Amt auf Rolf Bilstein.
Ralf Stoffels ist nun SIHK-Vize-Präsident und folgt inm diesem Amt auf Rolf Bilstein.
Foto: WP

Ennepetal..  Unternehmer Ralf Stoffels ist dafür bekannt, umtriebig zu sein und sich an diversen Stellen beruflich wie ehrenamtlich an vorderster Front zu engagieren. Nun kommt ein weiterer Posten hinzu: Stoffels ist für die Jahre 2015 und 2016 zum Vizepräsidenten der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) gewählt worden.

Der Schwelmer, dessen Firma biw in Ennepetal beheimatet ist, übernimmt das Amt von Rolf Bilstein, der dieses aus Altersgründen nach 13 Jahren abgab, und vertritt nun im SIHK-Präsidium gemeinsam mit dem anderen heimischen Vize-Präsidenten Axel Vollmann aus Gevelsberg die Interessen des Ennepe-Ruhr-Kreises. Zwischen einem Geschäftstermin mit Partnern aus Dubai und Planungen zum Bau der neuen Schwelmer Dreifeldsporthalle fand Stoffels Zeit, um über die Herausforderungen für Unternehmer und die Kammer zu sprechen.


Viele Unternehmen schimpfen auf die Gebühren, die sie an die SIHK zahlen müssen. Wozu brauchen sie überhaupt die Kammer?
Ralf Stoffels:
Ganz einfach. Nur so können wir die Interessen der Wirtschaft bündeln und schlagkräftig insbesondere im politischen Rahmen vertreten – zum Beispiel was die Flächenpolitik betrifft.


Was heißt das genau?
Als Einzelunternehmer kann man sich kein Gehör verschaffen und wenn die Politik weiterhin nur Gewerbeflächen aber keine Industrieflächen ausweist, geht das an der Realität vorbei. Wir sind von mittelständischen Industrieunternehmen geprägt, die Arbeitsplätze schaffen, Gewerbesteuer zahlen und expandieren wollen. Aber für Unternehmen aus dem EN-Südkreis stellt die Opel-Brache gewiss keine Option dar, weil die Arbeitsprozesse an einem Standort abgestimmt werden müssen.


Welche Alternativen sehen Sie an dieser Stelle?
Abwanderung kompletter Unternehmen, oder dass den Firmen ermöglicht wird, sich vor Ort zu vergrößern. Standortattraktivität ist ein ganz wichtiges Schlagwort. Ich glaube, dass die Politik die Flexibilität des gesunden Mittelstands im internationalen Wettbewerb unterschätzt.


Vor dem Hintergrund der Standortattraktivität: Wie begegnen die hiesigen Unternehmen dem Facharbeitermangel?
Das ist eines der ganz bestimmenden Themen bei der SIHK im laufenden Jahr: Zukunft und Jugend. Viele Jugendliche kennen die Jobs überhaupt nicht, die im Angebot sind, andererseits reicht die Qualifikation oft nicht für eine erfolgreiche Bewerbung aus. Wir haben das einzigartige duale Ausbildungssystem und müssen auch später den Fokus auf Aus- und Weiterbildung legen. Es ist ein Vorteil unserer Region, dass die meisten Unternehmen familiengeführt und damit eng mit dem Standort verwurzelt sind. Aber um junge, gut ausgebildete Leute hier herzulocken oder auch nur zu halten, müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Und auch hier ist die SIHK schlagkräftiger als jeder Einzelne.


Welche Themen müssen im Ennepe-Ruhr-Kreis besonders vorangetrieben werden?
Ganz klar der Breitbandausbau. Wir sind hier in Oelkinghausen immernoch nicht an ein Glasfaserkabel angebunden. Das ist eigentlich untragbar. Zweites Thema ist die Energiewende, die wir Unternehmer mittragen aber nicht allein schultern können. Auch hier hilft der Zusammenschluss in der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer.