Die Osterzeit in voller Farbenpracht dargestellt

Ein echter Hingucker: Das von Elisabeth Altenrichter-Dicke entworfene Fenster der Martin-Luther-Kirche in Altenvoerde stellt die Osterzeit von Gründonnerstag bis Pfingsten dar. Es besteht aus insgesamt 578 farbigen Betongläsern, die zwischen fünf und zwölf Millimetern stark sind.
Ein echter Hingucker: Das von Elisabeth Altenrichter-Dicke entworfene Fenster der Martin-Luther-Kirche in Altenvoerde stellt die Osterzeit von Gründonnerstag bis Pfingsten dar. Es besteht aus insgesamt 578 farbigen Betongläsern, die zwischen fünf und zwölf Millimetern stark sind.
Foto: WP

Ennepetal..  Das Evangelische Kirchenjahr, nicht identisch mit dem Kalenderjahr, ist in der Osterzeit, von Gründonnerstag bis Pfingsten, ein ganz besonderer Zeitabschnitt. Eindrucksvoll wird er in dem großen farbenprächtigen Chorfenster der Altenvoerder Martin-Luther-Kirche mit zahlreichen Bildern und Symbolen dargestellt. Geschaffen hat das Kunstwerk die Ennepetaler Künstlerin Elisabeth Altenrichter-Dicke.

Am 21. September 1961 hatte das Presbyterium (Voerde/Altenvoerde) beschlossen, die Altenvoerder Kapelle in mehreren Bauabschnitten grundlegend zu modernisieren und umzugestalten. Beauftragt wurde der Voerder Architekt Werner Dicke, während man die Ausstattung des Chorraums seiner Schwester, der Voerder Bildhauerin und Malerin Elisabeth Altenrichter-Dicke, übertrug.

Vier mal fünf Meter groß

Die Ausmaße und die äußere Form des Gebäudes sollten nicht verändert werden. Schwerpunkt der Umgestaltung war im Inneren der Kapelle, den Chorraum erheblich zu vergrößern. So war es eine besondere Herausforderung für Elisabeth Altenrichter-Dicke, an der südlichen Chorwand ein modernes Bildfenster in der Größenordnung von vier Metern Breite und fünf Metern Höhe künstlerisch zu gestalten. Dabei profitierte die Kirchengemeinde von der Renaissance, dass die Architekten und Künstler wieder farbenprächtige Chorfenster mit neuen Materialien in ihre Projekte einbezogen.

Der Künstlerin stellt die Osterzeit mit ihren besonderen Feiertagen von Gründonnerstag über Karfreitag und Ostern bis hin zu Pfingsten eindrücklich dar. Das Fenster leuchtet in mannigfaltigen Blau-, Rot- Gelb-, Brauntönen, in Lila, Violett und Grau. Es wird durch ein mächtiges asymmetrisches Kreuz sowie durch diagonale und vertikale schwarze Streben in unregelmäßige Zonen und Felder gegliedert.

Die Fenstergeschichte beginnt mit dem Gründonnerstag, der Einsetzung des Heiligen Abendmahls durch Jesus Christus. Das Sakrament ist in einer goldgelben Fläche mit einem braunen Brotlaib sowie auch auf gelber Fläche mit einem blauen Kelch in der Mitte des Fensters dargestellt. Symbol des Karfreitags, dem Kreuzestod, ist das dominierende asymmetrische Kreuz, das in kräftigem Rot und Blau die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht.

Dagegen hat Elisabeth Altenrichter-Dicke die Tumba des leeren Grabes (Christus ist auferstanden) am Rand des Fensters, unterhalb des Kelchs, schlicht mit braunem und grauem Glas dargestellt.

Und schließlich, 50 Tage nach Ostern, oben rechts neben dem Kreuz, die gelbe, niederschwebende Taube des Heiligen Geistes. So schließt sich der Kreis von Gründonnerstag bis Pfingsten.

578 Betongläser verarbeitet

Das Symbol des Fisches ist eines der ältesten Symbole für Jesus Christus und zugleich Erkennungszeichen der ersten Christen. So ist es auch im Bildfenster der Martin-Luther-Kirche zu sehen, in der rechten unteren Ecke, ein roter Fisch auf einer großen blauen Welle, sinnbildlich dargestellt.

Gegenwärtig ist dieses christliche Zeichen ein beliebter Autoaufkleber. Hintergrund des Symbols ist das Wort Jesu an Petrus und Andreas: „Kommt her, folgt mir nach. Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ Demnach sind Christen Menschen, die wie Fische im Wasser (der Taufe) schwimmen. So sendet das Altenvoerder Bildfenster in seiner Klarheit, Schönheit und Ausgewogenheit im Fisch-Symbol noch eine Botschaft aus.

Das sehr farbintensive Chorfenster besteht aus dickwandigem Betonglas, eine spezielle Glassorte in unterschiedlichen Glasstärken zwischen fünf Millimetern bis hin zu 12 Millimetern. Es ist inzwischen 53 Jahre alt. Insgesamt sind in dem Bildfenster der Martin-Luther-Kirche 578 Betongläser in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben verarbeitet. Umweltinduzierte Faktoren hatten bisher keinen Einfluss auf das Material. Die Kirchengemeinde und ihre Gemeindeglieder würden sich freuen, wenn das auch so in den nächsten 50 Jahren bleiben würde.

INFO:

Elisabeth Altenrichter-Dicke starb am 28. Dezember 2013 im Alter von 84 Jahren. Sie war eine Künstlerin, die in aller Welt Bleibendes geschaffen hat.

Für die Ev. Kirchengemeinde Voerde arbeitete sie von 1946 bis 1962. In fast allen Gotteshäusern der Gemeinde hat sie künstlerische Spuren hinterlassen. Doch das große, mächtige Chorfenster in der Martin-Luther-Kirche hebt sich von allen in der Stadt geschaffenen Kunstwerken, darunter auch die bekannte Hand im Innenhof des Hauses Ennepetal, besonders ab.