Die letzte Roma-Familie zieht weg

Ennepetal..  Das Kapitel um die Roma in Hasperbach neigt sich nicht nur dem Ende zu. Es ist schon so gut wie zugeklappt. Fast alle der wenigen, noch zum Jahresende verbliebenen Familien haben ihre Ankündigung wahr gemacht und sind inzwischen aus Ennepetal weggezogen. In den Mietshäusern an der Hagener Straße wohnt gerade mal noch eine Familie. Und auch sie will bis nächste Woche ausgezogen sein.

Damit ist eingetreten, was sich in Gesprächen mit den Roma seit langem andeutete. Die Familien sehen in Hasperbach keine Perspektive mehr. Von einst mehr als hundert Personen verblieben bis zum Jahresende noch 27. Stand heute sind es gerade mal noch neun. Zwei Erwachsene und sieben Kinder.

Beweggründe nur zu mutmaßen

Über Gründe des Wegzuges lässt sich nur mutmaßen. Selbst die Sozialarbeiter vom Verein Zukunftsorientierte Förderung (ZOF), die sich seit ihrer Ankunft im März vergangenen Jahres um die Menschen kümmern und in regelmäßigem Kontakt mit ihnen stehen, können nur mutmaßen. Fakt ist: Der bzw. die beiden Vermieter wollten sie schon nach kurzer Zeit wieder raushaben, kamen ihren Pflichten nicht nach und hatten den Familien immer wieder mit dem Rausschmiss gedroht – wofür es nach Ansicht von Mietrechtsexperten keine Rechtsgrundlage gab.

Fakt ist auch, dass die Kindergeldkasse in Iserlohn einigen Roma-Familien das Kindergeld nur bei Vorlage eines neuen Mietvertrages weiter gewähren wollte. Den hätten sie von den Vermietern niemals bekommen. Zur Erläuterung: Die 2014 geschlossenen Mietverträge wiesen eine zeitliche Befristung von drei Monaten auf, was von Rechtsexperten übrigens als nicht bindend eingeschätzt wurde. Gleichwohl führte dies dazu, dass die Kindergeldkasse Leistungen nicht weiter bewilligte. In einigen Fällen konnte die Stadt durch Vorlage von Meldebescheinigungen helfen. Einigen Familien soll der Weiterbezug des Kindergeldes aber verwehrt geblieben sein. Mit einem neuen Mietvertrag in der Tasche hätten sie es wieder bekommen.

Wie dem auch sei, der Wegzug der Roma schafft Tatsachen. Beispielsweise die, dass die Kinderbetreuung in den Räumen der ehemaligen Gaststätte Hamza inzwischen nicht mehr besucht wird und nun aufgelöst werden soll. Die Betreuung fand unter Regie des Kinderschutzbundes statt.

Gleiches gilt fürs Büro der ZOF-Sozialarbeiter in den Räumen nebenan. Die Stadt als Mieter der Räumlichkeiten hatte Ende 2014 den Vertrag noch einmal um zwei Monate verlängert. Ende Februar, so Anke Velten-Franke vom Bürgermeisterbüro, ist dann auch damit Schluss.

Einsetzen will sich die Stadt für die weitere Beschulung der Roma-Kinder. Die erfolgreichen Integrationsbemühungen der vergangenen Monate sollen nicht für die Katz gewesen sein. Das Schulamt will mit der Stadt Hagen, wohin die meisten Roma-Familien gezogen sind, über die Möglichkeit sprechen, dass die Kinder weiter die für sie geschaffene Auffangklasse an der Realschule in Ennepetal besuchen. Sie startete im vergangenen Jahr mit 21 Roma-Kindern. Mit jedem Wegzug wurden es dann immer weniger. In der Auffangklasse werden inzwischen aber auch Flüchtlingskinder unterrichtet. Der für die Roma in Hasperbach geschaffene Bus-Fahrdienst wird eingestellt, so das Bürgermeisterbüro.

Verfügung an Vermieter verschickt

Inzwischen verschickt ist nach Auskunft der Stadt die Ordnungsverfügung an den bzw. die Vermieter. Es ist die Anweisung zur Begleichung von Kosten für Wasser und Heizöl in den Mietshäusern. Der bzw. die Vermieter kamen ihren Pflichten nicht nach und hatten sich nicht um die Begleichung von Wasserrechnungen und ums Auffüllen der Öltanks im Keller gekümmert.

Die Stadt war daraufhin zur Vorleistung gezwungen, weil in den Familien mit Kleinkindern und Säuglingen Kindeswohlgefährdung drohte.