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Die Faszination moderner Kunst

05.09.2010 | 17:34 Uhr
Die Faszination moderner Kunst
Über 300 Besucher kamen zur Eröffnung der Ausstellung. Foto: Volker Speckenwirth

Ennepetal.„Mit einer solchen überwältigenden Resonanz hatten wir nicht gerechnet“, sagte Ulrike Brux vom Kreisheimatbund bei der Eröffnung der Ausstellung „à la Jacquard“ am Samstag im Ennepetaler Industriemuseum. Die Stühle reichten für die Gäste nicht aus. Über 300 Besucher waren gekommen, um sich von zeitgenössischer Kunst faszinieren zu lassen – und sie wurden nicht enttäuscht.

„à la Jacquard“ ist eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit Textilien als Basis für die Kunst und ein Rückblick auf die Geschichte der Webereien, die einst die Industrie an der Ennepe prägte. Am Samstag war die Ausstellung aber noch mehr. Zur Eröffnung gab es eine Vernissage, die das Publikum in ihren Bann zog. Der Kreisheimatbund hatte darauf absichtlich verzichtet, moderne Kunst mit klassischen Werken wie etwa einem Streichquartett bei der Premiere zu begleiten.

Den Anfang machte der Saxofonist Dietmar Diesner. Anscheinend ohne Luft zu holen spielt er sein Instrument. Die Dauertöne, die so erklingen, symbolisierten einst den langen Atem, den die Region Görlitz als Bewerber auf dem Weg zur Kulturhauptstadt haben musste. Ganz hat er nicht gereicht, das Ruhrgebiet war zum Schluss der Gewinner. Aber mit der Gemeinschaftsausstellung „à la Jacquard“, die auch in der östlichsten Stadt Deutschlands gezeigt wurde, gab es wenigstens eine direkte Verbindung zum Sieger. „Wir hatten in wenigen Wochen 6000 Besucher“, sagt Bernd Lange, Landrat aus dem Kreis Görlitz. Die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Kreisheimatbund des Ennepe-Ruhr-Kreises habe „die Schere zwischen Osten und Westen, die droht wieder auseinander zu gehen“, ein wenig geschlossen.

Bei seinem Solo wurde Görlitz-Botschafter Diesner übrigens von ein paar Feuermeldern unterstützt. Der Musiker hatte ausgerechnet jenen Ton getroffen, der die Geräte auslöst, um den Alarm weiterzugeben.

Der Schauspieler Martin Horn vom Bochumer Schauspielhaus, bekannt unter anderem aus dem Kinoerfolg „Das Wunder von Bern“ und der TV-Serie „Polizeiruf 110“, trug historische Text hauptsächlich aufgezeichnet von anonymen Webern vor, die die Leiden der Arbeiterinnen und Arbeiter deutlich machten.

Die eigentliche Überraschung der Vernissage war allerdings das, was sich Xing Peng Wang vom Ballett Dortmund hatte einfallen lassen. Der international bekannte Choreograph ließ die Klänge der mechanischen Webstühle von zwei seiner Tänzerinnen interpretieren. Klänge, die auch den Kurator der Ausstellung, Professor Bernhard Matthes bei seinem Besuch im Bandwebereimuseum Elfringhausen in Hattingen so in den Bann zogen, dass er die Idee zu der Ausstellung „à la Jacquard“ hatte, bei der 15 Künstlerinnen und Künstlern aus drei Ländern ihre Werke ausstellen.

Bandweber aus Elfringhausen demonstrierten dann auch die Arbeit der Jacquard-Webstühle, die Anfang das 19. Jahrhunderts durch ihre Lochkarten-Steuerung die Industrie revolutionierten.

Fritz Pleitgen, als Geschäftsführer von Ruhr.2010 der einzige Redner des Tages, mahnte, die Kulturhauptstadt dürfe kein „einjähriges Feuerwerk bleiben“. So gesehen sei die Ausstellung in Ennepetal beispielhaft für die angestrebte Nachhaltigkeit. Schließlich solle das Industriemuseum durch „à la Jacquard“ auf eine erfolgreiche Zukunft vorbereitet werden. Worte, die Ennepetals Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen nur unterstreichen kann: „Dieses Museum wird eine große Bedeutung für unsere Stadt haben. Und die Ausstellung ist ein Glücksgriff für Ennepetal“.

Landrat Arnim Brux sprach die Bedenken der kleineren Kommunen bei der Bewerbung für die Kulturhauptstadt an. Die Angst, nur die Metropolen im Ruhrgebiet könnten davon profitieren, sei allerdings verflogen: „Wir sind mitgenommen worden.“

Klaus Bröking

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Kommentare
18.09.2010
23:54
Die Faszination moderner Kunst
von Ein Voerder | #5

Tja, das wird wohl auf lange, lange Zeit eine Eintagsfliege in Ennepetal gewesen sein,Kulturhauptstadt sei Dank.

10.09.2010
18:39
Die Faszination moderner Kunst
von T.Bicking | #4

Die Stadtverwaltung soll es wieder mal schaffen solche Künstler zu holen? Warum nicht einmal der Kunstliebhaber selber?

06.09.2010
23:41
Die Faszination moderner Kunst
von Kunstliebhaber | #3

Lieber Herr Segway,

wer will denn die Bilder dieser Malen nach Zahlen-Pinsler sehen ?
Das was uns am Samstag geboten wurde war Kunst. Endlich mal weg aus dem Dorfmief. Gut das die von Ihnen genannten nicht dabei waren, sonst wäre es nicht diese Ausstellung geworden, sondern eine wie immer wenn die Dorfpinsler ausstellen dürfen.
Ich hoffe, und mit mir viele Ennepetaler die ich am Samstag gesprochen habe, dass die Stadtverwaltung es schafft, auch in Zukunft so bekannte Künstler nach Ennepetal zu bekommen.
Die von Ihnen genannten dürfen weiter in der Dorfhalle Haus Ennepetal ausstellen.
In dem tollen Ambiente des Industriemuseum sollten nur wirkliche Künstler ausstellen.

06.09.2010
18:12
Die Faszination moderner Kunst
von pinguinpinguin | #2

Ruhr.2010 auch hier zu sehen.
www.gw-witten08.jimdo.com

06.09.2010
08:57
Die Faszination moderner Kunst
von Michael Segway | #1

Welche heimischen Künstler aus Ennepetal haben denn an der Ausstellung teilgenommen?

Wo waren denn z.B. die Ennepetaler Künstler Max Morlock und Norbert Odin Schulz?

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