Die Bürgermeister sollen helfen

Ennepetal..  Ulrich Schmelter weiß, wie junge Menschen ticken. Er leitet die gewerbliche Ausbildung bei ThyssenKrupp Bilstein in Ennepetal-Altenvoerde, geht auch mal mit seinen Schützlingen in die Kindergärten, um für Technik zu begeistern. Seine Zuhörer waren diesmal keine Mädchen und Jungen, keine Eltern und auch keine Lehrer, obwohl es um junge Leute, Schule und Ausbildung ging. Am Tisch saßen die Bürgermeister Ulli Winkelmann (Sprockhövel), Jochen Stobbe (Schwelm), Wilhelm Wiggenhagen (Ennepetal) und Claus Jacobi (Gevelsberg). Sie sollen ihre Verbindungen spielen lassen und die Chefs von kleinen und großen Unternehmen in ihren Städten animieren, Werkstätten und Büros für junge Leute zu öffnen.

Am 4. Mai geht es los

Schon ab 4. Mai beginnt die landesweite Aktion „Berufsfelderkundung“. Schülerinnen und Schüler aus den 8. Klassen aller Schulformen sollen zumindest an einem Tag in einem Betrieb einen Beruf kennen lernen. 110 Unternehmen seien dabei. Doch das reiche bei weitem nicht aus. „Wir müssen Betriebe auf den Geschmack bringen!“ sagte Kreisdirektorin Iris Pott.

Alle waren sich im Klaren darüber, dass auch die Betriebe von der „Berufsfelderkundung“ profitieren, denn guter Nachwuchs werde dringend benötigt. Ulrich Schmelter formulierte es so: „Die Betriebe können erkennen, wer für eine eventuelle Ausbildung in Frage kommt. Die jungen Menschen lernen Ausbildungswege kennen und bekommen eine Entscheidungshilfe für das anschließende Schülerbetriebspraktikum!“

Die Geschäftsführerin der Agentur Mark, Kirsten Kling, appellierte an die Arbeitgeber, doch noch mitzuwirken. „Wir geben jede Menge Unterstützung,“ sagte sie. So hat Andreas Langmann von der Agentur Mark auch einen Leitfaden erstellt. Kreisdirektorin Iris Pott: „Die Berufsfelderkundung ist ein dauerhaft angelegtes Projekt. Im kommenden Jahr werden im Ennepe-Ruhr-Kreis über 1400 Schüler teilnehmen: Drei Tage schnuppern in drei verschiedenen Berufsfeldern!“

Weg zur Standortsicherung

Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe sah die Wichtigkeit für die Städte und sieht in dem Projekt auch einen Weg zur Standortsicherung der Betriebe. Sie benötigten gut ausgebildete Leute. Aber die würden infolge des demografischen Wandels knapp. Ulli Winkelmann (Sprockhövel) brach eine Lanze für Hauptschüler.

Er habe gute Erfahrungen gemacht. Sie seien für Technik zu begeistern. Claus Jacobi (Gevelsberg) wies auf die gute Vernetzung in seiner Stadt hin. „Wir werden Klinken putzen!“ versprach er. Wilhelm Wiggenhagen (Ennepetal) sieht durch den Fachkräftemangel eine große Herausforderung für Unternehmen.

Für das Finden von weiteren Unternehmen für das Projekt „Berufsfelderkundung“ gab er sich optimistisch: „Gemeinsam kriegen wir das gewuppt!“ Gastgeber Christian Beuthien, Head of Human Resourses bei ThyssenKrupp-Bilstein, wies auf die Bedeutung der „Berufsfelderkundung“ für Unternehmen hin und auf die gemachten guten Erfahrungen.

Trotz all der Bekundungen fasste Kreisdirektorin Iris Pott zusammen: „Man muss sagen: Wir brauchen Hilfe. Hilfe von großen und kleinen Firmen und auch von Handwerksbetrieben. Auch sie werden von dem Projekt profitieren!“