Die Angst vorm Arbeiten verlieren

Der SPD-Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer sowie Vertreter der Agentur Mark und des Jobcenters informierten sich bei der Gebal in Gevlsberg über das Qualifizierungsprogramm für Langzeitarbeitslose.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer sowie Vertreter der Agentur Mark und des Jobcenters informierten sich bei der Gebal in Gevlsberg über das Qualifizierungsprogramm für Langzeitarbeitslose.
Foto: WP

Gevelsberg..  Wer arbeiten will, der muss es auch können. Er darf keine Angst davor haben. Dieses Gefühl haben aber Menschen, wenn sie lange Zeit von der finanziellen Hilfe durch den Staat angewiesen sind. Zehn Menschen den Arbeitsalltag beibringen will ein Projekt der Gevelsberger Gebal, das im vergangenen Jahr gegründet wurde. Damals konnte es trotz aller Skepsis erst verwirklicht werden, weil der SPD-Landtagsabgeordnete Hubertus Kramer seinen Parteikollegen, Arbeitsminister Guntram Schneider, persönlich davon überzeugte. In dieser Woche informierten sich Vertreter des Jobcenters und der Agentur Mark über erste Zwischenergebnisse.

Reale Bedingungen

Es ist Lernen unter realen Bedingungen. Die zehn Langzeitarbeitslose, die eigentlich nicht die geringste Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, sind bei einer richtigen Firma angestellt. Die bekommt auch richtige Aufträge. Zurzeit wird Montagematerial für einen Zaun- und einen Fahrradproduzenten in Plastiktüten zusammengestellt. „Wir müssen auch richtig Geld verdienen. Ein Viertel der Löhne muss von der Firma selbst erwirtschaftet werden“, erklärt Frank Solmecke, Regionalleiter von Bethel, der Orginasiton, die hinter der Gebal (Gevelsberger Beratungs- und Arbeitsangelegenheiten) steckt. Wenn schlampig gearbeitet wird, dann ist der Auftrag weg, kann das Ziel nicht mehr erreicht werden. Für erlernte Tätigkeiten, zum Beispiel der Teilnahme an einer Inventur für einen Kunden, gibt es Zertifikate. Nicht unwichtig für Menschen, die meist kein Zeugnis haben, das sie ihrer Bewerbung beilegen können. Auch eine Kündigung hat es schon gegeben. Alles wie im echten Arbeitsleben. Nur gibt es daneben auch noch Unterstützung für die Menschen, zum Beispiel wie eine Bewerbung zu formulieren ist.

15 Monate dauert der Zeitvertrag zwischen Arbeitnehmer und Unternehmen. Die meisten Maßnahmen zur Rückkehr von Menschen in den ersten Arbeitsmarkt sind wesentlich kürzer. „Aber die Menschen brauchen diese Zeit, um sich wieder an die Arbeit zu gewöhnen“, sagt Projektentwicklerin Ulrike Kopf. Sie müssen sich wieder an Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit gewöhnen. Sie müssen auch lernen, Anweisungen zu befolgen, ohne ihren Sinn zu hinterfragen. „Der Kunde gibt an, was er will und das soll er bekommen“, sagt Kai Schemionek, sozusagen der Werkstattleiter des Unternehmens.

Förderung durch die EU

Ausgesucht werden die Teilnehmer vom Jobcenter des Ennepe-Ruhr-Kreises, das auch die restlichen drei Viertel zum Lohn hinzu legt. Ende September läuft der Modellversuch aus. Ulrike Kopf ist zuversichtlich, dass Teilnehmer danach in der freien Wirtschaft einen Arbeitsplatz bekommen werden. Wenn das so ist, dann dürfte auch sicher sein, dass weiter Fördergeld für das Gevelsberger Projekt, das auch von der Europäischen Union unterstützt wird, fließen werden.