Die Anforderungen an das neue Stadtarchiv

Berichtete im Ausschuss: Dr. Antje Diener-Staeckling (mitte). Daneben Bürgermeisterin Gabriele Grollmann und Fachbereichsleiter Andreas Tolksdorf.
Berichtete im Ausschuss: Dr. Antje Diener-Staeckling (mitte). Daneben Bürgermeisterin Gabriele Grollmann und Fachbereichsleiter Andreas Tolksdorf.
Foto: WP

Schwelm..  Vernachlässigt und nicht benutzbar: Dieses Urteil über das Schwelmer Stadtarchiv fällt Dr. Antje Diener-Staeckling vom Archivamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Ihre Ausführungen, die sie jüngst im Kulturausschuss präsentierte, sollen der Stadt jetzt dabei helfen, das Schwelmer Stadtarchiv von Grund auf neu aufzubauen.

Dr. Diener-Staeckling informierte Politik und Verwaltung über Aufgaben, Erfordernisse und was das Stadtarchiv in Zukunft alles zu leisten hat. Sie sprach auch deutlich Empfehlungen aus. Klar war danach: Schwelm steht vor einer großen Herausforderung.

Haus Martfeld nicht geeignet

Die LWL-Expertin machte noch einmal deutlich, dass das Stadtarchiv Pflichtaufgabe einer Stadt ist. Und sie machte auch klar: Haus Martfeld, in dem große Teile des Stadtarchivs derzeit untergebracht sind, ist dafür nicht geeignet. Die Räume seien zu klein und schlecht geschnitten, um das gesamte Archivgut aufzunehmen. Auch die vorgeschriebene statische Kapazität von 500 Kilogramm pro qm bei Standregalen bzw. 1000 Kilogramm pro qm bei Rollregalen sei in dem historischen Bau nur eingeschränkt gegeben. Ein Stadtarchiv brauche Räume mit 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit und 18 Grad Celsius Raumtemperatur.

Großteil in Unordnung

Was die Zugänglichmachung des Archivgutes betrifft, stehe die Stadt vor einer gewaltigen Aufgabe. Durch „Umräumungsprozesse“ in letzter Zeit „ist fast das komplette Archivgut verunordnet worden“, so Diener-Staeckling. Es müsse nun archivfachlich bewertet, geordnet, verpackt und aufgenommen werden. Ihre Empfehlung: Die Stadt sollte einen ausgebildeten Archivar im gehobenen beziehungsweise höheren Dienst einstellen. Nur der könnte die Aufgabe fachlich richtig erledigen.

Dies sei auch geboten, weil in Zukunft mit noch viel mehr Archivmaterial zu rechnen ist – wegen des in Schwelm anstehenden Rathaus-Umzuges, aber auch, weil die Verwaltung dem Archiv in der Vergangenheit „nur selten Unterlagen zur Übernahme angeboten“ habe, was sich unbedingt ändern müsse. Die LWL-Expertin stellte klar, dass sich Schwelm da nicht von vielen anderen Städten unterscheide.

Neue Pflichtaufgaben

Auf das Stadtarchiv kommt absehbar eine Reihe neuer Aufgaben hinzu. Stichwort: E-Government. Für archiv-relevante digitale Daten aus dem Rathaus muss zwingend ein elektronisches Langzeitarchiv angelegt werden. Das Archivgesetz NRW schreibt es so vor. Außerdem sollten Zeitungsbestände und alles, was einmal für die öffentliche Nutzung von Interesse ist, digitalisiert werden, erklärte Diener-Staeckling. Das erleichtere später Anfragen von Bürgern und mache das Stadtarchiv für die öffentliche Nutzung, was eine Pflichtaufgabe ist, attraktiver.

Weiteres Vorgehen

Der zuständige Fachbereichsleiter bei der Stadt Schwelm, Andreas Tolksdorf, stellte anschließend den Fahrplan für das Projekt Archiv 2020 vor. Die Gruppe werde Anfang Juli starten. Man beginne mit der Aufarbeitung des Archivmaterials, was Jahre dauern werde. Er sprach von 600 bis 800 laufenden Metern Findmittel und Archivgut. Die ehrenamtlichen Archivfreunde in Schwelm würden in das Vorhaben miteinbezogen.

2016/2017 soll der Raumbedarf und die Raumkonzeption für das neue Stadtarchiv feststehen. Ab kommenden Jahr wolle man mit der Schutzdigitalisierung von Zeitungen, Bau- und Lageplänen beginnen.

In der Vergangenheit bereits als möglicher Standort des neuen Stadtarchives ins Spiel gebracht wurde das Kellergeschoss der zentralisierten Verwaltung, die nach Beschluss des Rates im Komplex der heutigen Gustav-Heinemann-Hauptschule unterkommen soll.