Der wohl schönste Garten Europas

Gevelsberg/Ennepe-Ruhr..  Kalle Jacobs sitzt auf einem Gartenstuhl und blickt über sein Grundstück. „Das ist Entspannung für mich“, sagt er, „wenn ich nach Hause komme, dann bin ich im Urlaub.“ Der 58-Jährige wohnt mit seiner Frau Dorothee seit 22 Jahren am Ilberg, ein herrliches Fleckchen Natur in Silschede. Seit 20 Jahren pflegen die Jacobs ihren Garten. „Ich kenne etwa 2500 Gärten in Europa“, erzählt Kalle Jacobs, „aber das hier ist definitiv der schönste.“ Und wer das rund 3 500 Quadratmeter große Areal mal gesehen hat, der glaubt das aufs Wort.

Der Natur freien Lauf lassen

Seit acht Jahren nimmt die aus dem Ruhrgebiet stammende Familie am „Tag der offenen Gartenpforte“ teil. „Wir haben den Aufruf dazu gelesen und uns dann entschlossen, mitzumachen“, erinnert sich der Wahl-Silscheder. Die Idee dazu stamme von Beate Kellermann aus Ennepetal, die auch einen sehr schönen Garten habe. Insgesamt seien es bei den drei Terminen im Jahr schon 15 Gärten in der Region, die ihre Pforten für Besucher öffneten. „Unser Garten ist anders“, sagt Kalle Jacobs. Das Konzept ist relativ einfach: „Wir lassen der Natur freien Lauf. Eigentlich bieten wir nur die Rahmenbedingungen.“

Die „Rahmenbedingungen“ sind etwa kleinere Mauern, ein „Zuchthaus“ sowie der 50 Meter lange, geführte Bachlauf, der in einen großen, mit Schilf bewachsenen Teich mündet. Eine Pumpe lässt das Wasser wieder an seine „Quelle“ kommen. Um den Teich und den Bach herum haben sich seltene Pflanzen angesiedelt. Kalle Jacobs betont: „Wir haben hier keine Pflanze selbst gesetzt.“ Der 58-Jährige erklärt, dass am Ilberg fast die komplette Population der Bundesrepublik vorhanden sei. „Das ist einzigartig.“ Außerdem blühen noch etwa 15 Orchideenarten bei ihm am Ilberg. Der Stadt Gevelsberg habe er einmal eine neunseitige Ausfertigung geschickt, welche Pflanzen- und Tierarten es in seinem Biotop gebe. „Das hat da aber niemanden interessiert“, erinnert er sich. „Ich habe nicht einmal eine Antwort erhalten.“ Dabei eigne sich sein Garten hervorragend, um die Natur in ihrer Reinform zu erleben. Der Kinderarzt, der in Solingen eine Praxis betreibt, kann sich etwa vorstellen, seinen Garten als „Grünes Klassenzimmer“ anzubieten. Vereinzelte Anfragen von Schulen gebe es. Und Lust, den Besuchern alles zu zeigen und zu erklären, habe er auch.

Das war auch beim „Tag der offenen Gartenpforte“ zu erkennen. „Ich muss sagen, dass ich zutiefst beeindruckt bin. Es ist herrlich bei Ihnen“, meinte ein Besucher, der mit Kalle Jacobs auf den Teich blickte und zu fachsimpeln begann. Der Gartenbesitzer selbst glänzte mit viel Fachwissen, das er sympathisch und für Laien verständlich vermittelte. Im Teich seien etwa Elritzen, Moderlieschen und Bitterlinge. Diese Fischarten seien „sehr selten“, so der Mediziner, der auch Fachmann für Libellen, Reptilien und Amphibien ist. „Das kam alles eher zufällig“, antwortet Kalle Jacobs auf die Frage, woher diese Leidenschaft stamme. „Ich kam vor 40 Jahren von einem Volleyballspiel und sah auf der Straße zwei überfahrene Kammmolche. Die habe ich aufgelesen und gesund gepflegt.“ Für sie habe er einen Tümpel angelegt. „Und auf einmal war der voll mit Larven.“ Seitdem habe ihn die Faszination für Biotope und natürliche Lebensräume gepackt. In Silschede habe er jetzt „das wohl größte Kammmolchvorkommen in Europa.“

Seit Anfang Mai auch Café geöffnet

Sein Garten, den Interessierte auch außerhalb des „Tags der offenen Gartenpforte“ besuchen dürften, sei eine „einzigartige Konstellation“, sagt Kalle Jacobs, der mit seiner Frau Dorothee ein restauriertes Fachwerkhaus auf dem riesigen Gelände bewohnt. Laubfrösche, Gelbbauchunken, die vom Aussterben bedroht seien, sowie Kreuzottern und verschiedene Arten von Eidechsen machten den Ilberg-Garten zu einem der schönsten naturbelassenen Gärten auf dem Kontinent.

Seit Anfang Mai betreibt Dorothee Jacobs gleich nebenan das „Café Kännchen“, in dem es an den Wochenenden frischen Kuchen, Waffeln und deftige Speisen, wie Schmalzbrote, gebe. „Das ist viel Arbeit. Aber es macht uns total Spaß. Wenn wir keine Lust mehr haben, gehen wir rein.“ Und wenn Dorothee Jacobs mal nicht in der Backstube steht, dann dekoriert sie mit viel Liebe zum Detail den Garten. „Alte, teilweise rostige Gegenstände sorgen für ein tolles Flair. Ich bin immer wieder beeindruckt“, sagt Kalle Jacobs.

Zwei Wochenenden im Frühjahr reichten, um den Garten, der ursprünglich aus Brombeersträuchern und Brennnesseln bestanden habe, ein wenig zu stutzen. „Danach machen wir nichts mehr, das übernimmt alles die Natur.“ Und diese schafft es, aus dem Garten der Jacobs in Silschede ein wahres Natur-Paradies zu machen.