Der Kommissar mit dem Akkordeon hört auf

Wie man ihn kennt: Werner Koch spielt auf seinem Akkordeon
Wie man ihn kennt: Werner Koch spielt auf seinem Akkordeon
Foto: Detlef Werth

Schwelm/Ennepe-Ruhr..  Mehr als 40 Jahre lang bewies er, dass sich Rat und Unterhaltung nicht zwangsläufig ausschließen. Polizeihauptkommissar Werner Koch verkörperte die Vorstellung des Polizisten als „dein Freund und Helfer“ wie kein Anderer. Vor ein paar Tagen hat sich der 61-Jährige in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet und spricht selbst von keinem leichten Schritt. „Ich habe meinen Beruf bis zum letzten Tag immer gerne gemacht. Es war für mich eine Berufung“, blickt Koch zurück. Sein Unterhaltungstalent kommt nicht von ungefähr. Schließlich hatte er nach dem Schulabgang auch das Theaterspiel als mögliche Berufsperspektive im Sinn. „Das ist doch brotlose Kunst“, hätten die Eltern damals befunden und den Sohnemann vom Künstlerdasein abgehalten.

Humor und Musik als Türöffner

Doch Koch verband kurzerhand Beruf und Unterhaltungstalent miteinander, begann Sicherheitsbelehrungen fortan mit humoristischem Talent und der Begleitung mit dem Akkordeon zu garnieren. „Das ist immer ein geeigneter Türöffner gewesen, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen“, meint der Polizist und ergänzt: „Irgendwann ist das dann zum Markenzeichen geworden. Die Leute wären enttäuscht gewesen, wenn ich das Akkordeon zuhause gelassen hätte.“

Ebenso die Handpuppe „Willi Brömmelskamp“, die Koch vor vielen Jahren unter künstlerischer Umsetzung seiner Frau Silvia als amüsante Identifikationshilfe ins Leben gerufen hatte. So gelang es Koch über vier Jahrzehnte, auch beängstigende Themen wie Trick-Diebstahl, Kaffeefahrten, Reisetücken und Autofahren im Alter ins Gespräch zu bringen und auf tabuisierte Gefahren hinzuweisen.

Hunderte Sicherheitsberatungen liegen hinter ihm. Städte, kirchliche Träger, AWo und DRK buchten den Polizeivertreter und waren stets von der Kommunikationsfähigkeit Kochs begeistert. Ein Höhepunkt stellen bis heute die Schwelmer Senioren-Stadtrundfahrten mit Ratgeber im Restaurant Martfeld dar. Die Straßenverkehrserziehung an Kindergärten und Schulen stellte den zweiten Tätigkeitsschwerpunkt des Hauptkommissars dar. Bis zuletzt informierte Koch Schüler und Eltern in Ennepetal und Breckerfeld über Gefahren im Straßenverkehr und Gurtsicherheit, kontrollierte die Verkehrssicherheit von Rädern und nahm Radfahrprüfungen ab. Auch hier profitierte der „Blaue“ stets von seinem unterhalterischen Talent und war auch beim Nachwuchs stets beliebt.

So griff er auch für die Kleinen ab 1976 auf den so genannten „Verkehrskasper“ zurück, trat mit dem „pädagogischen Puppenspiel der Polizei“ auf und betreute den „Großen Preis der Schulen“. Auch der Jugend nahm sich Koch an und betreute jahrelang den „Mofa-Führerschein“ an der Gevelsberger Realschule. Zudem widmete er sich in weiterführenden Schulen Drogen- und Gewaltprävention und betreute verurteilte Sozialstundenableister. So ist er sämtlichen Altersgruppen im gesamten EN-Kreis bekannt wie ein bunter Hund.

Wohnhaft ist er in Wetter, lebt dort mit seiner Frau und der 17-jährigen Tochter Daniela. Auch privat frönt Koch seit jeher den Künsten, hat zehn Jahre lang Gesangsunterricht genommen und sich 35 Jahre lang als Basssänger der Band „Die Leicht-Sinnigen“ einen Namen gemacht.

Beim Sport Ehefrau kennen gelernt

Neben der Musik gehörte auch der Sport seit jeher zum Lebenselixier des 61-Jährigen. Schließlich hat der Wetteraner früher Leichtathletik betrieben und später bis ins Seniorenalter ambitioniert Faustball gespielt, wodurch er auch seine Ehefrau kennenlernte.

Auch seine beiden eindringlichsten Berufserlebnisse sind im Sportbereich anzusiedeln. „Das war zum einen als Kommunikationsbeamter bei der Fußball-WM 2006 in Dortmund und zum anderen als junger Bereitschaftspolizist bei den Olympischen Spielen 1972 in München“, hat Koch hierzu sofort eine Antwort parat. Während ihn vor neun Jahren das friedliche Miteinander der unterschiedlichsten Nationen beeindruckte, war es bei Olympia der unfassbare Bruch zwischen der multikulturellen Sportfaszination und dem nicht für möglich gehaltene Terrorakt. „Wir lagen 300 Meter von der Geiselnahme entfernt und haben plötzlich die Schüsse gehört, wie man die Geiseln hingerichtet hat“, hadert Koch noch heute mit der Machtlosigkeit der damaligen Situation.

Auch im Ruhestand will Koch weiter informieren und unterhalten. So hat er angekündigt, auch weiterhin die Senioren-Stadtrundfahrten zu bereichern und die ein oder andere Informationsveranstaltung zu betreuen. Mit dabei sein wird dann natürlich auch sein Markenzeichen, das Akkordeon.