Demenzkranker zahlt ungewollt für künstliche Wimpern

Ennepetal..  Als Krankenschwester in der Altenhilfe besaß sie eine besondere Vertrauensstellung. Doch die Ennepetalerin (34) soll ihre Position bei der „Evangelischen Stiftung Volmarstein“ schamlos ausgenutzt haben. Der unglaubliche Vorwurf: Sie hätte sich am Taschengeld von sechs behinderten Bewohnern vergriffen.

Die kriminellen Vorgänge wurden jetzt in einem Kündigungsschutzverfahren vor dem Arbeitsgericht in Hagen verhandelt. Nachdem zunächst vier Fälle von Taschengeld-Veruntreuung aufgeflogen waren, hatte die Einrichtung am 23. Dezember eine fristlose Kündigung gegenüber ihrer mutmaßlich unredlichen Krankenschwester ausgesprochen. Die war seit Oktober 2007 in dem Unternehmen in Wetter angestellt, arbeitete dort im „Haus Bethanien“, in dem Platz für 123 Bewohner ist – darunter auch viele behinderte Menschen und Schwerkranke.

„Die Vorwürfe sind hammerhart“

Zu den Vorwürfen vor Ausspruch der Kündigung befragt, so wird von der Arbeitgeberseite vorgetragen, hätte die Beschuldigte alle vier Vorfälle eingeräumt und sich damit entschuldigt, „dass sie sich in einer persönlich schwierigen Situation befunden habe“. Ihre fristlose Entlassung wollte die Ennepetalerin aber trotzdem nicht akzeptieren und reichte deshalb eine Kündigungsschutzklage (Az. 3 Ca 91/15) ein.

„Die Vorwürfe sind natürlich hammerhart“, hielt Arbeitsgerichtsdirektor Jürgen Schlösser mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Ältere Leute, die der Klägerin anvertraut waren und eigentlich von ihr gepflegt werden sollten, regelrecht auszunehmen, das ginge gar nicht: „Da reicht schon ein einziger Fall, um sofort die fristlose Kündigung aussprechen zu können“, betonte der Richter.

Die vier Fälle, auf die sich auch die fristlose Kündigung stützt, sollen zwischen dem 18. September und dem 14. Oktober 2014 erfolgt sein. Da hätte die beschuldigte Ennepetalerin im Media-Markt und bei Real in Wuppertal für sich privat eingekauft – bezahlt vom Taschengeldkonto eines Bewohners.

In den Einkaufskorb der Krankenschwester wanderten damals unter anderem eine CD mit Rockmusik, Halloween-Schmuck und künstliche Wimpern im Gesamtwert von knapp 200 Euro. Geschädigt wurde dabei ein 86-jähriger Demenzkranker, so der Vorwurf. Die Klägerin, mit einem langem, geflochtenen Zopf, der bis zur Hüfte reicht, senkte den Kopf und schwieg.

Fünf weitere Fälle aufgefallen

Wie die Polizei bestätigt, hat die gesetzliche Betreuerin des demenzkranken Herrn Anzeige erstattet. „Letzte Woche sind aber noch weitere Fälle zutage getreten“, erklärte die Anwältin der Einrichtung, Dr. Alexa Paehler (Düsseldorf), vor Gericht. Fünf weitere Bewohner der Einrichtung sollen ebenfalls von der beschuldigten und fristlos entlassenen Krankenschwester bestohlen worden sein. Diese ganz aktuell aufgetretenen Fälle, sind bisher aber noch nicht der Polizei bekannt gegeben worden.

Astrid Nonn, Pressesprecherin der Evangelischen Stiftung Volmarstein, fasst sich auf Anfrage unserer Zeitung sehr kurz: „Wir tun alles, um den Sachverhalt aufzuklären, aber bitten um Verständnis dafür, dass wir im laufenden Verfahren nichts dazu sagen können.“

Vor dem Arbeitsgericht wurde der Gütetermin mit einem Widerrufsvergleich abgeschlossen: Das Arbeitsverhältnis endet nicht am 24., sondern erst am 31. Dezember, „aufgrund arbeitgeberseitiger Veranlassung“. Darüber wurde „absolutes Stillschweigen“ vereinbart.