Dem Schandflecken geht es ans Gemäuer

Der Abriss der Grünen Gans an der B7 in Gevelsberg hat begonnen: Bauunternehmer Robert Ranft, Bürgermeister Claus Jacobi und Jürgen Schmidt, Bauleiter der Technischen Betriebe (von links)
Der Abriss der Grünen Gans an der B7 in Gevelsberg hat begonnen: Bauunternehmer Robert Ranft, Bürgermeister Claus Jacobi und Jürgen Schmidt, Bauleiter der Technischen Betriebe (von links)
Foto: WP

Gevelsberg..  Es ist eine der hässlichsten Ruinen im Ennepe-Ruhr-Kreis – oder besser gesagt: war. Gestern hat der Abriss des ehemaligen Kult-Restaurants „Grüne Gans“ an der Hagener Straße begonnen. In sechs Wochen soll das Grundstück sozusagen „besenrein“ übergeben werden.

Gleich zehn Arbeiter des Hagener Bauunternehmens Ranft rückten an, um die Vorarbeiten zu leisten, damit in zwei Wochen die Abriss-Bagger kommen können. „Der ganze Keller steht unter Wasser und muss erst einmal abgepumpt werden“, so Robert Ranft. Erst werde alles Lose weggeräumt, das Gebäude müsse innen sauber sein.

Freude am Vogelsang

Die Stadt hatte das Gebäude im Sommer des vergangenen Jahres erworben, nachdem es über Jahrzehnte verfallen war. „Es gab zwar Interessenten an dem Grundstück, wir wollten es aber nicht mit der Ruine verkaufen. Die Gefahr wäre zu groß gewesen, dass der neue Besitzer das Gemäuer noch ein paar Jahre stehen lässt“, erklärt Bürgermeister Claus Jacobi die Strategie der Stadt. Wenn der unter- und überirdische Abbruch Ende März abgeschlossen sei, könne man das Grundstück auf den Markt bringen, ohne mit „Abzügen durch die Altlasten“ bei dem Geschäft rechnen zu müssen.

Dass der Abriss begonnen hat, das freut vor allen Dingen natürlich die Anwohner am Vogelsang. Sie hatten die Politik immer wieder in den vergangenen Jahren zum Handeln aufgefordert, um den Schandfleck aus ihrem Stadtteil zu beseitigen. Der Druck auf den Rat der Stadt war ständig gestiegen, weil die Besitzer keine Lösung anbieten konnten, die akzeptabel war.

Das Gebäude stammt vermutlich aus dem Jahre 1860. Nach der Schließung des Restaurants verfiel das Haus immer mehr. Vor sieben Jahren war im Gespräch, dort einen Netto-Supermarkt zu errichten. Das scheiterte daran, dass dafür auf der B7 eine Abbiegespur für die Kunden, die aus Richtung Hagen kommen würden, geschaffen werden müsste. Solche Planungen wurden abgelehnt.

„Ansonsten kann man sich hier alles vorstellen“, meint Bürgermeister Jacobi. Der Voranfrage für den Bau von Reihenhäusern sei bereits in einer früheren Phase zugestimmt worden: „Darauf könnte der neue Besitzer zurückgreifen.“ Aber auch ein Haus mit Arztpraxen sei durchaus vorstellbar. Das Gelände liegt an dem Teil der Hagener Straße, die ab diesem Sommer grundlegend neugestaltet wird. Das macht das Grundstück sicherlich noch begehrter.

Bürgermeister Jacobi war gestern einer der letzten, die außer den Bauarbeitern ins Innere des Abrissgebäudes durften. Und der erste Bürger der Stadt hat sich auch noch eine Erinnerung mit nach Hause genommen. Er entdeckte in den Gemäuern ein „Kochbuch von Prominenten“. Ob die „Grüne Gans“ durch die Rezepte von Quizmaster Robert Lembke und Co. einst ihren guten Ruf erlangt hat, bleibt allerdings ungeklärt.