Dem rätselhaften Ruß-Phänomen auf der Spur

Der Ruß auf dem Aufnehmer nach einem Wischen über die Wand..
Der Ruß auf dem Aufnehmer nach einem Wischen über die Wand..
Foto: WP

Gevelsberg..  Der rätselhafte Ruß, der die Wohnung einer unserer Leserinnen heimgesucht hat, ist kein Einzelfall. Inzwischen hat sich eine zweite Gevelsbergerin gemeldet. Ihre Wohnung mitten in der City liegt 1,2 Kilometer Luftlinie von der der ersten Betroffenen entfernt. Was diesen Fall noch geheimnisvoller macht: Das schmutzige Phänomen hat sie 15 Jahre nach den ersten Problemen in Ruhe gelassen, bevor es am vergangenen Samstag wieder aufgetreten ist. „Als der Artikel über den rätselhaften Ruß am Montag in der Zeitung stand, haben meine Bekannten gedacht, es ging über mich“, sagt die Frau, die wie das erste Opfer auch anonym bleiben möchte.

Weichmacher in Verdacht

Im Jahr 1999 hatte die Gevelsbergerin einen Baubiologen aus Witten eingeschaltet, um des Rätsels Lösung zu finden: „Er hat uns erklärt, dass Rauchen, brennende Kerzen, eine defekte Dunstabzugshaube oder unser Kamin der Auslöser gewesen sein könnten.“ In der Wohnung wird seit drei Jahren nicht mehr geraucht.

Die Bewohnerin traute sich auch jahrelang nicht, eine Kerze anzuzünden. „Jetzt habe ich in der Weihnachtszeit zwei angezündet. Es waren aber Kerzen mit Qualität, nicht aus dem Supermarkt“, sagt die Gevelsbergerin.

Jetzt hat sie deshalb ein schlechtes Gewissen. Die Ruß-Schlieren hatten sich auf die Rahmen ihrer Fenster und Türen gelegt, ihren Computer bedeckt. Er war überall, wie im ersten Fall auch. Warum legen sich diese Schlieren wie Ruß auf die Plastikflächen? Zahlreiche Leserinnen und Leser unserer Zeitung haben sich darüber Gedanken gemacht und wollen helfen.

Einer von ihnen ist Stephan Brenke aus Gevelsberg: „Dieses Problem kann immer dann auftreten, wenn billige Materialien bei der Auslegeware oder bei Teppichklebern verwendet werden: Die Fußbodenheizung erwärmt die Materialien und setzt dabei die sogenannten Weichmacher frei. Diese können aus Phthalaten, Benzoaten oder ähnlichen Verbindungen bestehen. Normalerweise sind diese schwer flüchtig. Bei permanenter Wärmebelastung durch den Fußboden können diese doch freigesetzt werden. Weichmacher haben eine große Affinität zu Kunststoffen (in denen sie „gelöst“ werden) und lagern sich dort nach der Freisetzung bevorzugt wieder an. Sie hinterlassen dort diesen typischen rußartigen Schmierfilm.“

Aber auch Fachleute bieten ihren kostenloses Rat an. Darunter sind zum Beispiel Frank Ryll, hauptamtliches Vorstandsmitglied des Bauvereins Gevelsberg, und Andrea Schoeneweihs von der Schwelmer Wohnungsbaugenossenschaft. Sie vermuten hinter dem Phänomen sogenanntes Fogging. „Das tritt zum Beispiel auf, wenn sich die Lösemittel in Teppichböden und Fußbodenkleber nicht vertragen“, sagt Schoeneweihs.

Wandfarbe kann es begünstigen

Oliver Klinke vom Gevelsberger Raumausstatter Engelhardt ist auch ein Fachmann, der das Phänomen kennt: „Wie auf dem Foto des Artikels zu sehen, sind wohl Wände und Decken gestrichen. Die Zusammensetzung einer Wandfarbe kann dieses Phänomen stark begünstigen. Gute Erfolge konnten verbucht werden, wenn diese Flächen zunächst gut gereinigt und anschließend mit einer hochwertigen Wandfarbe die frei von foggingaktiven Substanzen ist, erneut gestrichen werden.“ Und weiter schreibt Klinke: „Da mit einer Elektro-Fußbodenheizung geheizt wird, sollte zudem die relative Luftfeuchtigkeit geprüft werden. Bei zu starker Untertrocknung (weniger als 40 % rel. Feuchte) steigt eine statische Aufladung von Kunststoffflächen. Dies kann zu einer zusätzlichen bevorzugten Ablagerung von Raumluftteilchen führen. In diesem Fall sollte die relative Luftfeuchtigkeit auf 50 bis 55 % angehoben werden. Dies kann durch Verdunster oder durch gefüllte Wasserschalen erfolgen.“

Andrea Dünschede aus Ennepetal kennt das Problem auch aus eigener Erfahrung und hat einen anderen Lösungsansatz: „Bei uns trat dieses Phänomen auch auf. Wir sind sicher, dass es am Abbrennen von Duftkerzen/Teelichtern lag. Auch Duftöllampen kämen hierfür in Frage. Seit wir die Duftkerze nicht mehr entzünden, taucht auch kein Ruß mehr auf. Dass sich der Ruß gern auf Kunststoffoberflächen niederlässt, konnten wir ebenfalls beobachten. Während außen lackierte Schranktüren sauber blieben, setzte sich der Ruß auf der Kunststoffinnenseite ab.“

Der Gevelsberger Michael Niebuhr hat das Phänomen früher bei Gaseinzelraumheizungen, die unter den Fenstern angebracht wurden, beobachtet. „Stäube und Fasern aus Woll- und Berberteppichen wurden erhitzt, zersetzten sich an der Heizung und lagerten sich wie Ruß zum Beispiel auf Gardinen ab.“ Diese Art der Heizungen seien nicht mehr auf dem Markt: „Aber, ich kann mir vorstellen, dass bei einer Fußbodenheizung das selbe Phänomen auftreten kann.“

Eine elektromagnetische oder elektrostatische Ursache vermutet der Ennepetaler Peter Windmüller: „Das kann man ein wenig damit vergleichen, wenn man einen Pullover auszieht und es funkt oder man einen Schlag beim Anfassen einer Klinke bekommt.“ Das Heizen habe damit weniger zu tun, eher die trockene Luft, die dadurch entsteht. Eine Schale Wasser auf dem Boden reiche nicht aus. Da müsse schon ein elektrischer Luftbefeuchter her, so der ehemalige Prokurist des Energieversorgers AVU.