Das Thema Demenz aus der Tabuzone holen

Gevelsberg..  Das Thema Demenz nimmt in der alternden Gesellschaft eine immer größer werdende Bedeutung ein. Umso wichtiger ist es, dass diese Problematik aus der Tabuzone rückt. Das Bürgerhaus „Alte Johanneskirche“ am Vogelsang setzt genau da den Hebel an und bringt in Kooperation mit hiesigen Senioren- und Pflegeeinrichtungen nun ein Theaterstück auf die Bühne, dass den geistigen Verfalls eines geliebten Elternteils auf komische wie auch nachdenkliche Weise darstellt.

Doppelrolle für Schauspieler

„Du bist meine Mutter“ lautet der Titel des Solotheaterstücks von Joop Admiraal und thematisiert das innige Verhältnis zwischen einem Sohn und seiner an Demenz erkrankten Mutter. Die Szene spielt im Altenheim und offenbart die problematische Kommunikation der beiden, die durch den Erinnerungsverlust der Mutter und die liebevolle Art des Sohns geprägt ist.

Neben bewegenden Dialogen mit zum Teil kindlich-naiver Logik werden die Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit, aber auch Ängste und Glauben thematisiert. Die Rollen scheinen vertauscht und jeder Besuch im Altenheim ist ein Abschied auf Raten.

Beide Figuren werden in einer Doppelrolle von Markus Kiefer gespielt. Der Gelsenkirchener ist seit 1985 freier Schauspieler und kann auf Engagements am Stadttheater Lübeck, Stadttheater Wuppertal und Musiktheater Gelsenkirchen zurückblicken. „Das ist ein sehr interessantes Stück, auf dass ich schon Mitte der 80er gestoßen bin. Nur war ich damals zu jung, es zu spielen“ erklärt der mehrfache NRW-Theaterpreisträger und ergänzt, dass er vor zwei Jahren die Inszenierung in Gang gesetzt und dazu Regisseur Andre Wülfing mit ins Boot genommen habe.

Dritter Mann im Bunde ist Kontrabassist Caspar van Meel, der das Stück musikalisch begleiten und somit die wechselnden Stimmungen hervorheben soll. Der Kontakt zu Gevelsberg sei über Heike Siebert zustande gekommen, verrät Kiefer und lobt in diesem Zusammenhang das außergewöhnlich große Engagement, für das Stück so viel Werbung zu machen und Kooperationspartner gefunden zu haben.

„Kultur ist ein Türöffner, um Menschen bestimmte Themen näher zu bringen“, begründet Bürgerhaus-Leiterin Regina Potarczyk die Angebotswahl und hofft dadurch die Menschen weiter für das Thema Demenz zu sensibilisieren zu können. „Das ist ein Thema, dass jeden früher oder später irgendwie betrifft. Daher ist es wichtig, einen Zugang dafür zu schaffen“, erklärt die Mitinitiatorin. „Es ist sinnvoll zu vermitteln, dass man mit dieser Problematik nicht alleine steht. Hier gibt das Theaterstück einen ganz neuen Blickwinkel und soll aufzeigen, dass das Menschliche im Vordergrund steht und ein würdiger Umgang mit Betroffenen immer möglich ist“, lobt Seniorenbeauftragte Daniela Alze.

Info-Stände der Kooperationspartner

Die rund zweistündige Darbietung findet am übernächsten Freitag, dem 6. Februar, um 18 Uhr im Bürgerhaus „Alte Johanniskirche“, Uferstraße 3, statt. Dann werden auch sämtliche Kooperationspartner aus den Bereichen Seniorenpflege und Demenzberatung mit Informationsständen vertreten sein. Persönliche Gespräche, die Vermittlung von Anlaufstellen und das Knüpfen von neuen Netzwerken sind das Ziel der Plattform und sollen Angehörigen Hilfestellungen zu den Themen Tagespflege, Betreuungsspektren, Demenzpropylaxe und gesetzliche Pflegebestimmungen geben.