Das erste Bürgerbegehren in Ennepetal läuft

Die Unterschriftenliste soll ab der kommenden Woche in zahlreichen Geschäften ausgelegt werden.
Die Unterschriftenliste soll ab der kommenden Woche in zahlreichen Geschäften ausgelegt werden.
Foto: WP

Ennepetal..  Das erste Bürgerbegehren in der Geschichte Ennepetals ist auf den Weg gebracht. Die Elterninitiative „Die Katholische Grundschule soll zentral bleiben“ hat mit der Unterschriftensammlung für den Verbleib der Schule am jetzigen Standort im Harkortschulgebäude an der Kirchstraße begonnen.

Nach monatelangen, intensiven Diskussionen hatte der Rat im Dezember beschlossen, die Katholische Grundschule (KGS) in das frei werdende Schulgebäude in Rüggeberg umzusiedeln. Der Schritt soll mit Beginn des Schuljahres 2019/2020 erfolgen. Gegen diesen Ratsbeschluss wendet sich nun die Elterninitiative. Mit dem Bürgerbegehren soll der Beschluss aufgehoben werden. Stattdessen soll in einem Bürgerentscheid über die Frage abgestimmt werden: „Soll die Katholische Grundschule Ennepetal am jetzigen Standort im Harkortgebäude in Ennepetal-Milspe bleiben?“

2000 Unterstützer erforderlich

Um diesen Bürgerentscheid durchführen zu lassen, müssen die Initiatoren des Begehrens bis zum 16. März ungefähr 2000 Unterschriften sammeln – das entspricht acht Prozent der Wahlberechtigten in Ennepetal.

Die Initiatoren haben sich zum Ziel gesetzt, sogar 3000 Unterschriften bis Anfang März zusammenzubekommen, um dem Bürgerbegehren noch mehr Nachdruck zu verleihen. In der Stadt würden ab kommender Woche in vielen Bäckerläden, Arztpraxen, bei Friseuren und in anderen Geschäften Unterschriftenlisten ausgelegt, erklären die Vertreter der Initiative. Per E-Mail seien die Listen schon an viele Familien verteilt worden. „Wir sind neugierig und gespannt, wie viele Unterschriften wir zusammen bekommen. Die Hilfsbereitschaft in Ennepetal ist riesig“, meint Mitinitiatorin Stefanie Hatzig.

Kommt die erforderliche Zahl an Unterschriften zusammen, muss der Rat der Stadt Ennepetal dann entscheiden, ob er sich dem Bürgerbegehren zum Erhalt der Katholischen Grundschule am jetzigen Standort anschließt und somit seinen gefassten Beschluss aufhebt. Lehnen die Stadtvertreter dies mehrheitlich ab, muss innerhalb von drei Monaten der Bürgerentscheid durchgeführt werden. Dabei müsste sich eine Mehrheit für den Verbleib der KGS im Harkortgebäude aussprechen und diese Mehrheit mindestens 20 Prozent der Bürger (also etwa 6000 Ja-Stimmen) entsprechen.

Auf den Unterschriftenlisten sind die Hauptargumente aufgeführt, die nach Meinung der Initiatoren gegen einen Umzug der KGS nach Rüggeberg und für den Verbleib am jetzigen Standort sprechen. „Der Umzug ist nach Ansicht der Vertretungsberechtigten wirtschaftlich riskant, da nicht sicher ist, ob die Schule dort von ausreichend vielen Kindern besucht wird und möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt geschlossen werden muss“, heißt es. „Weiterhin sind wir der Meinung, dass wichtige Themen der Schulentwicklung und der Stadtentwicklung bei der Ratsentscheidung nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Wir vertreten die Auffassung, dass die Katholische Grundschule in die Mitte unserer Stadt sowie in die Nähe der katholischen Einrichtungen wie Kindergarten, Kirche und Altenheim gehört.“ Zudem sei der Betrieb der KGS in Rüggeberg teurer als am jetzigen Standort, erklären die Initiatoren. Laut Stadtverwaltung seien bei einem Umzug nach Rüggeberg Investitionen in Höhe von 2,6 Mio. Euro notwendig. Unter Berücksichtigung der Abschreibungen, Zinsen etc. entstünden jährliche Betriebskosten von 330 500 Euro. Bei einem Verbleib im Harkortgebäude beziffere die Stadt die notwendigen Investitionen auf 1,075 Mio. Euro und die jährlichen Betriebskosten auf 286 500 Euro.

Aufruf des langjährigen Schulleiters

Die Elterninitiative, die das Begehren nun auf den Weg gebracht hat, befürchtet vor allem, dass eine Verlegung der zweitgrößten Grundschule aus dem Zentrum nach Rüggeberg das Ende der 100-jährigen Schulgeschichte einläute. „In einer Elternumfrage war das Ergebnis eindeutig. Niemand der befragten Eltern hätte sein Kind in der KGS angemeldet, wenn das Kind den Schulweg nach Rüggeberg auf sich nehmen müsste“, erläutert Fridtjof Morgenroth, selbst Vater zweier Schüler der KGS.

Ugur Azgur, Vorsitzender der Schulpflegschaft, berichtet zudem: „Die vielen Vereine, die die Schulturnhalle nutzen, wissen nicht, wo sie künftig bleiben können. Ebenso die VHS und der DLRG.“ Der langjährige Schulleiter Hubert Korioth bittet die Eltern, Ehemaligen, die Kirchengemeinde und Freunde der KGS um ihre Unterschrift und um Unterstützung: „Auch diejenigen, denen das Harkortgebäude mit seinem besonderen Erscheinungsbild am Herzen liegt, sollen unterschreiben. Denn wir möchten, dass Milspe künftig auch eine Grundschule hat.“

Interessierte können auch auf der Homepage der KGS unter dem Link Förderverein die offizielle Unterschriftenliste abrufen oder per E-Mail Kontakt aufnehmen: initiative-kgs-zentral@gmx.de.