Das Drama „Die Wupper“ als abwechslungsreiche Stadtreise

Wuppertal..  Mit einem besonderen Theaterprojekt lockt derweil das Schauspiel Wuppertal. Mit warmer Decke und Regenschutz ausgestattet, begeben sich die Zuschauer in zwei Bussen auf eine ungewöhnliche Stadtrundfahrt.

Start im Barmer Theater

Else Lasker Schülers „Die Wupper“ startet auf der Bühne im Barmer Theater am Engelsgarten. Hier lässt Regisseur Stephan Müller die Unternehmer-Familie Sonntag auftreten, deren Welt da scheinbar noch in Ordnung ist. Dann spielt das Stück an Orten, die die Handlung mit besonderer Atmosphäre aufladen. Sehr authentisch spiegelt die stillgelegte, kalte und zugige Bandweberei, vor deren Fenstern die Schwebebahn vorbeirattert, die trostlose Realität der Fabrikarbeiter. Nicht unproblematisch ist die Jahrmarkt-Szene als Open-Air-Veranstaltung im Zoo, wo die nötige Konzentration auf Ton, Licht, Projektion und Requisiten es nicht einfach macht, die die komprimierte Handlung zu verfolgen. Unspektakulär der Akt als Hörspiel im Bus und recht stimmig die Schluss-Szene in einer Friedhofskapelle. Eigentlich verträgt die „böse Arbeitermär“ von 1908 dieses Zerhacken in zeitlich weit auseinander liegende Portionen nicht. Die in Elberfeld geborene Lasker-Schüler, sonst Lyrikerin mit poetischem Tiefgang, outet sich hier als Schriftstellerin mit politischen Ambitionen. Sie weist auf soziale Missstände, Klassenunterschiede und -konflikte und religiöse Verstiegenheit im industriellen Wuppertal. Und in der Welt des absurden Theaters landet sie gar mit der Vorstellung der drei Herumtreiber, die längst im gesellschaftlichen Abseits angekommen sind. Viele ihrer Figuren streben in die jeweils andere soziale Schicht – glücklich werden sie dabei nicht.

Schauspieler in zwei Rollen

Etliche Schauspieler des kleinen Wuppertaler Ensembles müssen in zwei Rollen schlüpfen. Sie tun sich mit der streckenweise derben Sprache im Wuppertaler Dialekt nicht leicht und verfallen schon mal in hanseatischen oder österreichischen Zungenschlag. Dennoch sind die spielerischen Leistungen trotz der aufregenden Logistik bemerkenswert.

Bleibt die Frage, ob sich der Aufwand lohnt, den diese Art des Spiels fordert. Denn immer wieder neu muss sich der Zuschauer in die Handlung eindenken, zumal er zwischendurch im Bus mit Informationen zum Leben der Dichterin und zur Stadtgeschichte gefüttert wird. Nach langer Pause im neuen Zoo-Restaurant zeigen sich die Besucher jedoch vom Theater inmitten der Stadt durchaus angetan.

Weitere Termine im April und Mai. Dauer der Veranstaltung ca. vier Stunden mit Pause. Weitere Infos unter www.wuppertaler-buehnen.de.

Karten unter Tel. 0202 563 76 66