Da steht ein Pferd auf’m Flur im Seniorenstift

Die beiden Ponys „Sputnik“ und „Lucky“ waren im Seniorenstift St. Marien auf einer ganz besonderen Visite. Und auch sie hatten etwas von dem Besuch: etliche Streicheleinheiten, die sie gern annahmen.
Die beiden Ponys „Sputnik“ und „Lucky“ waren im Seniorenstift St. Marien auf einer ganz besonderen Visite. Und auch sie hatten etwas von dem Besuch: etliche Streicheleinheiten, die sie gern annahmen.
Foto: Andreas Reinshagen

Schwelm..  „Da steht ein Pferd auf’m Flur“ – ein Lied aus den 80er Jahren, das wahrscheinlich jeder kennt. Am Freitag standen aber tatsächlich Pferde auf dem Flur des Seniorenstifts St. Marien.

Da wunderten sich nicht nur die Mitarbeiter im Haus über den doch sehr ungewöhnlichen Besuch in der Pflegeeinrichtung. Auch die Bewohner freuten sich über den etwa einstündigen Besuch der beiden Mini-Shettys „Sputnik und Lucky“, die dazu extra auf Visite der Stationen waren. Das Ziel: Den Bewohnern ein ganz besonderes Erlebnis zu ermöglichen.

Therapiehunde kennt jeder

„Therapiehunde kennt jeder, Ponys sind da doch etwas sehr Ungewöhnliches“, sagt die stellvertretende Leiterin der Pflegeeinrichtung, Bettina Spitz. Derzeit versorgt die Schwelmer Seniorenpflegeeinrichtung etwa 90 Bewohner und 18 Tagespflegegäste. Die Tagespflegeeinrichtung feierte in diesem Jahr übrigens ihr 15-jähriges Bestehen.

Die Shetland-Ponys „Lucky“ und „Sputnik“ besuchten auch Katharina Klaus in ihrem Zimmer. Krankheitsbedingt ist sie leider oft ans Bett gebunden, lebt schon einige Jahre in der Einrichtung, doch der Besuch von Pferden direkt an ihrem Bett, war auch für sie ein ganz besonderes Ereignis. „Das war heute etwas fürs Herz und für die Seele“, sagte Bewohnerin Katharina Klaus sichtlich gerührt im Anschluss an den tierischen Besuch.

Diese Aktion fand zum zweiten Mal in der Einrichtung statt. Die Therapieponys kommen dabei aus der benachbarten Einrichtung, dem Essener Haus Berge und sind speziell für den Umgang mit Senioren und Demenzerkrankten ausgebildet.

Am Wochenende fand dazu auch eine Informationsveranstaltung für Angehörige oder Interessierte statt. Neben einem individuellen Rundgang durch das Haus stand bei vielen Besuchern auch die finanzielle Beratung im Vordergrund, die Nachfrage nach solchen Angeboten ist nach Angaben von St. Marien sogar sehr groß. Für viele Angehörige habe die finanzielle Lösung einen hohen Stellenwert bei der Beratung. „Das zeichnet auch unsere Einrichtung aus. Die Flexibilität, auf die Bedürfnisse der jeweiligen Bewohner oder Angehörige zu reagieren und ein vielfältiges Betreuungsangebot zu ermöglichen“, erklärt Simone Isfort das Konzept des Hauses.

Einen Wettbewerb unter den Einrichtungen gebe es im Kreis durchaus. Alleine 400 Betten stünden leer. Man müsse daher mit einer individuellen Beratung und einem guten Gesamtkonzept überzeugen, sagte die Sprecherin der Einrichtung. Dazu finden Informationsveranstaltungen etwa vier bis sechs Mal im Jahr statt. Täglich biete man auch nach terminlicher Vereinbarung eine persönliche Pflegeberatung in den „eigenen vier Wänden“ an.

Gemeinsam an die Nordsee

Und für Angehörige setzt man durchaus auch ungewöhnliche Ideen um. Im Sommer geht es mit einigen Bewohnern und deren Familien an die Nordsee. Eine Möglichkeit auch außerhalb der Einrichtung gemeinsam Zeit zu verbringen. Das nächste besondere Angebot der Schwelmer Einrichtung an seine Bewohner besteht übrigens auch schon. Mit zehn anderen Einrichtungen in NRW wird es am 25. Oktober ein Chorkonzert unter dem Titel „Jahrhundertstimmen“ in der Bochumer Jahrhunderthalle geben. Die Schwelmer Bewohner üben derzeit schon fleißig an dem Liedklassiker „Lilly Marleen“.