Gevelsberg

Composit Impulse gibt Zeppelin ein Rückgrat

Firmenchef Arnd Eberhardt ist der kreative Kopf des Unternehmens.
Firmenchef Arnd Eberhardt ist der kreative Kopf des Unternehmens.
Foto: WP

Gevelsberg.  Auf den ersten Blick könnte man den weißen Hohlkörper mit einer Raumkapsel aus dem Apollo-Programm verwechseln. Für die amerikanische Weltraumbehörde NASA arbeitet Arnd Eberhardt zwar (noch) nicht, aber sprichwörtlich in die Luft gehen die Gegenstände dennoch, die in der klinisch sauberen Produktionshalle der Firma Composit Impulse an der Straße Kalthofs Park in Gevelsberg-Silschede erdacht und gebaut werden.

Auf 22 Beschäftigte angewachsen

Im Fall des oben beschriebenen Baukörpers handelt es sich um die 2,20 Meter durchmessende, 2,5 Meter hohe und 82,5 Kilogramm schwere Hecktriebwerksgondel aus Carbon für ein Luftschiff aus der Werft der Zeppelin GmbH mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee. Drei Luftschiffe hat Goodyear dort bestellt. Das erste hatte seinen Jungfernflug bereits im März 2014. Das zweite aus der Serie soll Ende 2015/Anfang 2016 erstmals in die Luft gehen, das dritte im Jahr darauf abheben. „Alle Zeppeline, die es gibt, haben wir mit Querträgern ausgerüstet“, sagt Firmenchef Arnd Eber­hardt nicht ohne Stolz.

Solch ein Querträger misst 12,73 Meter, hat an den Enden jeweils einen 400-Liter-Tank, wiegt ca. 100 Kilogramm und ist das Rückgrat eines jeden Luftschiffes. Versehen mit Ventilen, Spritleitungen und weiteren Anbauteilen wird er von den Silschedern Spezialisten einbaufertig montiert und mit der Hecktriebswerksgondel, dem Heckfahrwerksrohr und der Bugnase an den Kunden ausgeliefert.

„So ein Zeppelin ist ein tolles Produkt, an dem wir zeigen können, was wir zu leisten im Stande sind. Er ist für uns ein guter Werbeträger“, sagt Firmenchef Arnd Eberhard. Unternehmen, die für die Luft- und Raumfahrt arbeiten, müssen höchsten Anforderungen genügen. „Wir sind EN 9100-zertifiziert – mein Türöffner, um in dieser Liga mitspielen zu dürfen“, sagt der 54-jährige Firmenchef, der seine Firma im Oktober 1992 in Wuppertal gegründet hat und im Jahr 2006 in die neue Produktionsstätte nach Gevelsberg umgezogen ist. Die Kosten für die jährliche Fortschreibung dieser Norm lässt sich der Firmenchef rund 15 000 Euro kosten.

„Als Unternehmen braucht man aber auch Leute, die diese Vorgaben leben“, blickt Arnd Eberhardt mit Stolz auf seine Mannschaft, die von einst neun auf nun 22 Beschäftigte angewachsen ist. Seit letzten Jahr bildet Composit Impulse auch aus. Aus 80 Bewerbungen wurde Lena Krug ausgewählt. „Sie lernt bei uns Industriekauffrau und freut sich, dass ihr Job so abwechslungsreich bei uns ist.“ Für Arnd Eberhardt ist der Sprung hin zum Ausbildungsbetrieb ein Anfang, „unser Erstlingswerk“, wie er scherzhaft sagt. Künftig soll auch im gewerblichen Bereich der Nachwuchs selbst herangezogen werden. Unter Hochschülern sind Praktikumsplätze in Gevelsberg bereits heiß begehrt. „Wir sind bis Ende 2015 ausgebucht“, sagt der Unternehmer. Ein Ingenieur wechselte sogar nach dem Studium direkt ins Unternehmen.

Wer rastet, der rostet – dieser Spruch gilt auch in der Wirtschaft und deshalb ist weiteres Wachstum erklärtes Ziel. Und das will der studierte Luft- und Raumfahrtingenieur auch erreichen, in dem er sich künftig verstärkt um die Serienproduktion kümmert. Spätestens dann muss am Gevelsberger Standort weiter investiert werden. Spätstestens 2016 soll eine neue Halle gebaut werden.

Vereinfacht ausgedrückt werden in Silschede Lösungen aus Faserverbund-Kunststoffen entwickelt und produziert. Das kann die superleichte Toilettenschüssel (1,5 kg) sein oder die Duschkabine im Regierungsflugzeug von Angela Merkel. Dazu gehören aber auch Komponenten für U-Boote, Rotorflügel für Windkanäle oder auch Hitzeabschirmungen für Bremsen, Motoren und im Abgasstrang von Rennautos. „Wir haben die ersten vier Plätze beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans belegt“, freut sich Eberhardt.