Comedy, Showtanz und Akrobatik

Hammerschmied Bernd Matthäi beim Einmarsch in die Halle.
Hammerschmied Bernd Matthäi beim Einmarsch in die Halle.
Foto: Michael Scheuermann

Gevelsberg..  Wenn Michael Sichelschmidt sich Notizen macht, dann ist der Vorsitzende des Kirmesvereins in ganz besonderer Mission unterwegs. Traditionell fand Samstag der Gevelsberger Kirmesabend in der Halle West statt.

Kurzweiliges Programm

Das Programm war vielfältig, humoristisch und durchaus kurzweilig. Aber dazu später mehr. Michael Sichelschmidt freute sich sichtlich, den Endspurt auf die Zielgerade zur diesjährigen schrägsten Kirmes der Welt einzuleiten. Einen kleinen Seitenhieb in Richtung TÜV konnte sich Sichelschmidt aber nicht verkneifen – er reagierte damit auf die noch einmal verschärften Prüfbedingungen, die „einen immensen Papierkram“ fordern. Auch die Politik nimmt der Vorsitzende aufs Korn: „Wenn ihr das Brauchtum nicht mehr wollt, dann sagt es vor der Wahl.“

Und worauf dürfen sich die Kirmesfreunde in diesem Jahr freuen? Ganz einfach. „Darauf, dass wieder die Zone 30 vom Kirmestor bis zum Stupprock eingerichtet wird“, verspricht Michael Sichelschmidt. „Kurzum, 30 Getränkemöglichkeiten in diesem Bereich.“

Sascha Hilger, einer der Kirmesmoderatoren, führte anschließend durch das abwechslungsreiche Programm. Klaus-Jürgen Piorek machte mit seiner Comedy-Nummer „Der Ehemann“ den Auftakt. Das Gevelsberger Urgestein, Frontmann der Band Wärk 12 und Mitglied der Kirmesgruppe Börkey, bewegte sich mit seinen Ausführungen über das Zusammenleben von Mann und Frau am Rande des guten Geschmacks.

Deutlich niveauvoller kam „Dä Hammerschmied“ daher. Bernd Matthäi gab zwar zu, sehr nervös zu sein, er traf aber mit seinen Ausführungen zu „Oberverkehrslahmleger“ Klaus Weselsky, der Deutschen Bahn und den Gevelsberger Baustellen den Nerv des Publikums. Und wie es sich für einen echten Hammerschmied gehört, würde Matthäi auch notfalls selbst Hand anlegen, denn Kabel über der Baustelle an der Königsburg hängen für den Umzug gefährlich tief. Den übergroßen Seitenschneider hat „Dä Hammerschmied“ auf jeden Fall schon. Bis zum Umzug am Kirmessonntag soll das Problem aber behoben sein.

Bernd Matthäi nutzte die Gelegenheit, um seiner Heimatstadt Ennepetal eine Liebeserklärung der anderen Art zu machen: „Ich wohne in Ennepetal, der Geisterstadt des Ennepe-Ruhr-Kreises, aber es ist eine sehr schöne verschlafene Stadt.“ Auch für die Finanznot der Gevelsberger Stadtkasse hatte „Dä Hammerschmied“ gleich mehrere Vorschläge, „um den griechischen Charakter los zu werden.“ So könne beispielsweise eine Spendenbüchse am Ennepebogen für auswärtige Besucher aufgestellt werden, scherzte er.

Mit der KG Pinass Brumse und der Tanzschule Balsano ging es schwungvoll weiter. Im Blues-Brothers-Outfit wirbelten die knapp 20 Tänzer zum Hit „Everybody needs somebody to love“ über die Bühne und verabschiedeten sich mit einem Wurf ihrer Melonen-Hüte ins Publikum. Das forderte vor Begeisterung lautstark eine Zugabe.

Die Rheinhausener Showtanz-Formation Calypso, amtierender Weltmeister und achtfacher Europameister, fegten über die Bühne. Die Tänzerinnen im sexy Feuerwehrfrau-Dress wirbelten den Helm durch die Luft, kletterten eine Leiter hinauf und überzeugten mit einer anspruchsvollen Choreographie. Wundervoll gestellte Bilder und Pyramiden ließen auch hier das Publikum eine Zugabe fordern.

Der absolute Höhepunkt des Abends und zugleich auch Schlusspunkt war der Auftritt des Kabarettisten Wolfgang Trepper. „N’abend schön hier, ne“, begrüßt Trepper sein Publikum und hält etwas hilflos eine rote Handtasche vor dem Bauch. „Halt mal eben, hat meine Frau gesagt“, erklärt er den ungewöhnlichen Aufzug. „Dabei wissen wir gar nicht, wie wir so ein Ding halten sollen“, murrt Trepper und erntet spontanen Applaus der männlichen Gäste. Wolfgang Trepper ist spontan, ehrlich und stets niveauvoll. „Guten Appetit, schönes Hemd haste an“, ruft er einem Mann zu, der sich gerade wieder mit seinem Essen auf seinen Platz setzen möchte. „Ich schmeiße auch nichts weg, so schlecht sind die Sachen von Kik auch nicht.“

Anschließend macht Trepper einen fulminanten Ritt durch die deutsche Hitparade, und zerlegt Texte von Heino, Jürgen Markus und Co. gnadenlos auf ihre Sinnhaftigkeit. Dem Publikum gefällt’s. Die fast ausverkaufte Halle West schmettert nach Herzenslust mal einen Refrain, dann wieder eine ganze Strophe der größten Schlagerhits mit. Ein einfaches „Damdam“ des Publikums bei Drafi Deutschers Evergreen „Marmor, Stein und Eisen bricht“, reicht und Wolfgang Trepper redet sich vollständig in Rage. Nach gut zwei Stunden endete der diesjährige Kirmesabend wie er begonnen hatte. Mit einem Einmarsch der 12 Standartenträger. Da blieb Michael Sichelschmidt nichts weiter übrig, als vor den ersten Takten der Kapelle „Heavens Club“ noch einmal an das diesjährige Motto zu erinnern: „Dä Letzte mäkt dat Lech ut.“