CDU als Roter Faden für Nachkriegs-Chronik

Helmut Kohl bei seinem Wahlkampfauftritt 1980 in der Schwelmer Fußgängerzone.
Helmut Kohl bei seinem Wahlkampfauftritt 1980 in der Schwelmer Fußgängerzone.
Foto: WP

Schwelm..  Eigentlich sollte es „nur“ ein Buch über 70 Jahre CDU in Schwelm werden. Doch herausgekommen ist weit mehr als die Chronik eines Stadtverbands. Zu verdanken haben das die Christdemokraten in der Kreisstadt Klaus Peter Schmitz. In monatelanger Fleißarbeit hat der Heimatforscher für sein neuestes Druckwerk unzählige Quellenstudien betrieben, Berge von Archivmaterial gewälzt und Unmengen an Material zusammengetragen, so dass er sich letztendlich wieder beim Schreiben auf das Wesentliche beschränken musste. Nun liegt das druckfertige, 524 Seiten starke Werk vor. Es trägt den Titel „Mitten in der Zeit – 70 Jahre Schwelmer Stadtgeschichte von der Nachkriegszeit bis heute, 70 Jahre CDU in Schwelm“.

Der Hobby-Historiker gilt mittlerweile als intimer Kenner der Schwelmer Stadtgeschichte. Nach der Chronik der Mariengemeinde (2008), der Geschichte der Kolpingsfamilie in Schwelm (2011) und „Die Zeit des Nationalsozialismus in Schwelm“ (2013) nun die Zeit nach 1945. Zwischendurch fand Schmitz noch Gelegenheit, seine Jugenderinnerungen „Ut dä Blagentied“ (2014) niederzuschreiben. Nicht vergessen werden sollte hier auch die 100-Seiten-Chronik der Nachbarschaft „Aechte de Muer“ (1997), mit der der schwer herzkranke Klaus Peter Schmitz in die Heimatgeschichtsforschung eingestiegen ist.

„Meine Bücher sollen informieren und zusammenführen, nicht trennen“

„Es ist zwar ein Buch über die CDU, aber trotzdem kein Partei-Buch. Das macht die Sache für Außenstehende interessanter“, sagt Klaus Peter Schmitz. Mit seinem vierten Buch hat er nun die gesamte Geschichte der Stadt Schwelm von 1684 bis heute aufgearbeitet. Damit ist der ehemals selbstständige Elektromeister dem einstigen Museumsleiter Haus Martfeld und Stadtarchivar Gerd Helbeck voraus. Dieser hatte seinen Band I der Stadtgeschichte um 1810 aufhören lassen. Zum Schreiben an Band II der Stadtgeschichte war er dann aus verschiedenen Gründen nicht mehr gekommen.

Die Bewahrung der heimischen Geschichte liegt Schmitz am Herzen. „Meine Bücher sollen informativ sein und zusammenführen, aber nie entzweien“, so der Autor. Die Partei ist für ihn Mittel zum Zweck. „Ich nehme die CDU als roten Faden für die Aufarbeitung der Stadtgeschichte von Schwelm.“ Dabei ist für den Autor die christliche Werteordnung der Union der Schlüssel, um optimistisch in die Zukunft blicken zu können.

Die Initiative für das Buch ist von Klaus Peter Schmitz ausgegangen. Drei Jahre ist es mittlerweile her, seitdem er vor dem Parteivorstand ein Referat über die Schwelmer CDU gehalten hat. „Ich bin an die CDU herangetreten mit den Worten: Ich hab’ bei meinen Recherchen so viel Material von euch von früher gefunden. Da wäre ein weiteres Buch fällig“, so der Selfmade-Historiker, der seit 2005 auch Mitglied der CDU ist. Nicht nur bei Stadtverbandsvorsitzendem Matthias Kampschulte rannte er mit seinem Anliegen offene Türen ein: „Unser Archivmaterial war mehr als desolat.“ Schnell wurde man sich einig. Schmitz legt aber Wert darauf, dass er sich nie seine Meinung habe verbieten lassen. Zensur habe nicht stattgefunden.

Hugo Schüssler und Ernst Lambeck sind für Klaus Peter Schmitz die treibenden Kräfte des Wiederaufbaus in Schwelm nach der Kapitulation des Deutschen Reichs 1945 gewesen. „Diese beiden haben das Stadtbild geprägt. Ohne diese Menschen sähe Schwelm nicht so aus, wie es sich heute darstellt“, so Schmitz.

„Nur wer seine Geschichte kennt, kann auch aus Geschichte lernen“

„Wir sind wirklich froh, dass die CDU in Schwelm nun eine Geschichte hat, ein Gesicht“, richtet Matthias Kampschulte ein Wort des Dankes an Klaus Peter Schmitz. Nur wer seine Geschichte kenne, könne auch aus Geschichte lernen. „Bewährtes erhalten, Zukunft gestalten: Die kommunalpolitischen Gegebenheiten wiederholen sich“, sagt der Stadtverbandsvorsitzende nach der Lektüre des Vorabdrucks. Damit spricht er das Thema Zusammenlegung von Hallenbad und Freibad an oder auch die bereits damals strittige Frage nach der Gestaltung des Bahnhofvorplatzes. In der Zeit des Wiederaufbaus sei über Parteigrenzen hinweg zusammengearbeitet worden. „Unsere Vorgänger haben nicht alles richtig gemacht, aber auch nicht alles falsch.“

Das meint auch Christdemokrat Heinz-Joachim Rüttershoff, seit 1975 CDU-Mitglied: „Je öfter ich in dem Buch gelesen habe, desto mehr Respekt habe ich vor den Leuten damals bekommen. Die haben richtig angepackt nach dem Grundsatz: erst die Stadt, dann die Partei.“