Caterer gekündigt – Ennepetals Schulen kochen erstmal selbst

Bis zur endgültigen Neuregelung der Essenslieferung werden die von der Kündigung des bisherigen Lieferanten betroffenen Kitas und Schulen der Stadt die Verpflegung selbst in die Hand nehmen.
Bis zur endgültigen Neuregelung der Essenslieferung werden die von der Kündigung des bisherigen Lieferanten betroffenen Kitas und Schulen der Stadt die Verpflegung selbst in die Hand nehmen.
Foto: NRZ

Ennepetal.. Nach der Entscheidung der Stadtverwaltung, ab sofort kein Essen mehr vom Wuppertaler Lieferanten Vitesca zu beziehen, haben die Leitungen der betreffenden Schulen und das Schulverwaltungsamt vereinbart, die Mittagsverpflegung bis zum Beginn der Sommerferien in zweieinhalb Wochen in Eigenregie sicherzustellen. Auch in den städtischen Kindertagesstätten soll das zunächst so gehandhabt werden.

Kräfte stocken Stundenzahl auf

„Das Schulverwaltungsamt hat den Schulen ein entsprechendes Budget ausgezahlt“, erklärte Stadt-Pressesprecher Hans-Günther Adrian gestern gegenüber unserer Zeitung. Die an den Schulen für die Essensausgabe beschäftigten Kräfte würden ebenso wie an den Kitas vorübergehend ihre Stundenzahl aufstocken. „Sie haben alle die entsprechenden Berechtigungen zur Zubereitung von Essen“, so Hans-Günther Adrian. An der Hauptschule und der Albert-Schweitzer-Schule handele es sich jeweils im Schnitt ohnehin nur um zehn bis 15 Essen täglich. An den Grundschulen soll die Verpflegung auch in einer Art Projekt von den Kindern, die dort zu Mittag essen, mit zubereitet werden.

Der Essenlieferant Vitesca, der in seiner Großküche täglich etwa 25 000 Essen zubereitet, war durch eine Undercover-Reportage des „Teams Wallraff“ unter Druck geraten. Die am Montagabend bei RTL ausgestrahlte Sendung stellte unhygienische und unappetitliche Zustände bei dem Wuppertaler Unternehmen dar. Vitesca weist die Vorwürfe inzwischen weitgehend zurück. Lediglich beim in der Sendung gezeigten Beispiel von Bio-Rinderhack, das jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums lag, habe es einen Fehler gegeben.

Auch im Hauptausschuss am Dienstag wurde das Thema diskutiert, nachdem die Verwaltung ihre Vorgehensweise erläutert hatte. Man habe bislang keine Beanstandungen hinsichtlich der Qualität des von Vitesca gelieferten Essens gehabt, erklärte Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen. Aufgrund der RTL-Reportage hätten die Eltern das Essen nicht mehr haben wollen. Das sei durch die Vielzahl von Anrufen deutlich geworden.

Hauptausschuss begrüßt Vorgehen

Bei den Ausschussmitgliedern herrschte weitgehend Einigkeit, dass die Verwaltung richtig gehandelt habe. „Wir haben bei der Ausschreibung aber schon auf Qualität und Hygiene geachtet“ betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Volker Rauleff. Auch CDU-Fraktionschef Daniel Heymann verwies darauf, dass Vitesca die höchsten Auszeichnungen vorweisen kann.

Es sei schwierig, einen neuen Anbieter zu finden, bei dem solche Probleme ganz auszuschließen seien. „Wir sollten aber bei der Auswahl die Qualität höher gewichten als den Preis“, betonte er. Die Stadt hat den Vertrag mit Vitesca fristgerecht zum 31. Juli gekündigt. Bis dahin wird die Zahl der bestellten Essen – der Rahmenvertrag sieht flexible Lieferungen je nach Nachfrage vor – auf Null festgelegt. Insgesamt lag das jährliche Auftragsvolumen der Stadt bei etwa 280 000 Euro.

„In der kommenden Woche werden sich die Kollegen zusammensetzen und überlegen, wie es weitergeht“, erklärte Hans-Günther Adrian gestern. Dabei sollen auch Möglichkeiten wie beispielsweise Metzger aus der Region zu beauftragen, in Betracht gezogen werden. Für eher undenkbar hielt Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen die im Hauptausschuss von Güzel Albayrak, dem Fraktionsvorsitzenden von Linke/Piratenpartei, ins Gespräch gebrachte Möglichkeit, dass die Stadt selbst die Essenszubereitung übernehmen könnte.

INFO:

Vitesca belieferte bislang die vier städtischen Kindertagesstätten, alle Grundschulen sowie die Hauptschule Friedenshöhe und die Albert-Schweitzer-Schule.

Für Reichenbach-Gymnasium und Sekundarschule wird das Essen von einem anderen Unternehmen bezogen. Die Realschule bietet kein Mittagessen an.