Bisher 160 Flüchtlinge angekommen

Gevelsberg..  „Die Ankunft von 160 Flüchtlingen, das ist das einzige Ergebnis, das wir in Gevelsberg von den traurigen Ereignissen, die uns Tag für Tag im Fernehen schockieren, mitbekommen haben“, sagte Bürgermeister Claus Jacobi gestern beim Neujahrsempfang im Zentrum für Kirche und Kultur.

Ehrengast und Hauptredner Rupert Neudeck erinnerte daran, dass Deutschland bereits ganz andere Flüchtlingsprobleme gemeistert hätte. Nach dem letzten Weltkrieg, so der Journalist, der in seiner Kindheit aus Danzig flüchten mussten, hätte eine noch nicht funktionierende Gesellschaft zwölf Millionen Menschen aufgenommen. Das sei eine ganz große Leistung gewesen. „Und die 4,5 Millionen Menschen in Kurdistan haben es in zwei Tagen geschafft, 1,8 Millionen Flüchtlinge aufzunehmen“, sagte Neudeck in seiner Rede. Als seine ehemalige Hilfsorganisation Cap Anamur vor einiger Zeit Jubiläum feierte, hätten 4000 Vietnamesen die deutsche Hymne gesungen: „So sehr hat mich meine Hymne noch nie bewegt.“ Er warnte davor, den Schreihälsen zu viel Raum zu geben. Man müsse auch einmal Ärger hinnehmen, um Menschen zu helfen. Auch diese Erfahrung hätte er mit seinem Engagement für die Flüchtlinge aus Vietnam gemacht.

Neudeck nahm damit die Rolle an, die ihm Bürgermeister Jacobi in seinen Begrüßungsworten gegeben hatte: „Wir brauchen sie als Mutmacher und Wachrüttler ganz konkret hier in Gevelsberg.“

Melanie Beinert, für die Koordination von Sprachkursen bei der Volkshochschule Ennepe-Ruhr Süd verantwortlich, machte in einer Talkrunde deutlich, mit welchen Problemen die Menschen zu kämpfen haben, die nach Deutschland kommen. Sie berichtete von einer Frau, die Analphabetin war: „Sie konnte nicht mit dem Bus zu mir kommen.“ Die Frau war einfach nicht in der Lage, das Schild zu entziffern, auf dem das Ziel steht. Irgendwann sei diese Frau ganz stolz zu ihr gekommen und hätte gesagt: „Heute bin ich mit dem Bus da.“ Deutschkurse würden dringend gebraucht: „So viele Menschen kommen zu mir, aber das Angebot ist nicht so groß.“ Sie hofft, dass sich die Situation durch den Start der Aktion „Gevelsberg gemeinsam“, die die Taubenväter koordiniert, ändern wird.

Seyfullah Köse rechnete vor, dass rund 20 Prozent aller Bürger in Deutschland Wurzeln im Ausland haben: „Sie heißen nicht Ali, sondern vielleicht Matuschek“.