Betrüger suchen in Todesanzeigen ihre Opfer

Die Polizei warnt vor einer besonders miesen Betrugsmasche.
Die Polizei warnt vor einer besonders miesen Betrugsmasche.
Foto: Bernd Lauter

Ennepetal..  Die EN-Polizei warnt aus gegebenen Anlass vor einer besonders dreisten Betrugsmasche. Trickbetrüger wollten gezielt einen trauernden Angehörigen übers Ohr hauen, dessen Adresse sie vermutlich über die Todesanzeige herausfanden. Die Behörde geht von organisierter Kriminalität aus und vermutet, dass es sich nicht um einen Einzelfall im EN-Kreis handelt.

225 Euro für ausstehende Raten

Bei dem Fall, der nun aktenkundig wurde, handelte es sich um einen 81 Jahre alten Mann aus Ennepetal, der am 1. Juli seine Frau nach langer schwerer Krankheit verlor. Wenige Tage nach dem Tod erhielt der Witwer Post von einem angeblichen Finanz Consulting Unternehmen aus Leverkusen. Das Schreiben beinhaltete die Aufforderung, umgehend 225 Euro für noch ausstehende Ratenzahlungen zu überweisen. Die Verstorbene, so wurde dem Witwer mitgeteilt, habe an 14 Gewinnspielen teilgenommen, bei denen es nun zu Raten-Ausständen gekommen sei. Das Finanz Consulting-Unternehmen habe den trauernden Angehörigen wissen lassen, teilte die Polizei auf Nachfrage unserer Redaktion mit, wenn er die 225 Euro zahle, würden alle 14 Verträge mit den Gewinnspielfirmen aufgelöst.

Dem Schreiben gleich beigelegt: Ein ausgefüllter Überweisungsträger mit allen relevanten Daten.

Doch die Masche zog bei dem 81-Jährigen nicht. Da seine Frau die letzten vier Jahren vor ihrem Tod ein bettlägeriger Pflegefall war, konnte der Witwer definitiv ausschließen, dass seine Gattin einen, geschweige denn 14 solcher Gewinnspielverträge abgeschlossen haben konnte. Statt zu zahlen wandte sich der Senior am Montag an die Polizei und erstattete Anzeige.

Wer hinter der Betrugsmasche steckt, ist noch unklar. Die Fahndung läuft. Das Finanz Consulting-Unternehmen ist laut Schreiben jedenfalls eine GmbH mit Sitz in Leverkusen. Die Polizei geht aber davon aus, dass es sich nicht tatsächlich um eine eingetragene Gesellschaft aus Deutschland handelt, sondern vielmehr um einen Fake. Der Verdacht wird bestärkt durch die auf dem Überweisungsträger eingetragene IBAN-Kennung. Sie fängt mit BG an und gehört damit zu einem Konto aus Bulgarien.

Für die Polizei sind das Hinweise darauf, dass es sich um organisierte Kriminalität handelt. Die Gauner würden dreist und schamlos die Trauer von Angehörigen ausnutzen. Und sie würden systematisch vorgehen, wie ähnliche Fälle aus der Vergangenheit gezeigt hätten. Mal seien es angeblich nicht bezahlte Gewinnspiel-Raten, wie im Fall des Ennepetalers, mal Ausstände bei Zeitungs-Abos.

Polizei geht von weiteren Fällen aus

Die Beträge, die verlangt würden, seien immer so hoch, dass es sich für die Betrüger lohnt, ohne gleichzeitig überzogen zu klingen. „Mal sind es Beträge zwischen 50 und 70 Euro, mal um die 200 Euro“, so die Polizei. Wer sich dann im emotionalen Ausnahmezustand befindet, zahlt oft, um die Angelegenheit vom Tisch zu haben. So werde man dann leicht zum Opfer.

An die Adressen der Trauernden kommen die Betrüger häufig über die Todesanzeigen. Die Polizei vermutet, dass es so auch bei dem Ennepetaler der Fall war. „Die Betrüger gehen systematisch vor und schauen sich eine Woche lang Todesanzeigen aus der einen Stadt an und in der nächsten Woche die aus einer anderen Stadt“, erklärte die EN-Polizei. Da das vermutlich auch diesmal der Fall war, gehen die Ermittler von weiteren Betrugsversuchen in den vergangenen Tagen rund um Ennepetal aus.

Wie oft die Gauner mit ihrer Masche Erfolg haben, ist unklar. Die EN-Polizei geht von einer großen Dunkelziffer aus. „Viele zahlen und merken in ihrer Trauer gar nicht, dass sie betrogen werden. Und wem es nachträglich auffällt, der bringt es aus Scham oft nicht zur Anzeige.“ Das Schamgefühl sei gerade bei Älteren sehr ausgeprägt.