Besonderes Trainingslager für TuS-Jugendkicker

Einblicke in die Praxis: Bei Firmenbesuchen wie hier im Karosserie- und Lackzentrum Frischkorn informierten sich die Jugendlichen über verschiedene Berufe.
Einblicke in die Praxis: Bei Firmenbesuchen wie hier im Karosserie- und Lackzentrum Frischkorn informierten sich die Jugendlichen über verschiedene Berufe.
Foto: WP

Ennepetal..  Ein Trainingslager der anderen Art absolvierten 13 Nachwuchsfußballer des TuS Ennepetal in der ersten Woche der Osterferien. Statt für die Spiele ihrer Mannschaften ließen sie sich im Vereinsheim am Bremenstadion von Experten der SIHK zu Hagen für die berufliche Karriere fit machen. Unter dem Motto „Sport trifft Wirtschaft – 1:0 für die Berufswahl“ standen für die 15 bis 19 Jahre alten Kicker ein intensives Bewerbungstraining und Besuche bei heimischen Unternehmen auf dem Programm. Als zusätzlicher Anreiz nahm sich Ex-Profi Giovanni Federico, der beim TuS in der Oberliga-Mannschaft aktiv ist, Zeit für ein „Probetraining“ mit den Jugendlichen.

„Uns ist aufgefallen, dass viele Jungs, die zum Teil seit Jahren in den Mannschaften des TuS spielen, nicht wissen, was sie beruflich machen sollen“, erklärt Ralf Kuhlmann, bis vor einem Jahr Jugendleiter des Vereins. „Wir möchten sie aber fördern und nicht nur sportlich ausbilden.“ Und so suchte der Verein den Kontakt zur SIHK, um Möglichkeiten auszuloten, wie die Jugendlichen bei der Berufsorientierung unterstützt werden könnten.

Kooperation schon beim Spax-Cup

Verein und Handelskammer veranstalten ohnehin seit drei Jahren am Rande des Spax-Cups, des Internationalen U19-Fußball-Pfingstturniers, gemeinsam ein Unternehmerforum. Dort stand nicht zuletzt im vergangenen Jahr das Thema „Ausbildung“ auf der Agenda. Als Gast war damals Martin Kree dabei, Ex-Profi beim VfL Bochum, beim BVB und bei Bayer Leverkusen. Christoph Brünger, für die Region zuständiger Geschäftsführer der SIHK, hatte schon damals angeregt, ein Projekt zu erarbeiten, bei dem Jugendliche über den Sport Motivation für Schule und Beruf ziehen können.

Nun wurde es konkret. „Wir wissen, dass unsere Angebote nicht alle erreichen“, erklärt Karl-Josef Reuther von der Stabsstelle „Schule - Wirtschaft“ bei der SIHK. Über den Freizeitbereich – hier den Fußball – gebe es da eher die Möglichkeit, an Jugendliche heranzukommen. Die Beteiligten stellten ein viertägiges Programm zusammen, das den Teilnehmern theoretische und praktische Einblicke bieten sollte. Nicht zuletzt fand die Veranstaltung im Vereinsheim des TuS Ennepetal statt, um die Jugendlichen an einem Ort zu versammeln, an dem sie sich wohlfühlen.

Vormittags habe es „ein Rund-um-Sorglos-Paket“ für das Erkennen der eigenen Potenziale sowie für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche gegeben, so Karl-Josef Reuther. Darüber hinaus standen Besuche bei heimischen Unternehmen auf dem Programm. Im Karosserie- und Lackzentrum Frischkorn, bei der Firma Febi und im Autohaus Tepass & Seiz konnten sich die Jugendlichen über Berufsfelder, Anforderungen, Karrieremöglichkeiten und vieles mehr informieren. Im Übrigen wurden auch Auszubildende eingebunden, die beim TuS aktiv sind. Unter anderem stellten sie ihre Ausbildungsberufe vor und gewährten Einblicke in ihre Arbeit.

Positives Fazit der Teilnehmer

„Wir haben im Vorfeld eine Info-Veranstaltung bei den einzelnen Mannschaften der C-, B- und A-Jugend gemacht“, erklärt Ralf Kuhlmann. Später gab es eine weitere vereinsinterne Veranstaltung, bevor SIHK und TuS schließlich das Projekt gemeinsam vorstellten. 13 Jugendliche meldeten sich schließlich, um sich in den Schulferien mit ihrer beruflichen Perspektive zu beschäftigen. Ralf Grigo und Sarah Recktenwald von der SIHK führten das Projekt durch.

„Das Bewerbungstraining bringt mich schon weiter“, meint Christian Hüge. Der 17-Jährige besucht das Gevelsberger Gymnasium und spielt in der A-Jugend des TuS. So fand er beispielsweise hilfreich, einmal einen Einstellungstest zu bearbeiten. Aaron Kuhlmann (17), Gymnasiast in Schwelm und ebenfalls TuS-A-Jugend-Kicker, fand interessant, bei den Firmenbesuchen zu hören, wie der Arbeitsalltag aussieht. Und es sei auch nicht schlecht, wenn man erkenne, welche Richtung für einen selbst nichts ist. Aarons Vorstellungen sind schon recht konkret: Er möchte eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolvieren.

„Weitergeholfen hat mir das gesamte Projekt“, meint Sören Steimann. Der 15-jährige TuS-B-Jugend-Spieler besucht das Reichenbach-Gymnasium. „Es bringt mich bei der Berufsorientierung weiter als die Schule. Da machen wir nicht so viel in der Richtung.“ Und A-Jugend-Spieler Kevin Wohlert (18), der das Johannes-Rau-Gymnasium Wuppertal besucht, fand unter anderem hilfreich, zu erfahren, was Unternehmen für Anforderungen an ihre Bewerber haben.

Das Fußballspielen kam beim täglichen Training am Ende der Veranstaltung nicht zu kurz. Und natürlich hatten die Jugendspieler eine Menge Spaß mit Giovanni Federico. Der ehemalige Profi, der unter anderem für den 1. FC Köln, den Karlsruher SC und Borussia Dortmund spielte, erwirbt seine Trainerlizenz und ist auch für eine Fußballschule im Einsatz.

INFO:

„Sport trifft Wirtschaft – 1:0 für die Berufswahl“ ist ein Pilotprojekt der SIHK zu Hagen in Kooperation mit den Wirtschaftsjunioren Hagen/Ennepe-Ruhr.

Als Sponsor unterstützte die VER das Projekt. Das Unternehmen stellte einen Bus zur Verfügung, der die Teilnehmer zu den Firmenbesuchen transportierte.

Alle Jugendlichen erhielten eine Teilnahmebescheinigung, die sie später auch ihren Bewerbungen beilegen können.